Filmkritik:
Kill Bill: Volume 1
USA 2003 R: Quentin Tarantino D: Uma Thurman, David Carradine, Lucy Liu, Daryl Hannah, Vivica A. Fox, Michael Madsen, Michael Parks, Sonny Chiba, Chiaki Kuriyama, Julie Dreyfus, Gordon Liu, Jun Kunimura, Kazuki Kitamura Filmwebsite
Die Geschichte einer Rache: 'die Braut', eine ehemalige Killerin, wird an ihrem Hochzeitstag hochschwanger von ihrem ehemaligen Liebhaber und Boss Bill vermeintlich erschossen, vier Jahre später erwacht sie aus dem Koma und schwört Vergeltung. Blickpunkt: Film schreibt begeistert: "Aus zahllosen Zitaten, Referenzen und Verweisen hat Amerikas enthusiastischster Filmfan einen einzigartigen, völlig kompromisslosen Actionfilm jenseits genormter Erfolgsformeln zusammengesetzt, in dem Uma Thurman im Bruce-Lee-Outfit die vielleicht beste, aber ganz gewiss körperlichste Rolle ihres Lebens spielt."
Der Tagesspiegel bespricht Kill Bill als "grandiosen Unterhaltungsfilm", der durch seine Hauptdarstellerin, Uma Thurmann, die nielmals besser war als hier, zum "Ereignis" werde. "Das Kino des Quentin Tarantino funktioniert wie eine Recyclinganlage: Aufbereitet werden alte Popsongs, Schauspieler, die ihre großen Tage hinter sich haben, ganze Filmgenres" schreibt Christian Schröder und prophezeit eine "große globale Nancy-Sinatra-Renaissance".
Susan Vahabzadeh von der Süddeutschen Zeitung ist hin und hergerissen: " Kill Bill ist einerseits grandios und bleibt andererseits hinter den Erwartungen zurück, zeugt von einer unendlichen, ansteckenden Lust am Kino und geht einem irgendwann in seiner pubertären Zitierwut auf die Nerven."
Nicht sehr begeistert ist Hanns-Georg Rodek von der Welt: "Dies ist Quentins exploitation movie, und ausgebeutet wird außer der Filmgeschichte vor allem der menschliche Korpus. (...) Der größte Abwesende ist jedoch Tarantinos Talent, durch verschachteltes Erzählen aus alten Zitronen frischen Geschichtensaft zu pressen. Kill Bill folgt einem enttäuschend konventionellen Bauplan, ließe sich problemlos in zehn bis 15-minütige Folgen stückeln."
Katja Nicodemus von der Zeit beschreibt den Film als "cineastisches Delirium, versponnen in die Selbstbezüglichkeit des Mediums, eine hemmungslose Nummernrevue, die sich aus den Videoregalen der letzten Jahrzehnte ihre Kampf-Fantasien zusammengrapscht". Er entpuppe sich als "Psychoskizze eines Pop-Wunderkindes, als durchaus interessant gescheitertes Großprojekt eines spätpubertären Genies, das es allen zeigen will und doch vor allem ein Werk über die eigene Widersprüchlichkeit gedreht hat. Das ergibt zwar noch keinen guten Film, aber irgendwie hat es auch etwas Beruhigendes, dass es noch Regisseure gibt, die acht Monate Dreharbeiten und 55 Millionen Dollar geschenkt bekommen, um sich auf solche innerfilmischen Selbstfindungswege zu begeben."
In einer sehr langen und ausführlichen Besprechung kürt Georg Seeßlen ( taz) den Film zur vielschichtigen "Liebeserklärung ans Kino". Kill Bill sei eine "verrückte Mischung" aus "Comicstrip-, Italo-Western-, Martial-Arts-, Blaxploitation-, Samurai/heroic-bloodshed-, Gangsterfilm-, Rock-n-Roll/Pop/HipHop-, Anime-, Nouvelle-Vague-, Sixties-TV-Serien-Rachegeschichte, die scheinbar nichts anderes will, als sich in einem eigenen schrägen Wunderland der Popkultur zu amüsieren". Und doch viel mehr: "Was Quentin Tarantino auf seine unterhaltsame und poetische Art sagt, das ist, dass das Kino keine Simulation von Wirklichkeit mehr zu sein vorgeben soll. Die Bilder, die Worte, die Bewegungen, sie haben ihre eigenen Geschichten, ihre eigene Seele, ihre eigenen Tragödien. Es ist ein System, das in sich selbst genügend Leben erzeugt. Es ist ein Bild, unter dem man loslachen möchte und das einem das Herz bluten lässt."
