Filmkritik:
Per Anhalter durch die Galaxis
(The Hitchhiker's Guide to the Galaxy) R: Garth Jennings D: Sam Rockwell, Martin Freeman, Mos Def, Zooey Deschanel, Bill Nighy, Warwick Davis, Anna Chancellor, John Malkovich Filmwebsite
Verfilmung des britischen Science-Fiction-Kultbuchs von Douglas Adams über die Abenteuer des Antihelden Arthur Dent im Weltall.
Für Blickpunkt:Film ist Per Anhalter durch die Galaxis "ohne Zweifel einer der komischsten Filme des Jahres". Der "liebevoll adaptierte Stoff" sei "sowohl visuell als auch in philosophischer Hinsicht absolut originär" und beschäftige sich "neben Nonsens durchaus auch mit tieferen Fragen". So vertraue der Film bei der "detailgenauen Gestaltung des außerirdischen Universums (...) nicht auf ausschließlich gepixelte CGI-Welten, sondern lässt mit Lo-Fi-Charme stets Adams' philosophische Ader durchscheinen". Der Film sei sehr nah an der Buchvorlage geblieben, nur "Puristen mögen über die wenigen dramaturgisch notwendigen Veränderungen zur Vorlage vielleicht murren".
Jörg Gerle vom Filmdienst haben es vor allem die "wunderbaren Exkurse in die Belanglosigkeit" angetan. Sie seien "die Höhepunkte in einem Film, der erfrischend wenig mit den aktuellen Hightech-Produkten Hollywoods zu tun hat, weil er eine geniale Vorlage weitgehend unangestrengt adaptiert". Sicherlich seien auch in diesem "50 Mio.-Dollar-Spektakel" die Special Effects nicht unwichtig: "Sie sind aber immer dann besonders eindrücklich – und etwa der dritten „Star Wars“-Episode Die Rache der Sith haushoch überlegen –, wenn die Puppen (...) von Jim Hensons 'Creature Shop' gestaltet und nicht von Computern generiert sind." So sei denn auch die "spektakulärste Szene" – neben der gigantischen Sternenbaustelle – eine kurze Sequenz mit durch Stop Motion animierten Häkelpuppen. Insgesamt ist es ein vergnüglicher Film, findet Gerle. Es sei der "'typisch englische' Humor, der schon aus Monty Pythons Sinnlosigkeitsattacken Klassiker machte und nun auch in Per Anhalter durch die Galaxis gute Laune verbreitet".
Sebastian Frenzel (taz) findet, bei der Adaption der Vorlage sei "eine runde und kurzweilige Story herausgekommen". Auch visuell wisse der Film zu überzeugen: "statt einer Übermenge an Special-Effects werden viele Szenen mit Puppen und Kostümen bestritten; das Design und die detailgenaue Ausstattung einzelner Räume sind grandios." Frenzel bemerkt, dass sowohl der "spezifische, 'englische' Humor" des Originals als auch dessen gesellschaftliche Anspielungen auf die 80er Jahre "stark gestrafft" wurden, was dem Film zugute komme. Leider wisse der Film die Lücke, die durch das Wegbrechen solcher Bezüge entstehe, nicht zu füllen: "Weder findet er eine eigene Art von Humor, die über Schenkelklopfen hinausginge, noch erreicht er die gesellschaftliche Brisanz des Originals - und so ganz ohne Referenz fehlt ihm letztlich auch die Relevanz."
Hanns-Georg Rodek von der Welt ist enttäuscht. Hollywood habe das "Bauprinzip des 'Anhalters'", nämlich dass "die Nebensachen hauptsächlich" sind, zwar begriffen, aber nicht akzeptiert: "Regisseur Garth Jennings ordnet alles dem Von-A-nach-Z-Bogen unter und verordnet Arthur die handelsübliche Romanze. Das Hingeworfene wird zum Ausgewalzten (...), und das Metaphorische wandelt sich zum platten Spezialeffekt." Der alte Zauber "dieser Symbiose aus 'Monty Python' und 'Raumschiff Enterprise'" sei "perdu", was aber auch an der Entwicklung der Zeitläufte seit der ursprünglichen BBC-Hörspielserie von vor 27 Jahren liege.
"Möglicherweise ist das Kino, dieses haarsträubend direkte Eins-zu-Eins-Medium, für den Geist von Douglas Adams ein bisschen zu dumm", sinniert Tobias Kniebe von der Süddeutschen Zeitung. Denn ihn hat die Adaption des Stoffes als Film, anders als die Umsetzungen als Buch, Fernsehserie und Computerspiel, nicht überzeugt, weil Adams "bitterböse Aperçus" hier nicht funktionierten. Was bleibe, sei ein "immer noch sehr britischer, von dem Newcomer Garth Jennings recht entspannt inszenierter Film mit gewaltigen Durchhängern". "Star des Films" seien die Stimme und die Worte des Erzählers, die man, "wenn es irgendwie geht, im Original hören" müsse (dort gesprochen von Stephen Fry).
