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Aktualisiert am 26.09.2006

Filmkritik:

Jeder schweigt von etwas anderem

Jeder schweigt von etwas anderem

D 2005 R: Marc Bauder, Dörte Franke, 72 Min Filmwebsite
Der Film erzählt, hauptsächlich über Interviews mit den Betroffenen, die Geschichte dreier Familien, die durch die Stasi-Haft von Eltern(teilen) und Freikäufe in die Bundesrepublik auseinandergerissen wurden und die durch die damaligen Ereignisse bis heute geprägt sind.

Franziska Heller (Filmdienst) zeigt sich beeindruckt: "Die Leistung von Jeder schweigt von etwas anderem (...) ist es, dass hier das Erinnern und Erzählen selbst zum Problem gemacht wird: Geschichte ist vor allem eine Frage der Art und Weise des Erzählens, des Verhältnisses von Erzähler und Zuhörer oder Zuschauer. Indem die Zeitebenen über Emotionen ineinander verwoben werden, hebt der Film dies besonders hervor. (...) Auch wenn Franke und Bauder in der Ausdehnung ihrer Interview-Position etwas zu konventionell in der Form bleiben und mit einer letzten Schrifttafel, die auf die Gesamtzahl der politischen Gefangenen und ihre Schicksale aufmerksam macht, ins Konventionelle driften, vermag das die filmische Gesamtwirkung nur geringfügig zu schmälern."

Jan-Hendrik Wulf (taz) bespricht den Film zusammen mit dem thematisch ähnlichen Zeit ohne Eltern von Celi Rothmund. Ihm "fehlt etwas" in Jeder schweigt von etwas anderem: "Das Machtgefüge der DDR ist verwelkt - und nun? Sollte man als Zuschauer diesen Familien einfach Glück wünschen, wie den fiktiven Charakteren einer Soap, oder gibt es eigentlich auch noch Erkenntnisse über den realen Kontext des Machtapparates der DDR kontrovers zu analysieren, aufzuarbeiten, moralisch zu beherzigen? Das Interessante an Verdrängung ist ja, dass man sie nicht bemerkt, weil sie ganz mühelos vonstattengeht."

Oliver Zimmermann stellt in einem ddp-Artikel im Tagesspiegel zwar ebenfalls fest, dass sich die Filmemacher "mit den damals vorherrschenden Rahmenbedingungen" zurückhielten, sieht das aber nicht kritisch: "Auf einnehmende Weise bietet Jeder schweigt von etwas Anderem Hintergrundinformationen zu Filmen wie Das Leben der Anderen und ein Kontrastprogramm zu Komödien wie Good Bye, Lenin!. Der Dokumentarfilm setzt somit einen weiteren wichtigen Mosaikstein ins Gefüge der cineastischen Auseinandersetzungen mit der DDR-Vergangenheit."

Bert Rebhandl (Spiegel Online) schreibt: "Die totalitäre DDR droht heute hinter einem populärkulturellen Bild von einem Staat als Kleinbürgerparadies ohne Urlaubsfreiheit zu verschwinden. Marc Bauder und Dörte Franke arbeiten dagegen an, indem sie ihre Protagonisten sprechen lassen. Sie mischen sich nicht ein. Sie konstatieren nur. Jeder schweigt von etwas anderem findet in den Familienkonstellationen der Menschen, die sich für den Film zur Verfügung gestellt haben, ausreichend Material für eine Geschichte der DDR, die in ihrer lakonischen Unversöhnlichkeit heute schon wieder subversiv erscheint."

Silvia Hallensleben (Tagesspiegel) schreibt, der Film bleibe "bis auf einige atmosphärische Totalen so dicht an seinen Figuren, dass sich der politisch-geschichtliche Kontext nicht immer erschließt. Doch historische Erkenntnis ist wohl gar nicht das Ziel dieser Familienaufstellung aus dem deutschdeutschen Verhältnis. Es ist eine komplizierte Beziehung, in der noch vieles aufzuarbeiten ist. Den Film versteht man daher vielleicht am besten als filmtherapeutischen Beitrag in diesem langwierigen Klärungsprozess."

Der Film wurde im Panorama der Berlinale 2006 gezeigt.
Christina Tilmann (Tagesspiegel) schrieb damals, anscheinend angetan: "Drei Leben, dreimal Schweigen. Jedes wäre einen eigenen Film wert gewesen."

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