Filmkritik:
Frau fährt, Mann schläft!
D 2003 R: Rudolf Thome D: Hannelore Elsner, Karl Kranzkowski, Markus Perschmann, Kathleen Fiedler, Joya Thome, Nicolai Thome, Serpil Turhan, Kim Hartwich, Eva Herzig Filmwebsite
Die sechsköpfige, großbürgerliche Familie Bogenbauer wird in einer Talkshow als 'Deutschlands glücklichste Familie' vorgestellt, hinter der Fassade sieht es aber etwas anders aus.
Anne Kraume ( taz) fand, die schematische Konstruktion tue "dem Film in seinen guten Momenten keinen Abbruch. (...) In den weniger guten Augenblicken aber lässt die Konstruiertheit den Film etwas plakativ und eindimensional erscheinen, und dann vermag auch Hannelore Elsner nicht darüber hinwegzuhelfen, dass Sue Süssmilch am Ende ihren Ehering ins Meer wirft, und noch weniger darüber, dass man schon minutenlang vorher gewusst hat, dass sie genau das tun würde."
Sascha Westphal von der Frankfurter Rundschau meint, Thome war seinem Vorbild Rossellini niemals vorher so nah gewesen wie in diesem Film. "Alles geht wild durcheinander, wie Kraut und Rüben eben, der Tod und die Liebe, der Erfolg und das Scheitern, ein Eindruck von Glück und ein Gefühl von Verzweiflung. Man muss dieses Wirrwarr, so Thomes Botschaft, nur wie einst Rossellini akzeptieren, erst dann öffnet sich das Leben in seiner ganzen Fülle und Schönheit. "
Jan Schulz-Ojala ( Tagesspiegel) zufolge muss man schon ein eingefleischter Thome-Fan sein um an diesem Film, der alsbald in ein Soapdrama abzudrifte, Gefallen zu finden: "Alles gut gemeint und doch schlecht ausgedacht. Thomes Drehbuch: voll seltsamer dramaturgischer Volten und in den Dialogen oft geschwätzig. Da mögen vor allem die jungen Schauspieler ihr Frischestes geben – sie sagen nur auf. Und erst das Kammermusikensemble der Hannoveraner Hochschule für Musik und Theater: Es tönt so inbrünstig pausen- und belanglos, dass man geradewegs ins Kaufhaus rennen und sich berieseln lassen möchte."
Peter Körte von der FAZ schreibt anerkennend, Thome beherrsche das "Spiel mit offenen Konstellationen wie kein anderer im deutschen Kino. In seinen Filmen gibt es keinen großen Knall, keine tränenselige Versöhnung, keine definitive Lösung. Manchmal hat man das Gefühl, Thome wundere sich selbst, daß und wie es immer wieder weitergehen kann. Dieses leise Staunen hat er sich in mittlerweile 22 Spielfilmen erhalten."
Matthias Heine (Die Welt) gefiel der Film: "Thome gelang mit diesem zweiten Teil seiner 'Zeitreisen'-Trilogie ein überaus entspanntes Altersmeisterwerk, sein bester Film seit langem." Aber das "tollste" an Frau fährt, Mann schläft sei, "mit welcher Sorgfalt und Schönheit hier die Liebesgeschichten und Leidenschaften der Jüngsten nicht nur gleichzeitig sondern gleichrangig neben denen der äußerlich Erwachsenen im Mittelpunkt des Interesses stehen."
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