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Aktualisiert am 11.07.2005
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Filmkritik:

Das Wunder von Bern

Das Wunder von Bern

D 2003 R: Sönke Wortmann D: Louis Klamroth, Peter Lohmeyer, Johanna Gastdorf, Birthe Wolter, Mirko Lang, Sascha Göpel, Lucas Gregorowicz, Katharina Wackernagel, Peter Franke, Knut Hartwig Filmwebsite
Ein kleiner Junge hat so seine Konflikte mit dem aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Vater, während der Fußballer Helmut Rahn, dem der Junge immer die Tasche tragen darf, sich in der Schweiz um die Weltmeisterschaft bemüht. Blickpunkt:Film lobt überschwänglich. Es sei Wortmanns bester Film seit langem: "Wunderbare Charakterzeichnungen gelingen ihm ebenso wie die schönsten, am besten beobachteten Szenen seiner Karriere (vor allem die von Kindern nachgespielte Partie, während man den zugehörigen Radikommentar hört, ist hinreißend), deren Detailliebe ebenso überzeugt wie ihr warmer Humor." Diese Szene fand auch Oliver Rahayel ( Filmdienst) großartig, darüber hinaus bemängelt er aber die fehlende Tiefe der Charaktere, sie seien eher "Platzhalter für soziale Phänomene". Die einzigen Ausnahmen sind der Vater (Lohmeyer) und Bundestrainer Sepp Herberger (Franke). Außerdem ging ihm die "übertriebene Sucht nach Authentizität" zu weit.
Laut Dietrich Kuhlbrodt ( taz) habe der Film das Finale 2:3 "vergeigt". Gelungen seien die schicken authentischen Bilder aus der Nachkriegszeit und die tollen Fußballszenen. Doch leider zeige der Film viel zuwenig Fußball, stattdessen finde man sich wieder in einer "Familienserie" um einen "zickigen Macho" der seine Familie und den Zuschauer nerve. Die Dialoge seinen schlecht und zuviel "Orchesterbombast" gebe es auch.
Peter von Becker darf im Tagesspiegel auch mal übers Kino schreiben. Sehr spät hat ihn erst "das Absichtsvolle, das politisch Korrekte, auf fernsehhafte Ausgewogenheit Zielende" an diesem Film gestört. Sonst war er durchaus begeistert, von den Fussballaufnahmen, von Peter Franke und Louis Klamroth, der seinen Vater Peter Lohmeyer "passagenweise an die Wand" spiele.
Dietrich Dietrichsen (Die Zeit) meckert, der Film gebe dem deutschen Gefühl recht, "den Zweiten Weltkrieg eher erlitten als veranstaltet zu haben". Das Wunder von Bern sei gar keins, "sondern das ganz normale Nachkarten der Bürger eines ehemaligen Schurkenstaates, auch über das Recht auf Triumphe verfügen zu wollen." Zudem hat ihn noch das aufdringliche Setdesign gestört: "Bei einem Film, der sich kinematografisch und dramaturgisch eher auf mittlerem TV-Niveau bewegt, geschieht es selten, dass jedes Bild so aussieht, als wäre es lange erwogen worden. Das ist hier aber der Fall, weil ständig das Problem zu lösen war, wie man all die Museumsstücke zur Geltung bringt."
Fritz Göttler ( Süddeutsche Zeitung) geht ungewöhnlich streng mit Film und Regisseur um: "Sönke Wortmann hat den Film zu seinem magnum opus erklärt - mehr könne ein Regisseur nicht schaffen in diesem Land. Eine groteske Attitüde, ein dummes Verständnis von der eigenen Profession, ausgerechnet bei einem, der sich gern aufs amerikanische Kino beruft, der in Hollywood einen Film dort bereits realisieren konnte." Der Film komme "vielfach so ungelenk und klapprig daher wie die Fußballer, wenn sie mit ihren Stollen auf dem harten Betonboden in den Stadiongängen marschieren."
Jan Distelmeyer von der Frankfurter Rundschau findet, Das Wunder von Bern "scheitert an seiner Aufgabe und stellt in seinem Ringen um Eindeutigkeit das ganze Projekt in Frage. Die Idee der 'Stunde Null', könnte man aus diesem Film lernen, ist derart konstruiert, dass sie nicht glaubhaft in eine eindeutige Kinoerzählung verwandelt werden kann."
Hanns-Georg Rodek (Die Welt) fand den Film "packend" und lobt die "Professionalität", mit der "Wortmann und sein Co-Autor Rochus Hahn die Stränge legen und handwerklich sorgfältig zu einem immer dichteren emotionalen Netz verweben". Der Film stehe, glaubt der Rezensent, "für den ultimativen Bruch der neuen Kinogeneration mit Fassbinder & Co, den ungeliebten Vätern vom alten Neuen Deutschen Film. Und - im ganz großen Bogen - signalisiert der Film sogar die Ablösung des Zöglings Deutschland von seinem Ziehvater Amerika."
Oliver Hüttman vom Spiegel lobt es sei zwar "kein makelloser Film. Zuweilen strapaziert Wortmann das Pathos etwas arg. Wenn er seinen Bildern nicht traut, will er auf Nummer sicher gehen und schießt übers Ziel hinaus. Doch es ist ein unterhaltsamer, liebevoller, würdiger Film mit famosen Darstellern".
Rolf Niederer ( Neue Zürcher Zeitung) zufolge interpretiere Das Wunder von Bern "den kollektiven Glückszustand, in den nicht nur der fussballbegeisterte Bevölkerungsteil fiel, als 'ein ermutigendes Gegenbild zum Nazireich'. (...) Zum Vorteil des zuweilen pathetisch-distanzlosen Films" werde aber "die Parabel auf das deutsche Wirtschaftswunder immer wieder ironisch gebrochen."

Jan Christian Müller von der Frankfurter Rundschau erzählt uns wie die Fussballaufnahmen gedreht wurden, und der Spiegel hat einen Legotrickfilm ausgegraben, der das Finale ebenfalls nachstellt. Holger Gertz ( Süddeutsche Zeitung) glaubt dass Mythen im Sport nicht mehr möglich sind.

Im Spiegel gibt es ein Interview mit Peter Lohmeyer. Interviews mit Sönke Wortmann gibt es im Tagesspiegel und im Spiegel.

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Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Englisch, Französisch, Spanisch
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 112 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 29. April 2004
• Produktion: 2003

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