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Aktualisiert am 17.07.2007

Filmkritik:

Deutschland. Ein Sommermärchen

Deutschland. Ein Sommermärchen

D 2006 R: Sönke Wortmann D: Jürgen Klinsmann, Joachim Löw, Oliver Bierhoff, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Michael Ballack 108 Min. Filmwebsite
Sönke Wortman durfte die deutsche Fussballnationalmanschaft während der WM 2006 mit der Kamera begleiten.

Peter Körte von der FAZ war trotz einiger "wunderbarer Momente" nicht zufrieden und findet dafür ein schönes Bild: "Wortmann filmt die Klinsmann-Zeit so, wie man in der Völler-Ära Fußball spielte: viel in die Breite, oft zurück, zu zaghaft in die Spitze, nur aufs Ergebnis fixiert." Gestört hat ihn etwa, dass Wortmann sich nicht nur auf das Beobachten beschränkt, sondern die Fußballer auch interviewt hat: "Zu sagen haben sie nicht viel, was völlig normal ist, aber die künstlich hergestellte Nähe des Interviews zerstört die Intimität, die der autorisierte Voyeur sonst buchstäblich im Vorbeigehen genießt." Die Verwendung der Spielszenen hat ihm recht gut gefallen, doch Wortmann habe zuwenig aus seiner "privilegierten Position auf der Ersatzbank" gemacht. Stéphane Meuniers Film von der WM '98 Les yeux dans les bleus hat ihm deutlich besser gefallen.

Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel lobt, Wortmann habe "das offizielle Homevideo der Nationalmannschaft gedreht, ein mal mitreißendes, mal ein bisschen auf der Stelle tretendes, oft lustiges, immer wieder erhellendes und mitunter heftig bewegendes Dokument – mehr kann sich eine Nation zum gemeinschaftlich erwärmend-erheiternden herbstlichen Kino-Nachsitzen kaum wünschen." Dabei zeige Wortmann "sehr fein (...) den Riss, der nach dem entscheidenden sportlichen Aus durch die Mannschaft ging."

Holger Kreitling von der Welt schreibt: "Im Grunde will Wortmann den Mythos nicht ankratzen, sondern fördern, indem er die Geheimnisse lüftet. Er zeigt Rituale und Psychostrategien des Trainerteams voller Stolz her, er erzählt affirmativ, lässt jeden Streit aus. (...) Wortmann staunt mit uns, wie aus einer unerfahrenen, spielerisch eher mittelmäßigen Mannschaft ein mitreißendes Team wird, das über sich hinaus wächst. Das ist schön zu sehen."

Sven Goldmann vom Tagesspiegel schreibt, der Film liefere "viele hübsche Anekdoten" und erzählt einige davon.

Reinhard Mohr schreibt in Spiegel Online wortreich, aber wenig originell über den Film, der ihm gut gefallen hat: "Eine Art Heimvideo für die Ewigkeit. Zugleich aber ist Wortmanns Film eine Innenaufnahme deutscher Seelenzustände im Sommer 2006, das Protokoll einer Veränderung, die Skizze einer neuen Generation, das bewegte und bewegende Album eines anderen Lebensgefühls in Deutschland."

Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau schreibt, Wortmann habe (in Anlehnung an Das Parfum) den "Duft der Unschuld" gefunden. Der Film führe "in ein Arkadien ungetrübter, die Generationen umspannender Männlichkeit" und werde "wohl nahezu jedem gefallen. Hier hat man es mit dem seltenen Fall zu tun, dass ein Film ein kollektives Gefühl einfängt, es für die Nachwelt erhält und dabei sogar noch auf sein Idealmaß filtert. Denn die Nostalgie, die dieser leichte Film schon jetzt verbreitet, gilt nicht dem Patriotismus. Sie verweist allein auf diesen herrlichen, unvergesslichen, verschwenderischen Sommer". Es sei Wortmanns "beste Leistung" bisher.

H.G. Pflaum ( Süddeutsche Zeitung) wundert sich offenbar über die Konzentration auf das Team allein: " Von dem internationalen Fest, an dem wir alle und auch andere als die Deutschen teilgenommen haben, werden die Archäologen der Zukunft in diesem Film nichts finden." Klinsmann wirkte auf ihn "oft wie ein eifernder Sekten-Prediger, gelegentlich auch wie die Karikatur amerikanischer Motivations-Agitatoren. Seine Parolen klingen angelernt, und manchmal schauen die Adressaten seiner Sprüche eher verwundert drein. In diesen Passagen geht der Film weit hinaus über alles, was wir im Fernsehen während der WM über den Trainer erfahren konnten."

Peter Kümmel von der Zeit schreibt: " Mit den Mitteln des Container-Fernsehens (die Helden leben der Öffentlichkeit enthoben und sind ihr doch ausgeliefert, sie werden ohne Unterlass gefilmt) hat Sönke Wortmann ein Werk der Huldigung geschaffen. Er will seine Figuren nicht durchschauen oder bloßstellen, er will ihnen nahe sein. Er filmt aus Bewunderung, er montiert sein Material im Rhythmus einer Familienserie."

Spiegel Online, der Tagesspiegel und die Welt haben mit Sönke Wortmann gesprochen.

Spiegel Online war bei der Premiere des Films in Berlin dabei.

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