Filmkritik:
Land of the Dead
(George A Romero's Land of the Dead) CDN/F/USA 2005 R: George A. Romero D: Simon Baker, John Leguizamo, Dennis Hopper, Asia Argento, Robert Joy Filmwebsite
Das ganze Land ist in der Hand der Zombies, nur in den Städten scharen sich die Menschen noch zusammen und haben Söldner engagiert um sich zu verteidigen. Aber wie immer sind die Menschen ziemlich zerstritten und so können selbst die drögen Zombies gefährlich werden. Blickpunkt:Film spricht von einer "metaphernreichen Inszenierung mit symbolstarken Bildern". Eine "überzeichnete Gore-Orgie nimmt ihren splatterhaften Lauf, wo mit hervorquellenden Gedärmen, abgehackten Gliedmaßen, Enthauptungen sowie Maschinengewehrgeballer und Explosionen nicht gegeizt wird." Der Film sei wohl "ganz nach dem Appetit eingefleischter Genrefans " könne aber "ein jüngeres, andere Erzählrhythmen gewöhntes Publikum jedoch kalt lassen".
Frank Mehring vom Filmdienst war sehr angetan. Romero halte auch "in seiner jüngsten Fortsetzung an der ursprünglichen Vision fest. Dies hat zur Folge, dass Erzähltechnik und Ästhetik wenig innovativ sind. Doch allein die Tatsache, dass ein reinrassiger Splatterfilm nun in den Multiplexen Einzug hält, ist sensationell genug. Stichworte wie Homeland Security, Patriot Act, Irakkrieg und Menschenrechtsverletzungen prägen das an Brecht erinnernde Lehrstück." Der Film setze dabei auf ein "drastisches Theater der Entfremdung" und habe "eine anarchistische Story und beeindruckendes Make-Up". Dass Set- Design und Beleuchtung eher billig wirken, verstärke die Erinnerung an die Vorgängerfilme.
Die Welt am Sonntag gibt einen Überblick über die bisherigen Zombiefilme. "Im Rückblick zeigt sich, daß er (Romero) mit jedem seiner Filme die Grenze zwischen Mensch und Zombie weiter verwischt hat. In Land of the Dead findet diese Entwicklung ihren überraschenden Höhepunkt: Am anrührenden Ende spricht Romero seinen untoten Zöglingen gar ähnlich wie der deutsche Gesetzgeber ein menschenähnliches Existenzrecht zu. Gemeinsam bringen Zombies und Menschen das korrupte Regime des Stadtstaats zu Fall, danach können die Untoten unbehelligt ihrer Wege gehen."
Sascha Westphal von der Frankfurter Rundschau ist sehr beeindruckt davon, wie Romero über die Filme verteilt seinem Anspruch treu geblieben ist und sich standhaft weigert bloße Ikonen des Horrorfilms zu drehen. Die Filme seien Teile "einer alternativen Chronik amerikanischer Geschichte" in denen Ideen jeweils weiterentwickelt und "vertieft" würden. "Zugleich sind sie aber auch Reaktionen auf die ständige Inbesitznahme seines Erstlings durch Kritiker, Akademiker und Filmemacher. So negiert jedes der Sequels fundamentale Elemente seiner Vorgänger und verteilt die Karten zwischen den Lebenden und den Toten, den Mächtigen und den Ohnmächtigen, den Mitläufern und den Einzelgängern noch einmal neu." In Land of the Dead würden die Zombies "zu einer revolutionären Kraft", die "nach Gerechtigkeit" strebt. Der Film besteche durch "eine klare Komposition und räumliche Übersichtlichkeit, die es ihm ermöglichen, seine komplexen politischen Ideen rein visuell auszubreiten."
Einen weiteren, kürzeren Text hat Sascha Westphal für die Welt geschrieben.
David Kleingers vom Spiegel schreibt, Romero scheue auch dieses Mal "nicht vor klischeestrotzenden B-Filmszenarien und deklamatorischen Dialogzeilen zurück, aber alles andere wäre auch eine Enttäuschung gewesen: Es geht schließlich um ein offensives Kino, dass eindeutige politische Kommentare in ebenso rabiate wie assoziationsreiche Bilder übersetzt." Es sei der "lebensbejahendste von Romeros amerikanischen Alpträumen", den es gebe nicht nur Momente "der Solidarität unter den verbliebenen Menschen", sondern auch "die zarte Hoffnung auf Verständigung zwischen Lebenden und Untoten."
Bodo Mrozek schreibt im Tagesspiegel anerkennend: "Der bis zur letzten Sekunde spannende Actionfilm ist eine für Hollywood untypisch deutliche Amerika- und Zivilisationskritik: Die wahre Bestie ist der vermeintlich zivilisierte Mensch. Manchmal sind die blutrünstigsten Filme auch die moralischsten."
Andreas Busche von der taz kritisiert, so edel Romeros Parteinahme für die Underdogs auch sei, seine Politik wurzele "immer noch tief in den Achtzigerjahren", etwa die "Idee eines Großkapitals, das sich in seinen Wolkenkratzern verbarrikadiert", die an " Stirb Langsam (...) und läppische B-Movies wie Running Man" erinnere. "Mit unsäglichen Dialogen aus der Actionfilm-C-Liga (Asia Argento hat wahrlich Besseres verdient) und einem Faible für billige Explosionen rangiert Land of the Dead in der Nähe von John Carpenters Spätwerk. Dem Vermächtnis seiner Trilogie kann Romero damit nicht gerecht werden."
Peter Körte von der FAZ spricht recht wohlwollend, wenn auch ohne heiligen Ernst, über all die bewährten Zutaten und kleinen Neuerungen, die der Film bereithalte. Allerdings findet er, mit der evolutionären Weiterentwicklung der Zombies dürfe es auch langsam mal gut sein. "Doch als ich das Kino nach der Vorführung verließ, da schlurfte ein paar Meter vor mir ein Mann, dessen Bewegungen seltsam verlangsamt und unkoordiniert wirkten, und das vom Glasdach gefilterte Dämmerlicht im Berliner Sony-Center erinnerte unwillkürlich an die Mall in Dawn of the Dead (1978). So viele Filme gibt es nicht mehr, nach denen einem so etwas passiert."
Kai Mihm von epd-Film schreibt: "die unverblümte Direktheit seiner politischen Anspielungen, die theatralischen Gesten, der überspitzte Humor, selbst die schroffe, stellenweise etwas holprige Inszenierung machen diesen eigenwilligen Film so sympathisch." Mit der Figur "des bärenhaften Zombie-Revolutionärs 'Big Daddy'" habe Romero eine "der faszinierendsten Gestalten des modernen Horrorkinos" geschaffen. Auf "auf stille, lyrische Szenen" warte man diesmal vergebens: "Der 65-jährige Romero hatte etwas zu sagen, und das hat er getan. Bis zum nächsten Mal."
Jürg Zbinden von der NZZ beurteilt nicht Romeros Film, sondern schreibt über die Gattung des Zombiefilms. Außerdem spekuliert er darüber, wer sich derartige Filme eigentlich ansehe.
Was läuft wo?
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