Filmkritik:
Waking Life
USA 2001 R: Richard Linklater D: Wiley Wiggins, Trevor Jack Brooks, Lorelei Linklater Film-Homepage
Richard Linklaters Film ist vor allem technisch außergewöhnlich. Zunachst mit einer DV Kamera und Schauspielern gedreht, wurde das Material danach von Bob Sabiston bearbeitet und in einen Animationsfilm verwandelt. Den Plot beschreibt Blickpunkt:Film so: Ein junger Mann "sucht auf einer langen, surrealen Reise durch die Nacht - träumt er oder wacht er? - nach dem Sinn des Lebens." Optisch konnte der Film den Kritiker überzeugen, inhaltlich sei es "ein typischer Festivalfilm", der uns schlauen Europäern wie "eine intellektuell verbrämte Readers-Digest- bzw. Best-of-Version der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts" vorkomme.
Sascha Seiler vom Schnitt stimmt dem zu: "das Dickicht der Metaphern" sei "leicht zu durchdringen, da Linklater den Schlüssel zum Dekodieren der sprachlichen Zeichen etwas zu offensichtlich im Laufe des Films herumliegen läßt. (...) Um den Film zu verstehen, was trotz des Informationsoverkills, der ohne Pause in Waking Life abgespult wird, nicht sonderlich schwierig ist, muß man nur die vier oder fünf Deutungen des Titels gegeneinander abwägen und sich dafür entscheiden, was Linklater uns jetzt genau damit sagen wollte." Herr Seiler plaudert ein bißchen mehr vom Inhalt aus, ob zu viel mag jeder selbst entscheiden. "Technisch (...) ist der Film ein äußerst gelungenes Experiment. Die Form der Darstellung triumphiert bei Waking Life eindeutig über das Dargestellte, indem es gerade jene Verschmelzung eingeht, welche die Worte der Protagonisten untermauern sollten. Aber die Geheimnisse liegen von Anfang an offen."
Julian Hanich vom Tagesspiegel scheint es auch nicht so recht gefallen zu haben: "Das Ergebnis (der Animation) sieht mal aus wie Malen- nach-Zahlen, mal wie ein japanischer Manga. Dann wieder fühlt man sich an Zeitungskarikaturen erinnert, an Kinderbilderbücher oder die Gemälde des Afroamerikaners Jacob Lawrence. Herausgekommen ist ein Zettelkasten-Film zum Thema Traum. Ein Film, der aus Theoriegeraune, Fragen nach den letzten Dingen und namedropping besteht." Dald wähne man sich selbst im Traum und sei eigentlich ganz froh wenn es vorbei ist.
Hanns-Georg Rodek von der Welt ist dagegen restlos begeistert von den Bildern. Durch die Bearbeitung vereinten sie "den eleganten Fluss von Realaufnahmen mit der Abstraktion allerkühnster Animation. Das einzige feststellbare Prinzip dieser Bilder ist die, nennen wir es, "uneinheitliche Bewegung". Wenn eine Kamera sonst nach oben fährt, bewegen sich alle Gegenstände im Bild nach unten, und wenn sie nach rechts schwenkt, verschieben sie sich nach links. In "Waking Life" jedoch sind alle Figuren, Formen, Körper ständig im Fluss begriffen. Die Grenzen von Flächen wellen, schwellen, pulsieren." Inhaltlich lasse sich der Plot mit ineinander verschränkten Träumen nicht völlig entwirren, doch das spiele keine Rolle denn weitestgehend sei " Waking Life ein Solitär in der Kinolandschaft, eine einzigartige Kreation, die verdient, von uns bestaunt zu werden."
Rainer Gansera ( Süddeutsche Zeitung) meint, Linklater habe aus der Frage nach Traum und Wirklichkeit einen "furiosen philosophischen Abenteuerfilm und ein brillantes visuelles Experiment" geformt. "Linklater versammelt Freunde, Lehrer und Weggefährten, um mit ihnen seinen autobiographischen Bildungsroman in ein kluges, witziges, zauberhaft inspiriertes Bilderpanorama zu verwandeln. (...) Bei all seinen Traumerkundungen ist Waking Life doch vor allem eine Hommage an den wachen Verstand, an das Immer-weiter- Fragen, an die jugendliche Suche nach Welterklärungen, die sich mit keiner Antwort zufrieden gibt."
Infos zu diesem Titel
• Sprache: Englisch
• Import, Animated, PAL, Widescreen
• Laufzeit: 96 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 24. Februar 2003
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