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Aktualisiert am 20.01.2006

Filmkritik:

Match Point

Match Point

USA/GB 2005 R: Woody Allen D: Scarlett Johansson, Jonathan Rhys-Meyers, Emily Mortimer, Brian Cox, Matthew Goode, Penelope Wilton, Alexander Armstrong, Simon Kunz, Geoffrey Streatfeild Filmwebsite
Der Tennislehrer Chris lernt in London eine junge Frau aus bestem Haus kennen und heiratet sie, um den gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen. Als er sich in eine erfolglose Schauspielerin verliebt und eine Affäre mit ihr beginnt, geraten seine Lebenspläne in Gefahr.

Für Blickpunkt:Film ist Match Point eine "moderne Tragödie um Liebe, Schuld und andere Vergehen". Der "böse Kommentar um sozialen Aufstieg und den damit einher gehenden Verlust von Gewissen und Gefühl" ist eine von Allens "dunkelsten und sehr sexy angelegten Arbeiten".

Felicitas Kleiner vom Filmdienst meint, Allen habe mit diesem Film "noch einmal einen beachtlichen Haken geschlagen". Match Point "changiert zwischen Komödie und Psychodrama und wird schließlich zum Krimi um einen brutalen Mord". Ein "Glücksgriff" ist für sie die Besetzung der Hauptrolle durch Jonathan Rhys-Meyer.

Für Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel hat Woody Allen mit diesem seinem 39. Film nicht unbedingt den besten seit Jahren vorgelegt, aber "fraglos anders" als seine vorherigen Filme sei er schon. Match Point ist als "disziplinierte Versuchsanordnung, als kühle Folter für Zappelfigürchen gedreht". Wenn der Film sich zum Thriller wandelt, verliere er "auch skripttechnisch leider an Überzeugungskraft - der Thrill ist Allens Sache nicht."

"Das Beste an Woody Allens neuem Film ist, dass man kaum merkt, einen Woody- Allen-Film vor sich zu haben", schreibt Volker Mazassek in der Frankfurter Rundschau. Er freut sich über den "deutlichen Richtungswechsel", den "ganz anderen Ton", den der Regisseur diesmal anschlage. Scarlett Johansson, die "vor Sinnlichkeit fast platzt", spiele "facettenreich wie nie zuvor".

Für Michael Althen von der FAZ ist Match Point "ein Woody-Allen-Film ohne Woody Allen, in dem man ihn keine Sekunde vermißt",ein Woody-Allen-Film, "wie man noch keinen gesehen und wie man ihn auch eigentlich kaum mehr erwartet hat". Der Regisseur zeige hier zum ersten Mal, "wie gut er sich aufs Handwerk des Regieführens versteht, wenn sich mal nicht alles um ihn dreht". Mit einem "fast unbarmherzigen Sinn fürs Wesentliche"verharrt er bei jeder Situation "nur gerade lange genug, um seinen Punkt zu machen.: Aufschlag, Return, Volley am Netz, Treffer".

Auch Dietrich Kuhlbrodt von der taz lobt, Match Point stehe in Allens Werk "neu, jung und schön" da. Er fragte sich zunächst, ob das nun eine "Upper-Class-Satire oder eine Klischee-Sammlung" sei, um dann zu erkennen, dass er "großartiges Theater" und "emotionale Nähe", gar eine "bedenkenlose Verführung des Zuschauers" erlebte.

Für Peter Zander von der Welt ist dieser erste Allen-Film, der gänzlich außerhalb der USA entstand, in "verschwenderischer Fülle mehrere Filme in einem" - Tragödie, Geschlechterkomödie, Thriller. Woody Allen "hat zu seiner früheren Größe zurückgefunden", freut sich der Kritiker.

Katja Nicodemus von der Zeit stimmt in die Lobgesänge ein: "Es ist ein harter, gnadenloser Film, sein bester seit Jahren". In Matchpoint ist die Welt "so ungerecht, unerlöst und zynisch, wie er sie wohl immer sah, aber keinem zumuten wollte". Durch die britische Klassengesellschaft bewege er sich "mit der Begeisterung eines Ethnologen, der einen unbekannten Stamm entdeckt hat".

"Die Tragödie, die Woody Allen beschwört, in diesem Film so rein wie noch nie zuvor, ist die der Oper", meint Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung. Außerdem enteckte er "etwas Stendhaleskes" in diesem Film, der "so unsentimental spekuliert über die Verwicklungen von Liebe und Verführung und Sex und Ehrgeiz und Mordlust".

"Ungewohnt kühl und nüchtern" empfand Birgit Glombitza vom Spiegel diesen "raffinierten Film", in dem es "so klar, so konzentriert und zielstrebig" zugehe wie selten zuvor im "Allenschen Kosmos". Trotzdem spüre man den "Allenschen Einfallsreichtum an jeder Ecke".

Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau bezeichnet Match Point als "größten künstlerischen Erfolg" Allens seit langem und als sein "überzeugendstes Gesellschaftsstück seit Hanna und ihre Schwestern".

Auch Rainer Gansera von epd Film hat nichts zu meckern. Selten habe der Regisseur seine Akteure "derart brillant in Szene gesetzt", selten eine Story "so facettenreich aufgefächert".

Auch Christoph Egger von der NZZ gefiel vieles an diesem Film; "meisterhaft" fand er, wie Allen "die Schandtat nicht relativiert, wie er seinen Helden mit wenig Identifikationspotenzial ausstattet und uns dennoch um ihn bangen lässt, wenn er mit zitternden Händen die Mordwaffe zusammenzuschrauben versucht".

Die Welt hat mit Woody Allen gesprochen.
Peter Unfried von der taz erklärt, warum "die Leute" über Matchpoint reden und was Scarlett Johansson damit zu tun hat.

Match Point lief 2005 beim Filmfestival von Cannes außer Konkurrenz. Stimmen finden Sie hier und hier.

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