Filmkritik:
My Big Fat Greek Wedding - Hochzeit auf Griechisch
USA 2002 R: Joel Zwick D: Nia Vardalos, John Corbett, Michael Constantine, Lainie Kazan Filmwebsite
Eine Aschenputtel- und Culture-Clash-Geschichte: die 30jährige Toula ist Tochter einer lauten und exzentrischen griechischen Familie in Chicago. Als sie sich in den irischstämmigem Ian verliebt, und das Paar heiraten will, ist das für beide Elternhäuser erst einmal ein Schock.
"Der Überraschungserfolg aus den USA (...) sorgt mit charmanten Betrachtungen, witzigen Darstellern und trefflicher Situationskomik für geistreiche und amüsante Unterhaltung", schreibt Blickpunkt:Film.
Oliver Rahayel vom Filmdienst ist froh, dass Hollywood offenbar nicht versucht hat, "den Stoff stromlinienförmig zu machen. Am wenigsten passt die Inszenierung von Fernsehregisseur Joel Zwick in das Korsett der üblichen romantischen Komödien. Dafür mangelt es ihr an Romantik und an Melodramatik, was beides im Vorbeigehen abgehandelt wird; außerdem ist sie schlicht zu ungestüm. Auch sind alle dramaturgischen Übersteigerungen, alle Stereotypen immer eine Spur zu originell oder grotesk, um als bloße Ethno-Klischees wahrgenommen zu werden. Hinzu kommen all die kleinen, seltsamen Eigenschaften der Figuren, die für subtilen Witz sorgen."
Für Susan Vahabzadeh von der Süddeutsche Zeitung ist der Film eine sehr "persönliche" und "einfache kleine Komödie", aber trotzdem gleichzeitig ein "Phänomen", denn "die Geschichte ist rührend und komisch, das Aschenputtel ist in den USA jetzt mindestens so gefragt wie Uma Thurman, und genaugenommen ist dieser Film ein weitaus besseres Geschäft als Titanic."
Was diesen Independent-Film vom Mainstream unterscheidet, sei eigentlich nur die Hauptdarstellerin meint Jan Distelmeyer ( Frankfurter Rundschau). Und zwar "nicht ihre Haltung, ihre (Familien-)Politik oder ihre Sprache, sondern ihr Körper und dessen Selbstverständlichkeit ist es, der Nia Vardaloses Filmfigur etwas Eigen- und eben darin Widerständiges gibt." Filmästhetisch erinnere alles stark an Fernsehserien Friends, Ally McBeal und Sex and the City. Und tatsächlich soll die Filmcrew schon an einer ersten Staffel einer neuen Fernsehserie My Big Fat Greek Life arbeiten.
Peter Zander ( Welt) sieht das ganz ähnlich. Ebenso Daniel Haas vom Spiegel, der, dem Titel zum Trotz, einen wenig gehaltvollen und leicht verdaulichen Film gesehen hat. Und Andreas Busche von der taz findet es gar nicht so verwunderlich, "dass zwei so unterschiedliche Filme wie My Big Fat Greek Wedding und Bowling for Columbine in Amerika zu den (relativen) Überraschungshits des Jahres 2002 avancierten, (...) denn letztlich arbeiten beide - wenn auch mit unterschiedlicher Rhetorik - mit vergleichbaren Argumenten. Der linksliberale Patriot Moore zeigt, dass die Genese der 'wahren' amerikanischen Nation innerhalb der eigenen vier Wände beginnt, indem er dem Zuschauer gewissermaßen die Negativprojekion der Greek Wedding-Großfamilie vorhält"
Anke Leweke in der Zeit dagegen meint, dies sei "nicht einfach nur eine fröhliche kleine Multikulti-Komödie, die den Nachweis erbringen soll, dass die einen nicht so orientalisch und die anderen nicht so engstirnig sind, wie sie zunächst vorgeführt werden. Zwar geht es um eine Synthese von vegetarischer Schonkost und fetten Lämmern, lebensprallen Dogmen und amerikanischen Mittelklassevorurteilen, doch der kluge Charme von My Big Fat Greek Wedding liegt in seinem offensiven Umgang mit Stereotypen. Letztere werden hier nicht überdehnt, um ad absurdum geführt zu werden, sondern um ihren wahren Kern zu entblößen - was durchaus etwas Befreiendes hat."
Die Welt weiß, dass Filme mit ethnischen Zielgruppen die USA erobern.
Die Süddeutsche Zeitung hat sich mit Nia Vardalos unterhalten.
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 91 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 28. Juli 2003
• Produktion: 2002
DVD Features:
• Audiokommentar
• Interviews
• Biographien
• Kinotrailer
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