Filmkritik:
We feed the world - Essen global
Aut 2005 R:Erwin Wagenhofer Filmwebsite
Der Dokumentarfilm versucht die Zusammenhänge der globalen Ernährungswirtschaft darzustellen und die Missstände anzuprangern.
Josef Lederle vom Filmdienst tut sich schwer mit der "Neigung, angesichts einer immer komplexeren Wirklichkeit einen Hauptschuldigen wie den Kapitalismus, die Bürokraten aus Brüssel, die Konzerne etc., zu finden". Das helfe "im Allgemeinen wie im Konkreten jedoch leider nicht weiter – allem Pathos zum Trotz". Der Film verschweige "seine handlungsbezogene Perspektive keinen Augenblick". Davon abgesehen, findet Lederle aber auch lobende Worte: Der Film erschöpfe "sich glücklicherweise nicht darin, den Konsumenten aufzurütteln und zum Überdenken seiner Gewohnheiten zu verleiten. Die (...) Kapitel konzentrieren sich zwar jeweils auf einen Standort und die dort produzierte Ware, gehen aber in dem 'Kommentar' nicht auf, mit dem der jeweilige Gesprächspartner das Geschehen erläutert."
Ralph Eue (Tagesspiegel) gefiel der Film ausgesprochen gut. Er lebe vom "vom Impetus des Reporters. Oberste Priorität: Anschaulichkeit, Verständlichkeit. Scharf und zugespitzt." Er gebärde sich dabei nicht "als Welterklärungsmodell. Sein sinnlicher Reiz rührt von der Beherztheit seiner dokumentarischen Erzählung und von den Zusammenhängen, die der Film subjektiv und dabei völlig unpolemisch herstellt."
Auch Cosima Lutz von der Welt lobt, der Film kommr ohne "den anklagenden Duktus der Skandal-Aufdeckung und ohne Kommentar" aus. "Zwischen Originaltönen und Fakten bombardiert Wagenhofer den Zuschauer aber nicht etwa mit wohlfeilen Schreckensszenarien. Er komponiert schwebende, tastende, opulente Bilder der Fülle und der Über-Fülle." Und zwinge den Zuschauer zum Nachdenken.
Michael Kohler von der Frankfurter Rundschau lobt den Film zunächst auch dafür, dass er weitgehend auf schockierende Bilder verzichte und eher den Intellekt anspreche. So werde "die Wirtschaftslogik, aus der die Geschmacklosigkeit unserer Nahrungsmittel folgt", thematisiert und der Film finde Gesprächspartner, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Doch "leider ist das Mantra vom globalen Markt schon die ganze Weisheit dieses Films. (...) Mit der Einsicht allein, dass es im Kapitalismus um Gewinnmaximierung geht, lockt man jedenfalls keinen Konsumenten mehr hinter dem Schnäppchenangebot hervor. Schade um eine Recherche, die unter dem verinnerlichten Diktat des globalen Denkens dort aufhört, wo es spannend wird."
Christiane Grefe von der Zeit freut sich, dass "Dokumentarfilmer sich nach Jahren der Konzentration auf leichtes Fernsehfutter wieder vermehrt an das große Trotzdem der Aufklärung zu wagen". Sie schreibt über mehrere Filme (u.a. Workingmans Death, der demnächst in die Kinos kommt). Was We feed the world fehle, sei "tiefere Analyse, Lösungen, Widersprüche. (...) Die bruchlose Empörung, die unter der scheinbaren journalistischen Lakonie der Szenen brodelt, ist zugleich die Schwäche wie die große Stärke von Wagenhofers Film."
Bert Rebhandl (taz) schreibt, der Film nehme sich zuviel vor: Er liefere "visuelle Beweise für zahlreiche Fehlentwicklungen in der modernen Landwirtschaft", doch "weil er so viel behandeln will, kann Wagenhofer davon immer nur wenig zeigen". So lasse er Widersprüche nebeneinander stehen, "ohne deren Kontext näher untersuchen zu können".
Andreas Platthaus von der FAZ prophezeit, dass der Film "berühmt werden wird". Wagenhofers "Meisterschaft als Dokumentarist" bestehe darin, "daß er allein die Bilder und seine Gesprächspartner sprechen läßt - und das Ganze mit einer grandios unauffälligen Tonkulisse unterlegt, für die der Sounddesigner Helmut Neugebauer gar nicht genug gelobt werden kann". Platthaus hat in dem Film Szenen gesehen, "die man nie mehr vergessen wird".
Auch Oliver Voß (Spiegel Online) lobt, dass Wagenhofer im Gegensatz zu Michael Moore oder der Burgerdiät-Dokumentation Super Size Me auf Polemik verzichte: "Stattdessen lässt er Fakten und Bilder für sich sprechen."
Zeit-Chefkoch Wolfram Siebeck nimmt den Film zum Anlass für einige grundsätzliche Betrachtungen über Lebensmittelkonzerne und Verbraucher.
Die Zeit greift das Thema des Films noch einmal in einem Leitartikel mit dem Titlel "Wir essen die Welt" auf Seite eins auf.
Brigitte Zarzer von Telepolis sah eine "kurzweilige Doku", die ihre Interviews und Bilder "simpel aneinanderreiht". Dem Verbraucher fühle Wagenhofer allerdins weniger auf den Zahn. Die gegen den Film erhobenen Vorwürfe der Schwarz-Weiß-Malerei seien zum Teil zutreffend; die Kritikerin fragt sich allerdings, was man Wagenhofer "eigentlich wirklich anlasten" könne: "Dass er ein absurdes System zur Kenntlichkeit entstellt?"
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