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Aktualisiert am 20.11.2006

Filmkritik:

The House is burning

The House is burning

D 2006 R: Holger Ernst D: Joe Petrilla, Nicole Vicius, Robin Taylor, Julianne Michelle, John Diehl, Melissa Leo, Harley Adamas, Samantha Ressler, David Tennent, Emily Meade 97 Min. Filmwebsite
Der Film zeigt 24 Stunden im Leben einer Gruppe von Teenagern in einer trostlosen amerikanischen Vorstadt.

Der Film gibt zu verstehen, dass es kein Entkommen gibt aus dem "unbarmherzigen Klima des amerikanischen 'White Trash'-Vororts", meint Sarah-Mai Dang vom Filmdienst; er zeichne ein Bild der US-Gesellschaft, das "nahezu jede Hoffnung raubt" und erinnere in seiner "gnadenlosen Darstellung" und in der Themenwahl an Kids von Larry Clark. Die Inszenierung setze im Vergleich "noch mehr auf Gewalt". Bemwrkenswert seien die "rasante Dramaturgie, die schnellen Schnitte, die grobkörnigen Bilder und die aufrüttelnde Tonspur".

Gunter Göckenjan von der Frankfurter Rundschau fand sich in einem "Mikrokosmos der amerikanischen Unterschicht" wieder, inmitten einer "Ansammlung hoffnungsloser Existenzen". "Neben und hinter dieser sozialen Wirklichkeit" scheine es "keine andere Realität zu geben", so dass beim Zuschauer das Gefühl wachse, einem "bösen Laborversuch beizuwohnen". Der "Realismus" des Szenarios werfe aber viele Fragen auf: "Ist das gezeigte authentisch? Warum geht der Deutsche nach Amerika, um ein realistisch scheinendes Porträt der dortigen Unterschicht zu inszenieren? Kann er das überhaupt?" Diejenigen, die "mit dem Vorwissen" den Film sähen, "spüren das Nichtauthentische natürlich sofort auf und übersehen dabei leicht Ernsts Fähigkeit, eine dichte, realistisch wirkende Atmosphäre zu schaffen". Ernst sei ein "begabter Regisseur", aber "seltsam" bleibe sein "gelungener Versuch" trotzdem, beweise er doch, dass die "Anziehungskraft der amerikanischen Kultur jetzt auch schon die Armut in den USA miteinbezieht, dass White Trash, anders als das langweilige Harz IV, elendig glamourös ist".

Hanns-Georg Rodek von der Welt meint, The House is Burning sei "tendenziell eine globale Geschichte, aber konkret eine amerikanische. Ein Deutscher erzählt von Amerika". So "abstoßend" der Regisseur diese Vorstadthölle auch inszeniere, so wenig entkomme er letztlich seinen "kulturellen Fängen". Wim Wenders, dessen Firma Reverse Angle den Film produziert hat, habe stets eine "europäische Sensibilität" im Gepäck gehabt, Holger Ernst nun gehe den amerikanischen Albtraum "vollkommen unsentimental" an, verwende dabei aber die "dramaturgische Schablone, die Hollywood in alle Welt exportiert: exemplarische Typen im Druckkochtopf einer Drei-Akt-Dramaturgie, welche die ganze Handlung auf das finale Dampfablassen ausrichtet".

Für Julian Hanich vom Tagesspiegel geriet das Kinoerlebnis zur "kribbeligen Angelegenheit", der Film ging ihm "buchstäblich auf die Nerven. Und genau das ist das Ziel. Ein ernst zu nehmendes Ziel". Es entstehe aus dem kleinen Ausschnitt ein "Bild von Amerika im Großen, dafür nehme der Regisseur auch die "Gefahr der Überzeichnung" in Kauf.

Der Regisseur Holger Ernst schreibt in der Welt über seinen Film und über die soziale Ungleichheit in den USA.

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