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Aktualisiert am 03.02.2005

Filmkritik:

Zwölf Stühle

Zwölf Stühle

D 2004 R: Ulrike Ottinger D: Georgi Delijew, Genadi Skarga, Swetlana Djagiljewa, Boris Raev, Olga Rawitzkaja Filmwebsite
Adaption des gleichnamigen Schelmenromans der Autoren Ilya Ilf und Jewgenij Petrov, in dem ein Ganove, ein Geistlicher und Adliger auf der Suche nach einem Juwelenschatz durch das Sowjetreich der Zwanziger Jahre reisen.
Margarete Wach vom Filmdienst meint, es zeuge von "inszenatorischem Mut", dass "bei der rasanten Geschichte und dem Figurenreigen die russisch-sowjetische Historie zu einem Katarakt von Personen und Orten mutiert, der Analogien zwischen gestern und heute nahe legt". Was Ottinger im Sinn habe sei "nichts weniger als die Mentalitätsgeschichte einer Gesellschaft", dabei bleibe aber die "analytische Deutungsebene" im Film "eher diffus; verschiebt sich bei aller Beschwörung einer Geschichte, die in die Gegenwart fortwirkt, auf die Ebene von Bildern, die ihrerseits nicht selten an einer pittoresken Oberfläche haften bleiben".
Eberhard von Elterlein (Die Welt) ließ sich von der "angenehme(n) Zeitlosigkeit" des Films fesseln. "Das filmische Gewand ist streng und diszipliniert, Ton und Haltung sind distanziert-ironisch, (…) dicht und durchweg amüsant. Das Typenarsenal von der betrogenen Ehefrau über den unfähigen Bauerndichter bis hin zum arbeitslosen Sargtischler ist bunt und vielfältig und der ganze Film mit seinen stolzen 198 Minuten keine Sekunde zu lang".
Claudia Lenssen (taz) schreibt, der Stoff lasse "Züge einer politischen Parabel erkennen und kommt zugleich Ulrike Ottingers romantischem Ästhetizismus und ihrem Stilgefühl fürs Groteske entgegen." Die vom Theater kommenden Schauspieler "beherrschen das Repertoire ihrer klassischen Meierholdschen Schauspielkunst perfekt; sie breiten die Kunst der typisierenden Durchzeichnung ihrer Figuren weidlich aus und bleiben puppenhafte Fremde in den Kulissen des heutigen Odessa und in den pittoresken Landstrichen der Ukraine."
Peter W. Jansen von der Frankfurter Rundschau schreibt: "Die Lust am Fabulieren, fern jeder Psychologisierung der Figuren, mischt die unterschiedlichsten Elemente und schafft so das Wunder einer schier federleichten Konstruktion durch hemmungslose Dekonstruierung."

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