Filmkritik:
Spider-Man
USA 2002 R: Sam Raimi D: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, Willem Dafoe, James Franco, Rosemary Harris Filmwebsite
Die Verfilmung des von Steve Ditko gezeichneten Comics zeigt uns den Peter Parker, der durch den Biss einer genmanipulierten Spinne Superhelden-Fähigkeiten entwickelt: er kann plötzlich Wände hochklettern, drohende Gefahren vorausahnen und Spinnennetze aus seinen Armen herausschleudern. Mit dieser Sonderausstattung nimmt er den Kampf für Gerechtigkeit auf.
Martin Zeyn von der taz lobt die Wirklichkeitsnähe des Films, bei diesem Genre sicherlich ein entscheidendes Kriterium: "Noch nie wurde die Genese eines Superhelden so realistisch gezeigt". Unser Superheld näht sich nämlich seine Superheldenkleidung zunächst selbst und prallt auch mal gegen ein Wand, da er "noch nicht weiß, wie er seine Kräfte einsetzen muss". Gelungen sei das Casting; Tobey Maguire spiele Peter Parker "mit einem so harmlosen Grinsen, dass er jeden überzeugt, er könne nicht Spider-Man sein". Regisseur Sam Raimi spitze die "moralische Zwangslage" des Helden geschickt zu: "Wie auch immer Spider-Man handelt, er gerät in Entscheidungsnöte". Die Kampfszenen fand der Kritiker eher enttäuschend.
Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung meint, dass Amerika im "loser und seiner seelischen Masturbation" zu sich finde, und Spiderman sei der "Meister des Selbstmitleids". Außerdem empfehle es sich, den Film in der Originalfassung anzuschauen, denn die Stimme von Tobey Maguire sei es, die den Film trage, eine Stimme, die "sanft ist und pubertär kratzig, erregungsarm und deshalb hypnotisch effektiv".
Julian Hanich vom Tagesspiegel fragt sich, wie ein "so wenig herz- und hirnerschütternder Film solche Massen mobilisieren" könne; er nennt dankenswerter Weise gleich zwei Gründe: Spider-Man gelte als der "menschlichste aller Superhelden", ein "Comic-Hero von nebenan. Eine Identifikationsfigur für die Massen"; außerdem könne man den Erfolg durch eine "lange Vorgeschichte voller Publicity" erklären. Dass hier "nicht auf Stil und visuelle Opulenz", sondern auf "romantische Action" gesetzt werde, erweitere den Kreis der Zuschauer zusätzlich, habe aber den "Nachteil, dass der Look des Films beliebig wirkt und die Spannung sich bis auf das Niveau einer High-School-Soap hinunterregelt".
Carsten Happe vom Schnitt glaubt einen "riskanten Spagat" des Films erkannt zu haben zwischen "konservativem, mitunter gar reaktionärem Gedankengut vergangener Jahrzehnte" und einer "effektberstenden state-of-the-art-Inszenierung", die sich "in bisher nicht gesehene Höhen aufschwingt - rein technisch betrachtet"; dramaturgisch krebse Spiderman dagegen am Boden "wie die titelgebenden Arachniden".
Je mehr der Film sich zum Duell zwischen Spiderman und Green Goblin (William Dafoe) zuspitze, merkt Blickpunkt:Film an, "desto mehr verliert er diesen ureigenen Charme, der ihn zunächst so hinreißend macht".
Holger Kreitling lobt den Film in der Welt; er führt den USA-Erfolg nicht nur auf die Popularität der Comicfigur zurück, sondern auch auf den "luftigen New-York-Sexappeal" und den "unterschwelligen Wir-retten-die-Stadt-Patriotismus". Dabei sei Spiderman "kein Film der Trauer, sondern ein Sturm-und-Drang-Film, ein jubilierendes Kostümdrama, das mit leichter Hand ein neues Städtebild aus dem Geist der Comics formt: Megalopolis ist ein netter Ort zum Leben, wenn der freundliche Spinnennachbar darüber wacht". Regisseur Raimi erzähle mit "rasanter, gleichzeitig wohltuender Zurückhaltung. Weder vertraut er zu sehr auf digitale Effekte, noch übertreibt er das mögliche Comic-Pathos". Auch Katja Lüthge von der Frankfurter Rundschau findet, hier sei ein "wirklich schöner Film" gelungen. Sie glaubt, er sei "vor allem auch ein Liebesfilm", dessen Botschaft laute: "Schaut genau hin Mädchen! Gerade auch kluge Brillenträger verfügen über ungeahnte Fähigkeiten und meinen es wirklich gut mit euch." Ihr Fazit: ": Spider-Man ist so rührend wie Bambi, so gut animiert wie Matrix und romantischer als Titanic".
Georg Seeßlen interpretiert den Film in der Zeit vor allem politisch: er pflege die "Tradition des liberalen amerikanischen Superhelden". Man könne, wenn man wolle, den "Satz, der auch im Film als Motto über der Existenz dieses Superhelden steht, durchaus als Mahnung an seine Nation verstehen: 'Great power means great responsibility'".
Michael Bodmer von der Neuen ZürcherZeitung lobt die Schauspieler - Tobey Maguire zum Beispiel mache den "introvertierten Streber ebenso glaubhaft (...) wie den witzelnden Krabbelmann" - Sam Raimi zeige allerdings nicht den "Stilwillen von Tim Burton oder Bryan Singer bei Batman bzw. X-Men".
Der Spiegel hat Hauptdarsteller Tobey Maguire interviewt und mit Spider Man-Erfinder Stan Lee gesprochen, die taz porträtiet Maguire. Die Süddeutsche Zeitung hat mit Tobey Maguire über "ein Leben nach Spider Man" gesprochen.
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
• Bildformat: 16:9, 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 116 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 29. Juni 2004
• Produktion: 2002
Was läuft wo?
Welcher Film, welche Stadt, welches Kino, welche Uhrzeit - finden Sie's raus mit dem
Cinema-Kinotimer



























