Die Filmstarts vom 16. Januar 2003
  All or Nothing
  Das fliegende Klassenzimmer
  Der Obrist und die Tänzerin
  Sein und Haben - Être et avoir
  Star Trek: Nemesis

A B C D
E F G H
I J K L
M N O P
Q R S T
U V W X
Y Z 0-9

Durchsuchen Sie unsere Website:

Aktualisiert am 18.07.2005
DVD Infos
DVD bei amazon bestellen

Filmkritik:

Der Obrist und die Tänzerin

Der Obrist und die Tänzerin

(The Dancer Upstairs) E/USA 2001 R: John Malkovich D: Javier Bardem, Juan Diego Botto, Laura Morante Filmwebsite
Der Polizist Agustin Rejas muss in diesem Politthriller, der im Peru der 80er Jahre spielt, gegen eine, dem Sendero Luminoso nachempfundene, Guerillatruppe ermitteln. Er verliebt sich in die Ballettlehrerin seiner Tochter, die allem Anschein nach zu den Terroristen Kontakt hat. "Spannend und athmosphärisch dicht" sei das Regiedebüt von Malkovich, trotz einiger "erzählerischer Schwächen", schreibt Blickpunkt:Film.
Ulrich Kriest vom Filmdienst findet die Umsetzung dieses "faszinierenden Stoffes" geradezu "provozierend altmodisch" und "reduziert". Trotzdem der Film "bemerkenswerte Bilder für die Ankunft des Terrors in der Hauptstadt findet, handelt er weniger vom Terrorismus, sondern in Form einer Parabel mehr über die Handlungsmöglichkeiten eines Idealisten, der zwar seine Pflicht erfüllt, dabei aber sein individuelles Glück und die mit seiner Person verknüpften politischen Hoffnungen zerstört. Malkovich hat sich für ein fast semi-dokumentarisches Erzählen mit vielen Leerstellen entschieden, die der Geschichte eine ungewöhnliche Vagheit und Zurückhaltung verleihen - und den Terrorakten eine fast surreale Dimension."
Jan Distelmeyer ( taz) ist beeindruckt von dem Film, der durch die Konzentration auf einen Mittelpunkt und eine Person den zahlreichen "Fallstricken" entgeht, "die rund um das Projekt gespannt sind". Javier Bardem sei so gut "wie Lino Ventura oder der junge Alain Delon" - nur "wärmer". Er "trägt diesen Film bis zur letzten Sequenz. Dort wird die Kamera immer näher an ihn herankommen, um in seinen Zügen noch einmal die Geschichte abzulesen, die von Schmerz, Verantwortung, Ohnmacht, Wut und Entschlossenheit erzählt."
Auch Peter Zander ( Die Welt) ist sehr angenehem überrascht. "Malkovichs Erstling besticht vor allem durch seine reduzierten Mittel und die unaufdringliche Inszenierung. Statt auf vordergründigen Suspense setzt der Regisseur fast dokumentarisch auf die sozialen Aspekte des Stoffs. (...) Vor allem aber verzichtet Malkovich auf Stars seiner Größenordnung, ja auf amerikanische Schauspieler überhaupt. Obwohl ihm dafür ein höheres Budget angeboten wurde, setzte er auf eher unverbrauchte Darsteller - aus Spanien, Portugal, Italien und Argentinien."
Im Spiegel beschreibt Oliver Hüttmann den Film als "psychologisch packendes und präzises Dokument" und als "eine bitter-zarte, sehr europäisch angelegte Romanze". Malkovich sei das "Kunststück gelungen, spannend das Sujet und die saloppen Sprüche eines amerikanischen Cop-Krimis mit der Explosivität von Hongkong-Actionfilmen und der subtilen Atmosphäre italienisch-französischer Polit-Thriller der siebziger Jahre zu verbinden."
Ganz anderer Meinung ist Michael Kohler in der Frankfurter Rundschau. Für ihn ist der Film "nicht viel mehr als eine misslungene Talentprobe, und weniger als ein interessantes Ärgernis. (...) Eine politisch seltsam unreflektierte Story, die sich oft unerklärlich im Ton vergreift, wenn es um den Aufstand des Volkes gegen seine Unterdrücker geht: (...) John Malkovichs Regie ist viel zu bieder, um den Film über seine Vorlage hinauszuheben. Es mangelt ihm an Gefühl für Rhythmus und Tempo, was den Polit-Thriller zumindest am Leben halten könnte, aber vor allem an der nötigen Souveränität, um sich einen Stoff zu eigen zu machen."
Silvia Hallensleben vom Tagesspiegel bescheinigt dem Film hingegen "eine für das US-Kino verblüffende ästhetische Entschlossenheit. Das beginnt mit der Wahl des spanischen Kameramanns José Luis Alcaine, der Andenlandschaften und Hauptstadttreiben in ein klares ausgelaugtes Licht taucht; es endet bei der Entscheidung, die Rollen von - durchweg hervorragend agierenden - spanischsprachigen Darstellern auf Englisch sprechen zu lassen: So klingen sie, spekulierte Malkovich, wie Fremde im eigenen Land."
Susan Vahabzadeh ( Süddeutsche Zeitung) war sehr gespannt auf Malkovichs Regie. Und sie ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der Film sei mutig, "solide inszeniert, hervorragend fotografiert" und "ohne technische Spielereien". Darüber hinaus habe es Malkovich geschafft, "einen Film über Terrorismus zu machen, dem man auch nach dem 11. September - gedreht hat er ihn vorher - nicht vorwerfen kann, er sei in irgendeine Falle getappt."

In der Süddeutschen Zeitung finden Sie ein Staralbum Javier Bardem und ein Interview mit John Malkovich.

DVD bei amazon bestellen

Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch
• Bildformat: 16:9
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 128 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 9. September 2003
• Produktion: 2001

DVD Features:
• B-Roll, Interviews, Trailer

Was läuft wo?
Welcher Film, welche Stadt, welches Kino, welche Uhrzeit - finden Sie's raus mit dem Cinema-Kinotimer