Jürg Zbinden von der Neuen Zürcher Zeitung erschien das ganze als "eine fernöstliche Matrix", als "Mainstream-Härtetest", in dem der Kultregisseur seine "Gewalt des Absurden" zelebriere.
Daniel Kothenschulte erklärt in der Frankfurter Rundschau wie die "Tarantinomaschine" funktioniert: "Man kreiere aus Retro- und Genre-Elementen einen süffigen Fluss, der neben jedermanns Lieblingstrash auch manch Abseitiges mitführt. (...) Tarantino selbst versteht die in Kill Bill arrangierte Nummernrevue aus filmischen Vorlieben als 'Greatest-Hits-Album'. Tatsächlich erinnert Kill Bill an eine Mixkassette, die man für Freunde aufnimmt." Um was es dabei eigentlich geht sei "die endgültige Etablierung bestimmter, außerhalb des klassischen Hollywood entstandener Filmformen innerhalb der wenig durchlässigen Grenzen der Traumfabrik. Dieses Bemühen ist liebenswert naiv und mitunter anrührend sympathisch. Und wenn es dem Regisseur dabei leider kaum gelingt, einem der zitierten Genres auch eine eigene Note hinzuzufügen oder wenigstens einen der Höhepunkte auf Weltniveau zu kopieren, so kann man darin vielleicht auch eine bewusste Zurücknahme vermuten."
Oliver Hüttmann vom Spiegel ist so begeistert von Tarrantinos "opus magnum", dass er diverse Szenen des Films mit viel Liebe zum Detail vor uns ausbreitet. Die "Physis und Pointen dieses Blutballetts" werde "so leicht kein späterer Film erreichen". Die Raffinesse entstehe "nicht nur in der ausgeklügelten Choreographie, sondern vor allem in dem Schnitten und Kameraeinstellungen". Szenen gebe es, die "unvergleichlich und unnachahmlich sind". Man müsse den Film nicht sehen, aber dann verpasse man "brillantes Entertainment", "eine andere Welt. Das Tarantinoverse".
Sowohl Stärken als auch Schwächen hat Rüdiger Suchsland im Filmdienst entdeckt: "Die größte Schwäche des Films liegt darin, dass es in dem blutigen Wechsel aus Kämpfen und Kampfvorbereitungen schwer fällt, sich mit irgendeinem Charakter zu identifizieren, selbst nicht mit dem der von Uma Thurman gespielten 'Braut'. Sie ist eine Figur ohne Liebe und Humor, ihr einziges Gefühl ist Hass." Am schönsten fand er "die visuell atemberaubende" Sequenz, die "komplett im japanischen Anime-Stil" gefasst ist. Aber, "in Form und Stil ist der episodisch erzählte Film auch sonst über weite Strecken eine Augenweide. Kameramann Robert Richardson gelingen grandiose Momente, deren Wirkung durch die geniale Musikauswahl noch verstärkt wird. Langsame, ruhige Sequenzen wechseln mit rasanten Kämpfen, fast nie ist das langweilig, oft hervorragend inszeniert und immer attraktiv anzusehen. Nur zwei, drei Szenen verstören in ihrer Brutalität; während die Gewalt ansonsten nie Selbstzweck und überdies stilisiert ist, überwiegt hier Zynismus."
Interviews mit Quentin Tarantino gibt es in der Zeit, der Welt und im Spiegel. Die Süddeutsche Zeitung hat sich mit Uma Thurman über Rache unterhalten. Der Tagesspiegel porträtiert die "wahrscheinlich die einzige Schauspielerin, die allein durch ihre Anwesenheit einen Film zum Ereignis macht".
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