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Aktualisiert am 23.06.2006
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Filmkritik:

Die Reise der Pinguine

Die Reise der Pinguine

(La Marche de l'Empereur) F 2004 R: Luc Jacquet Filmwebsite
Der Dokumentarfilm zeigt die Mühen der Kaiserpinguine bei der Aufzucht ihrer Jungen in der Antarktis. Ulrich Kriest vom Filmdienst fand die Bilder zwar spektakulär und gelegentlich gar von "erhabener Qualität", doch die dazu eingesprochenen Kommentare mit verteilten Rollen gingen ihm ziemlich auf die Nerven. "Die Kleinfamilie wird mit Stimmen ausgestattet, bei der dann der verzweifelte Vater ausruft: 'Sie müssen essen, sie brauchen ihre Mütter!' Und die glücklich überlebenden 'Kids' freuen sich über die Entertainment-Qualitäten der Landschaft gleich im Jargon der Jugendsprache." Die Verhaltensweisen der Vögel würden "vermenschlicht" und die Vereinnahmung durch die religiöse Rechte, die den Film gegen Darwins Evolutionstheorie ins Feld führt, sei so kein Zufall: "Jacquets oberflächliches Interesse an Sentimentalität hat den Film zu einem Musterbeispiel für die manipulative Kraft des scheinbar Dokumentarischen gemacht. Einer politischen Lektüre setzt er immerhin keinen Widerstand entgegen – wenngleich er in erster Linie doch etwas anderes ist: offen reaktionärer Kitsch."
Christiane Peitz vom Tagesspiegel sah es weniger kritisch. Immerhin hat sich Regisseur Jacquet von der religiösen Lesart seines Films deutlich distanziert ("Den Film religiös zu deuten wäre so, als würde man ‚Superman’ nach Verteidigungsstrategien analysieren.") und Peitz zitiert auch Kameramann Jérôme Maison, der die Evolutionstheorie verteidigt. Der Film sei als "Lovestory" konzipiert: "ein Melodram von Vatermutterkind, eine Legende vom Widerstand und der Strapaze des Überlebens in der unwirtlichsten Gegend der Welt. Der melancholische Adel der Tiere ist mit irrwitziger Komik gepaart. Pinguine, diese Vögel ohne Flügel, sind blitzschnelle Schwimmer, aber sie laufen langsam und schlecht." Der Soundtrack sei so süßlich, dass "Disneys Bambi " dagegen "cool" wirke.
Cristina Nord von der taz lobt zwar einige "hinreißende" Einstellungen, doch auch mit den Bildern hadert sie nach einiger Zeit: Es sei als wolle Jaquet "hinter jedes Bild ein Ausrufezeichen setzen." Bezüglich der politischen Kontroverse verweist auch sie auf Jaquets Distanzierung in Le Monde, es wäre ihr aber lieber gewesen, er hätte dies in seinem Film angelegt: "Je länger Die Reise der Pinguine andauert, umso mehr wünscht man sich, Jaquet möge das Spezifische einer Pinguinexistenz in den Vordergrund rücken, möge ihr Geheimnis, wo er es nicht lösen kann, doch wenigstens gebührend würdigen. Stattdessen versucht er, die Welt der Pinguine in den Kategorien des Menschen zu erfassen." Der Film stelle mit seinen Texten "die Grenze zwischen Mensch und Tier (...) zur Disposition" und man habe den Eindruck, "die christlich-fundamentalistischen Freunde des Films lägen mit ihrem Jubel genau richtig."
Die Frankfurter Rundschau schreibt kurz und knapp: "Der Schönheit seiner Bilder wird vieles durch den menschelnden Duktus genommen. Bei Jaquet können Pinguine sprechen - und das ist keine gute Idee."
Iris Alanyali von der Welt hasst sprechende Tiere, und hätte Jaquet seinen Film mit normalen Texten von Tierdokumentationen unterlegt, wäre sie rundherum zufrieden gewesen: "Jacquets Film ist verhaltensbiologisch eine Meisterleistung, sagen Experten. Warum nicht davon erzählen? Vom Marsch mit der Kolonie durch Eis und Schnee, vom vorsichtigen 'Dialog' mit den Tieren, von der ständigen Angst, eine Panik auszulösen, der Hunderte Eier zum Opfer fallen könnten. Vom Filmen bei minus 40 Grad und 150 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit. (...) Man muß diesen Film sehen. Hören darf man ihn nicht."
Verena Lueken von der FAZ kommt zum gleichen Urteil: Der Film mit seinen Bildern allein "hätte ein wunderbarer Tierfilm werden können", doch die Tonspur erinnere an einen "schlechten Kinderfilm".
Jürgen Schmieder vom Spiegel haben die religiöse Anklänge nicht sehr gestört: "Jacquet wollte keine Dokumentation im Sinne der ethnographischen Sielmann-Filme drehen. (...) So schafft er eine Erzählweise, die zwar in einigen Momenten kitschig wirken mag, seine Wirkung jedoch nicht verfehlt. Als Zuschauer ist man gefesselt, der Transfer auf die menschliche Lebensweise fällt nicht schwer." Etwas putzig sind Herr Schmieders Biologiekenntnisse: "Pinguine gehören zur Familie der Vögel, obwohl der Begriff nicht unbedingt passt, denn die Welt der Lüfte ist ihnen verwehrt."

Über die Kontroverse in Amerika informiert der Spiegel.

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Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Französisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, PAL, Special Edition, Surround Sound
• Laufzeit: 82 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 22. September 2006
• Produktion: 30. November 2004

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