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Aktualisiert am 29.12.2008

Filmkritik:

Buddenbrooks

Buddenbrooks

Deutschland 2008 R: Heinrich Breloer D: Armin Mueller-Stahl, Jessica Schwarz, August Diehl, Mark Waschke, Iris Berben, Léa Bosco, Raban Bieling, Justus von Dohnanyi Filmwebsite
Lübeck in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die alteingesessene Kaufmannsfamilie von Konsul Jean und Konsulin Bethsy Buddenbrook hat im Getreidehandel über Generationen ihr Glück gemacht und genießt mit ihren drei Kindern Thomas, Christian und Tony das Leben in einer aufstrebenden Wirtschaftsmetropole. Das Private ist untrennbar mit dem Geschäftlichen verbunden, Familie und Firma sind eins. Als Konsul Jean stirbt, beginnt der Stern der Buddenbrooks langsam zu sinken, und ein bewegendes Familienschicksal nimmt seinen Lauf.

Dirk Knipphals schreibt in seinem zweiten taz-Artikel zum Thema unter der Überschrift "Nostalgie zweiter Ordnung", Breloer habe "die Szenen des Romans verfilmt, nicht seinen epischen Atem. Und er hat jede einzelne Szene für sich so aufgeplustert, bis jeweils ein ganz eigenes Ausstattungskunstwerk dabei herauskam"; alles "soll groß, fett und beeindruckend wirken". Es sei "einfach zu viel, was Heinrich Breloer opfert, um sein Ausstattungskino zelebrieren zu können".

Andreas Kilb von der FAZ sah eine "entschieden pessimistische Version" des Romans; jedenfalls verließ er das Kino in dem Gefühl, "dass das neunzehnte Jahrhundert auch nicht mehr ist, was es mal war". Das Problem von Breloers Werk sei, dass sein Film "keine Stimme" habe: "Er spielt, zum Teil mit großem Geschick, die Motive Thomas Manns nach, aber er entwickelt keine eigene Melodie. Er verdaut gewaltige Stoffbrocken, ohne daran zu wachsen". Für den Fernsehregisseur, "der er nicht mehr sein möchte", sei das genug, "für einen Stammplatz im deutschen Kino ist es zu wenig".

Für Peter Michalzik von der Frankfurter Rundschau ist dieser Film "durch und durch Rekonstruktion". Vor allem sehe man ihm an, "wie sein Regisseur es an allen Ecken und Enden richtig machen will" - "Kulinarier wie auch Puristen sollen auf ihre Kosten kommen". Breloer habe sich da "eine Menge aufgeladen und er macht das alles in allem gar nicht schlecht. Trotzdem steckt in dem Film etwas ausgesprochen Musterschülerhaftes, was ihn steif macht". Trotzdem mache es Spaß, diesen Film anzusehen, was an den gut aufgelegten Schauspielern liege, darunter Jessica Schwarz, die "mit berückendem Grübchen-Charme und ihren Haselnussreizen" einfach drauf los spiele. Haselnussreizen? Weihnachten ist schon eine schwierige Zeit.

Aus der Berliner Perspektive von Christiane Peitz vom Tagesspiegel handelt es sich um den "Kostümfilm zum Schloss", der als "Interieur zur historischen Außenfassade" geraten sei - "Rosamunde Pilcher im Festtagsgewand". Diese "Fleißarbeit" , dieser "Historienbilderbogen mit Wiedererkennungsmarken für den zerstreuten Fernsehzuschauer" sei "gar nicht richtiges Kino" - als Zweiteiler soll er später im Fernsehen ausgestrahlt werden. Und weiter heißt es in diesem Totalverriss: "Kein Horizont öffnet sich, der Blick verflacht vor lauter Vordergrund und Oberfläche. Die Breloerisierung des Kinos trimmt die Fantasie auf vermeintliche Publikumsbedürfnisse, sie stutzt den Zuschauer zum Konsumenten zurecht".

Man spüre dramaturgisch wie auch stilistisch den "Einfluss des Fernsehens, das die Buddenbrooks als 'Amphibienfilm' finanzierte, und als Mehrteiler senden wird", schreibt Rüdiger Suchsland beim Filmdienst; es gebe die TV-typische "ermüdende Redundanz", mit der "Dialoge im Schuss-Gegenschuss-Muster erzählt, Halbtotalen und überhaupt jedes längere Verweilen in einem Bild aber tunlichst vermieden werden". Und weiter schreibt Suchsland: "Dafür, dass dieser Film als Breloers Herzensprojekt angekündigt wurde, wirkt er ziemlich herzlos, eher wie eine Pflichterfüllung, die den Roman bebildert, aber nicht interpretiert und mit Leben füllt". Breloers Erzählweise sei "rastlos, der Film lässt sich nie Zeit, er atmet nicht, hat keinen Bogen". Eine persönliche Note des Regisseurs bestehe darin, dass er "das Geld und seine Rolle im Roman zu seinem Recht kommen lässt", was der Absicht von Thomas Mann, "einem interessierten Leser von Marx und Weber", durchaus angemessen sei.

Für Mark Stöhr von der Zeit ist Breloers Fassung eine "auf ihre Wendepunkte filetierte Geschichte, ein bisschen Gefühlsdrama, ein bisschen Wirtschaftskrimi, alles auf den größten gemeinsamen Nenner des idealen Durchschnittszuschauers nivelliert". So werde "die Fernsehcouch zum Kinosessel und der Kinosessel zur Fernsehcouch". Mit einer "selbstbewussten, mit ihren genuin filmischen Möglichkeiten wuchernden Literaturadaption" habe das wenig zu tun.

Manfred Papst von der NZZ schreibt über die Entstehung von des Films und meint, das Ergebnis sei "opulentes Kino und zeigt gleichzeitig Thomas Manns frühen Meisterstreich in neuem Licht".

Dirk Knipphals von der taz fand die "Vorabaufregung" um diese "breit getretene Klassikerverwurstung" verwunderlich. Es sah nur "viel Überdeutlichkeit, viel Pathos, wenig Mannsche Ironie und gar keine Leichtigkeit".

Die FAZ und die Berliner Zeitung haben sich ausführlich mit Armin Mueller-Stahl unterhalten. Die Welt hat mit Heinrich Breloer gesprochen, Spiegel Online ebenfalls; die Frankfurter Rundschau hat Iris Berben interviewt.
Die NZZ porträtiert den Mark Waschke, der Thomas Buddenbrook spielt.

Die FAZ war bei der Welturaufführung in Essen zugegen. Die Süddeutsche Zeitung hat - die Bilder. Die taz berichtet von der Premiere in Lübeck.

Gerrit Bartels grübelt im Tagesspiegel, wie zeitgemäß der Roman Thomas Manns noch ist.

Spiegel Online berichtete von der Dreharbeiten in Lübeck. Peter Zander ( Welt) hat die Pressekonferenz besucht und schreibt über das Ensemble. Der Tagesspiegel meldet, dass Armin Mueller-Stahl, der Konsul Jean Buddenbrook spielt, seine Karriere bald beenden wird.

Die Welt vergleicht zwei Verfilmungen von Thomas Manns Roman: Alfred Weidenmanns Kinofilm von 1959 und Peter Wirths TV-Mehrteiler von 1979. Die Filme sind zusammen in einer DVD-Edition erhältlich.

Weitere Kritiken: FAZ, NZZ, Welt, Freitag, Süddeutsche Zeitung, epd Film.

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