Filmkritik:
Sein und Haben - Être et avoir
F 2002 R: Nicolas Philibert D: Georges Lopez, Olivier, Guillaume, Laura, Jonathan, Létitia Filmwebsite
Der französische Filmemacher Nicolas Philibert hat eine kleine Dorfschule, in der die Kinder von der 1. bis zur 5. Klasse zusammen lernen, ein Jahr (bzw. ein Halbes, die Angaben gehen da auseinander) beobachtet. Daniela Sannwald ( Tagesspiegel) ist total gerührt von dieser heilen Welt. Ausserdem weist Sie uns auf eine Werkschau des Regisseurs im Berliner Arsenal hin und ein Interview mit ihm gibt es auch noch (ebenso in der taz, diesmal von Anke Leweke).
Elmar Krekeler (Die Welt) ist total gerührt von dieser heilen Welt ... schon geschrieben... also zitieren wir doch mal: "An einsamen Höfen irgendwo in den schneeigen Nebeln der Auvergne, da, wo man nicht ganz so wohnt wie Gott in Frankreich. Wo es karg ist, wo Kinder Traktor fahren, wo die Erwachsenen filzige Kühe über schwere Wiesen treiben, wo Kinder mehr wissen als Erwachsene." Nebenbei ist der Dorflehrer hier ein "Heiliger", dem es "selbstverständlich ist, so zu leben, so zu lehren. In Saint-Etienne-sur-Usson. Weil es überall selbstverständlich sein sollte."
Katja Nicodemus (Die Zeit) stellt sich die Frage, warum es wohl so viel Spass mache den Kindern beim Lernen und Nasebohren zuzuschauen: "Vielleicht weil in Nicolas Philiberts Dokumentarfilm Sein und Haben die Zivilisation an jedem Morgen wieder aufs Neue zu entstehen scheint. Weil Goethes Feststellung, dass, egal wie weit die Menschheit gelangt, der Einzelne immer wieder von vorn anfangen müsse, hier ganz konkreten Sinn bekommt. Und weil es der geduldigen Kamera immer wieder gelingt, hinter windschiefen Buchstaben so etwas wie das Wunder der Erkenntnis aufzuspüren." Immerhin ist dies der Schönste Artikel von den dreien.
Auch Rainer Gansera ( Süddeutsche Zeitung) ist nicht nur erstaunt über den großen Erfolg des Films in Frankreich sondern auchsehr angetan von ihm: "Er evoziert mit einfühlsamem Blick das Universum der Kindheit in all seinen Farben: Schönheit und Zauber, Konfusion und Angst, Zorn, Langeweile, Dramen der Einsamkeit und Verlorenheit. So weckt er verschüttete Erinnerungen, bewegt, begeistert, amüsiert, und erzeugt elementare Resonanzen." In der Süddeutschen Zeitung finden Sie auch ein Interview mit Nicolas Philibert.
Rüdiger Suchsland ( Frankfurter Rundschau) schreibt: "Indem er die Lebenshintergründe dieser Schulklasse und auch persönliche Unglücke wie die Krebserkrankung eines der Väter mit ausleuchtet, stellt Philiberts Film zugleich die Frage, was die Schule ihnen eigentlich hinzufügen könnte, was ein Mensch über sein nacktes und soziales Sein hinaus sich noch durch Lernprozesse aneignen und irgendwann haben kann."
Georges Lopez, der Lehrer aus dem Film, ist mit seiner Forderung nach einer Gewinnbeteiligung vor Gericht gescheitert, berichtet die Welt im Juni 2006.
Infos zu diesem Titel
• Sprache: Französisch
• Untertitel: Deutsch
• Bildformat: 16:9
• AC-3, Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 104 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 20. Oktober 2003
• Produktion: 2002
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