Sebastian Handke vom Tagesspiegel findet den Film "sehr uneinheitlich: Manchmal sehr komisch und spielerisch heiter, fällt er immer wieder tief in dramaturgische Löcher." Gut gefallen haben ihm der Hauptdarsteller Martin Freeman ("meistert die Aufgabe mit Bravour") und die Vogonen-Puppen (gegen sie verblasse "selbst der perfekteste digitale Zauber"). Die "Verfilmung einer unverfilmbaren Vorlage hätte wahrlich Schlimmeres zu Tage fördern können als diesen Film", meint Handke: "Er mag sich zwar zwischen Satire und Abenteuer nicht recht entscheiden, tut dem Stoff aber nur so viel Gewalt an, wie er gerade noch verträgt. Und selbst da, wo der Humor etwas durchhängt, hat er jenem von George Lucas immer noch eines voraus. Er ist stets freiwilliger Natur."
"Douglas Adams hätte kein schönerer Grabstein gesetzt werden können als er mit diesem Film über die Leinwände der Welt schwebt", meint Heike Kühn (Frankfurter Rundschau). Sie hat eine "kongenial respektlose, philosophische und bildmächtige Umsetzung" des Stoffes gesehen. Die "hinreißend listige Verfilmung" sei "mehr als ein Glücksfall für Adams' Millionen zählende Fangemeinde", sie sei "ein Zeichen des Widerstands gegen den geistlosen Größenwahn Hollywoods". Ein "luzider Geist", der Sinn und Unsinn des Universums, des Lebens und der Liebe in köstlich gebrochenen Klischees und Vorurteilen spiegele, belebe Schauspieler und Puppen.
Peter Körte (FAZ) findet, im Vergleich zum "heiligen Ernst der Sternenkrieger" sei Per Anhalter durch die Galaxis "eine Frischzellenkur". Der Film, der "mit seinen Spezialeffekten angenehm haushält", verzichte weitgehend darauf, "den britischen Humor ins internationale Disney-Idiom zu überführen". Es sei da "ein wunderbares Gespür für das Nebeneinander von altertümlich wirkendem technischem Gerät und futuristischen Raumschiffkonstruktionen" und es begegneten sich "verschiedene Generationen der Tricktechnik in derselben Sequenz". Insgesamt behalte "der charmante Irrsinn" die Oberhand, "und wenn einem das galaktische Trampen vielleicht auch nicht mehr so zündend und frisch erscheint wie vor zwanzig Jahren, dann ist es doch nah genug, um sich gerne zu erinnern."
Frank Arnold von epd film prophezeit: "Origineller wird der Science-Fiction-Film in diesem Jahr wohl nicht mehr werden können, nach den (vermutlichen) Materialschlachten von George Lucas und Steven Spielberg werden wir uns diesen Film in einigen Monaten mit noch größerem Vergnügen ein weiteres Mal ansehen." Der Film biete "jede Menge Deja-vu-Momente, aber eben nicht in Form des auftrumpfenden Zitats, sondern lässig hingeworfen". Die Bestandteile dieser fremden Galaxie seien uns vertraut ("finster dreinblickende Aliens, gigantische Raumschiffe") – es gehe darum, was man daraus macht.
Auch Jürg Zbinden (NZZ) fällt auf, dass der Film "an den verqueren Humor der Monty-Python-Truppe" erinnere. Das "Spektakel" wirke aber auch "wie ein kosmisches Kaleidoskop; das Auge ermüdet zusehends".
Der Spiegel hat sich mit Douglas Adams' Freund und Firmenpartner Robbie Stamp unterhalten.
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch, Arabisch, Französisch
• Bildformat: 2.35:1
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 104 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 13. Oktober 2005
• Produktion: 2005
DVD Features:
• Zusätzliche (Pannen-) Szenen - Die Erde: Meistens ganz harmlos
• Zwei Audio-Kommentare: Mit Regisseur Garth Jennings, Produzent Nick Goldsmith und den Darstellern Martin Freeman und Bill Nighy- Mit dem ausführenden Produzenten Robbie Stamp und Sean Solle, Mitarbeiter von Douglas Adams
• Making Of 'Per Anhalter durch die Galaxis'Zusätzliche Eintragung in den Reiseführer
• Wirkliche zusätzliche Szenen: - Panik! Jetzt! - Arthur entkommt
• Lied zum Mitsingen
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