Filmkritik:
Was lebst du?
D 2004 R: Bettina Braun Filmwebsite
Der Dokumentarfilm porträtiert einige Jugendliche ausländischer Abstammung im Kölner Eigelstein-Viertel.
Alexandra Wach vom Filmdienst lobt, der Film kümmere sich um Themen, mit denen sich der deutsche Film bislang schwer tue. Zwar sei der Film "ästhetisch wenig ambitioniert", doch "mit der bedingungslosen Anteilnahme in jeder Form – der des Begleitens zu Prüfungen und Bewährungssituationen, des Einblicks in familiäre Zusammenhänge, Werte und Einschränkungen – dokumentiert Braun einen extrem spannenden Mikrokosmos." Gerade dadurch, dass Braun die "Selbstinszenierung" der Jugendlichen nicht stärker hinterfrage, gelinge es ihr "hinter der harten Schale auch Ängste und Verletzungen" aufzudecken, "die das Nichtangenommensein, der Heimatverlust mit sich bringen." Streckenweise sei der Film "rührend erzählt, begleitet von einer subtilen Komik, die nicht immer frei von Überzeichnung ist, was jedoch schlicht der warmherzigen, trotz aller sozialen und individuellen Hindernisse lebensbejahenden Einstellung der Jugendlichen geschuldet ist."
In der Frankfurter Rundschau findet sich nur eine kurze Filmbeschreibung.
Die taz, ähnlich kurz, spricht von einem "der beeindruckendsten" Dokumentarfilme des Jahres. "Selten sonst wird man einen ähnlich differenzierten Einblick gewährt bekommen in die Lebensentwürfe und Ansichten von Jugendlichen, die von den Medien sonst unter den Rubriken 'Parallelgesellschaft' und 'Problemgruppe' abgehandelt werden."
Silvia Hallensleben vom Tagesspiegel ist ebenfalls sehr angetan: "Anders als ein vorbeiziehendes Fernsehteam, das mal schnell ein paar O-Töne abgreift, versteht sich die Filmemacherin nach alter Dokumentaristenethik als Verbündete, die sich ihrem Objekt mit Neugier und Respekt nähert und dabei auch die eigene Person nicht ausklammert." Der Film sei voller "Überraschungen" und gepägt von großem "Respekt". Es sei "die große Stärke von Bettina Brauns Film, dass es ihr gelingt, (...) Brüche aufzuzeigen, ohne damit billige Demontage zu betreiben. Denn die vier wachsen uns im Laufe des Films immer mehr ans Herz."
Dietmar Kammerer von der taz lobt, der Film sei "einer der schönsten und beeindruckendsten dieses Jahres. (...) Man kann nur staunen über die Offenheit, mit der hier Menschen über sich berichten." Erreicht wurde dies durch die den fairen Umgang der Filmemacherin: "Sie ist präsent, ohne sich in den Vordergrund zu rücken. Nie redet sie mit anderen über ihre vier Protagonisten, wenn diese nicht dabei anwesend sind. Nicht mit dem Leiter des Jugendclubs, nicht mit den Eltern. Die vier sollen selbst bestimmen können, was für ein Bild von ihnen gezeichnet wird, und sie danken es, indem sie so ehrlich als möglich sind."
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