Filmkritik:
Houwelandt - Ein Roman entsteht
D 2005 R: Jörg Adolph D: John von Düffel, Gottfried Honnefelder, Christian Döring, Dirk Wittenborn, 107 Min. Filmwebsite
Der Münchner Dokumentarfilmer Jörg Adolph beobachtete den Hamburger Autor John von Düffel, Jahrgang 1966, über einen Zeitraum von 17 Monaten beim Schreiben und Vermarkten seiner literarischen Familienchronik "Houwelandt".
"Ein faszinierender Film über das Schreiben in unseren Tagen, über künstlerische Erschöpfung und die Angst vor dem Scheitern, wenn eine halbe Millionen Zeichen eine Eigendynamik entwickeln und das Leben des jenigen, der sie zusammenfügte, zu überwuchern drohen", resümiert Hans Messias (Filmdienst). Der "bei aller Stille überraschend dynamische Film" hole "aus dem eher 'bildfeindlichen' Sujet das Äußerste heraus und erzählt dabei auch von der Magie des Schreibens".
Rainer Gansera (epd Film) ist der Ansicht, Adolph zeichne "ein schönes Porträt des Schriftstellers, liebevoll-aufmerksam und nüchtern-präzise, und erzählt, wie nebenbei, zwei spannende Dramen. Einmal: das innere Ringen des Autors mit seinem Stoff, und dann: die Bewahrung seiner Intentionen gegen die Mühlen des Betriebs." Gansera spricht abschließend ein dickes Lob für das Gesamtwerk des Dokumentarfilmers aus: "Jörg Adolph, Jahrgang 1967, hat sich immer schon für Menschen interessiert, die sich einer Sache mit äußerster Leidenschaft hingeben. Er (...) tauchte in deren Universen ein, voller Hingabe, Respekt und anrührender Wahrhaftigkeit. So auch hier".
Heike Kühn (Frankfurter Rundschau) schwärmt vom beobachteten Autor und vom Film: "Von Dussels Ehrlichkeit, seine Fähigkeit zu Selbstgenuss und Selbstironie ist beeindruckend. Wer Literatur liebt, wird in diesem einzigartigen Film verstehen, dass Liebe Besessenheit, Pedanterie, Zweifel, Perfektionswahn und Manipulation einschließt. Und dass doch alles auf Hingabe beruht."
Der Film wurde bereits im September 2005 auf 3sat ausgestrahlt.
Ulrich Stock von der Zeit schrieb damals von der "sonderbarsten Romanverfilmung, die es je gab". Seine Einschätzung: "Selbst wer Düffel nicht mag, wird dieses Video mögen, die erste Literaturbetriebsverfilmung überhaupt." In einem Wort: "grandios!".
Auch Gerrit Bartels (taz) war beeindruckt: Adolph sei es "gelungen die Entstehung, Verwandlung, Produktwerdung und spätere Vermarktung von von Düffels 2004 erschienenem Familienroman 'Houwelandt' auf über hundert Minuten derart zu inszenieren, dass einem niemals langweilig wird. Man schaut selbst dann noch gebannt zu, wenn von Düffel allein in seinem Kämmerlein sitzt und die Worte an seinem Computer aneinander reiht."
Hendrik Feindt (Tagesspiegel) konstatierte, auf "literarischem Feld" tue sich "das Bildmedium Film weiterhin schwer". So sei auch Adolphs Dokumentation "ein Lehrfilm über die Marktgängigkeit von Literatur geworden". Darin liege aber auch "der eigentliche Reiz dieser Dokumentation, die eindrucksvoll den Prozess von der Erschaffung eines Romans bis zur Vermarktung beschreibt".
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