Filmkritik:
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
(Monsieur Ibrahim et les Fleurs du Coran) F 2003 R: François Dupeyron D: Omar Sharif, Pierre Boulanger, Gilbert Melki, Isabelle Renauld, Lola Naymark, Anne Suarez, Mata Gabin Filmwebsite
Im Paris der 1960er-Jahre freundet sich der jüdische Junge Momo mit dem alten muslimischen Lebensmittelhändler Ibrahim (Omar Sharif) an, der für ihn zum Ersatzvater wird. Verfilmung des Bestsellers von Eric-Emmanuel Schmitt.
Andrea Dittgen vom Filmdienst fand den FIlm immer dann "wunderbar leicht", wenn sich Regissuer Dupeyron "darauf konzentriert, den Zeitgeist einzufangen". Die Szenen mit Ibrahim und Momo im Laden hingegen wirkten "stets ein wenig bemüht". Omar Sharif spiele mit "bemerkenswerter Zurückhaltung und einer Nonchalance, die ihn ins Zeitlose, Märchenhafte entrückt".
Für Andreas Kilb von der FAZ ist der Film "nett", seine hohe "Spruchdichte" aber etwas anstrengend. Ohne Omar Sharif wäre er "nicht der Rede wert". Zum rätselhaften Ende bemerkt der Kritiker, das Problem mit den netten Filmen sei nicht, daß wir "nicht verstehen, was sie uns sagen wollen. Sondern daß es nicht darauf ankommt".
Christina Tilmann vom Tagesspiegel hat sich an einigen "wunderbaren" Szenen ergötzt und an Omar Sharif, der mit "wunderbarer Lockerheit" durch diesen Film gehe.
Daniel Bax von der taz stellt fest, der Film halte sich "recht brav an die Romanvorlage", schleppe sich aber, anders als diese, dahin, sodass man sich wünsche, "etwas von dem Tempo der Rock-n-Roll-Musik würde sich auf ihn übertragen". Dieses "Versöhnungsmärchen" werde sein Publikum finden, weil es die "Sehnsucht nach einem unschuldigen Urzustand der Harmonie" bediene.
Cosima Lutz von der Welt gefiel dieses "Märchen", das mitunter "schwerelos wie im Tanz" wirke und auch eine "Liebeserklärung an einen humorvollen Gott" sei, der "sogar Filme und Filmstars ermöglicht". Am Ende aber traue der Film "seiner eigenen Beweglichkeit nicht recht".
Birgit Glombitza mäkelt in der Zeit, Regisseur François Dupeyron habe den "kulleräugigen Tiefsinn der Vorlage in die Setzkastenkulisse eines verklärten Paris der sechziger Jahre" gestopft, und im "kalkulierten Wechsel zwischen kindlicher Aufregung und der Abgeklärtheit des Alters" komme diese "Atrappenwelt schnell zur selbstgerechten Ruhe". Ohne die "leichthändige" und "elegante" Darbietung Omar Sharifs würde man "manches einfach verdösen".
Für Gerhard Midding von der Frankfurter Rundschau schildert der Film das Erwachsenwerden als "Parcours der wacker kompensierten Verluste". Der " unverfängliche Humanismus" von Buch und Film sei "Gott sei dank nur um den Preis eindrücklicher Figuren zu haben; andernfalls würde man sich ihm nicht so bereitwillig anvertrauen".
Daniele Muscionico von der Neuen Zürcher Zeitung lobt dieses "kleine, ganz und gar weltliche Filmwunders", weil Regisseur Dupeyron aus der "Vorlage für ein rührseliges Melodrama" ein "unmodisches, unprätentiöses Lehrstück über Fatum und Fatalismus" habe werden lassen.
Die Welt am Sonntag hat ein Gespräch mit Omar Sharif geführt.
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Französisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Französisch
• Bildformat: 16:9, 16:9
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 91 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 20. September 2004
• Produktion: 2003
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