Filmkritik:
Syriana
USA 2005 R: Stephen Gaghan D: George Clooney, Matt Damon, Jeffrey Wright, Chris Cooper, William Hurt, Mazhar Munir, Tim Blake Nelson, Amanda Peet, Christopher Plummer Filmwebsite
Der Film thematisiert anhand mehrererErzählstränge die Machenschaften der CIA und der amerikanischen Ölkonzerne im Nahen Osten. Steve Gaghan, der für das Drehbuch zu Traffic einen Oscar erhielt, führte hier auch Regie. Blickpunkt:Film war der Film fast etwas zu trocken: "Die Story erweist sich als ergiebige Informationsquelle voller vertrackter Hintergründe und Zusammenhänge, gerne hätte man dabei vielleicht noch etwas mehr über die einzelnen Figuren erfahren. So werden die emotionalen Aspekte zumeist nur kurz, dafür aber tiefgreifend angeschnitten." Verglichen mit Traffic sei der Film schnörkelloser.
Stefan Volk vom Filmdienst war begeistert: "Von Robert Elswit perfekt fotografiert, oft mit dynamischer, pseudojournalistischer Handkamera, rasant geschnitten und von packender Hintergrundmusik vorangetrieben, schlägt der erstklassig inszenierte Politthriller von Anfang an in Bann." Auch wenn es zu Beginn schwer sei, der Handlung zu folgen. Der Film verzichte darauf seine Figuren klar als gut oder böse darzustellen: "Es sind keine Stereotypen, sondern Menschen wie Du und ich; letztlich, so suggeriert der Film, sind es wir selbst, die wir die Weltgesellschaft formen." Für George Clooney findet Volk ebenfalls lobende Worte.
Auch Holger Kreitling von der Welt sieht über kleine Schwächen gerne hinweg und kommt zu einem sehr positiven Urteil. Dass viele Fragen offen blieben und manche Entwicklung zu schnell beschrieben werde, sei nicht wirklich ein Problem: "Indem der Film alle Böden wegzieht, jeden Handlungseindruck offen läßt und sich hintergründig distanziert, bleibt ein fragiles Gewebe übrig. So wie Kitsch zum Melodram gehört, muß der Verschwörungsthriller die Kolportage und Unterhaltung einbinden, erst dann wird das Politische wirksam. Syriana strahlt. Syriana brennt. Syriana ist fürs Kino alternative Energie."
Michel Bodmer von der Neuen Zürcher Zeitung lobt Clooney dafür, dass er als "Schauspieler, Regisseur (...) und Produzent (...) intelligentes und engagiertes Kino" mache. Der Film versuche eine Ahnung von der Komplexität des Themas zu vermitteln. Das verlange dem "Publikum einiges an Aufmerksamkeit und Mitdenken ab. Doch die ideologische Ausrichtung des Films ist klar genug, um beim Verständnis der verzwirnten Handlungsstränge zu helfen: Der Westen hat kein Interesse daran, dass die Golfstaaten eine taugliche, vielseitige Wirtschaft und eine gesunde Gesellschaftsstruktur entwickeln, denn die einseitige Abhängigkeit dieser Regime vom Ölexport macht sie anfälliger für den Druck des Westens."
Harald Fricke von der taz hat eigentlich alles ganz gut gefallen. George Clooney erinnerte ihn an De Niro oder Keitel, "überhaupt hat man bei Syriana oft den Eindruck, in einer dieser cool-vertrackten Scorsese-Szenerien gelandet zu sein". Der Film sei gut erzählt und vor allem bilde Gaghan "Realität nicht als hysterisch aufgeladenen Ausnahmezustand ab, eher als eine sich allmählich zum Desaster hochschraubende Routine."
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau hat dann doch mal etwas gestört: "Nicht, dass man an seiner pessimistischen Haltung gegenüber einer militärisch betriebenen Wirtschaftspolitik zweifeln möchte; es ist die Art wie er Anteilnahme schafft und sich am Ende aus der Affäre stiehlt, die Zweifel wecken können an der Ehrbarkeit dieses zugegeben ungewöhnlichen Films." Es falle "schwer, nun eine tatsächliche Stellungnahme aus Gaghans Film herauszulesen", es sei "kein mutiger Film, sondern einer, der immer aus dem Schneider ist. Dennoch hat er Qualitäten, aber nicht, weil er etwas transparent machen wollte. Er macht vielmehr die Undurchsichtigkeit undurchsichtig."
Anke Sterneborg ( epd-Film) schreibt: " Syriana handelt vom Verlust des Vertrauens und von einer tiefgreifenden Verunsicherung, und es ist allein der schillernden Besetzung zu verdanken (...) , dass man als Zuschauer in dem hochkomplizierten Geflecht der Beziehungen nicht völlig den Überblick verliert."
Die Welt hat sich mit dem Ex-Geheimagent Robert Baer über Syriana unterhalten.
George Clooney nimmt die Vorwürfe, er sei 'unpatriotisch', "recht gelassen", meldet Spiegel Online.
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