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Aktualisiert am 20.11.2006

Filmkritik:

Scoop - Der Knüller

Scoop - Der Knüller

GB/USA 2006 R: Woody Allen D: Scarlett Johansson, Woody Allen, Hugh Jackman, Ian McShane, Romola Garai, Matt Day, Kevin McNally 95 Min. Filmwebsite (engl.)
Der Geist eines verstorbenen Journalisten weist eine in London weilende amerikanische Journalismus-Studentin (Scarlett Johansson) auf einen skandalösen Mordfall hin. Die Geschichte könnte ein echter Knüller werden. Gemeinsam mit dem Zauberkünstler Sid Waterman (Woody Allen) versucht sie den Fall zu klären.

Wie Match Point kreise Woody Allens neuer Film um einen Mordfall in der High Society, diesmal jedoch "nicht aus der Perspektive des Täters, sondern als Screwballkomödie und 'Murder Mystery' aus der Sicht der Ermittler", stellt Felicitas Kleiner vom Filmdienst fest. Allens Umgang mit dem britischen Schauplatz sei "nicht als rein 'exotistischer' Blick des Amerikaners auf das alte Europa" abzutun; er nutze ihn vielmehr, um eine Tendenz zu beleuchten, die "ganz und gar nicht nur Großbritannien betrifft: die Verschärfung sozialer Gegensätze und den damit einhergehenden, rücksichtloser werdenden Kampf um Privilegien und Status". Scoop sei zwar "weniger hintergründig als Match Point, biete aber "spannende, auf absurden Dialogen und perfekt getimter Situationskomik bauende Genre-Unterhaltung auf hohem Niveau".

Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel sah einen "Superknüllerfilm" von Woody Allen, "einen seiner schönsten und sein schönster seit langem". Scarlett Johansson sei "wieder mal fantastisch", aber verliebt hat sich der Kritiker nach eigenem Bekunden in den Zauberer Splendini.

"Fatalismus" gibt hier den Ton an, meint Daniel Haas von Spiegel Online, deshalb habe diese "Varieté-Schnurre" einen Galgenhumor, der Komödien wie Im Bann des Jade Skorpions und Hollywood Ending "noch fremd war". Die Besetzung von Johansson verstärke diesen Effekt erheblich, denn "neben dem Sexsymbol wirkt Allen wie einer der Morituri der Kinogeschichte, ein Mitspieler auf Zeit". Allen gebe in Scoop den "Künstler-Greis", aber immer noch "mit so viel verbalem Sex-Appeal, dass Hugh Jackman dagegen auf geriatrische Weise öde wirkt". Die Chemie zwischen ihm und Johansson habe "die Qualität eines Pups im Fahrstuhl".

Allen fühle sich wohl in England, der "Heimat des gepflegten Verbrechens", und orientiere sich "an Agatha Christie statt am energischen Polizeieinsatz", stellt Doris Kuhn von der Süddeutschen Zeitung fest. Er unterstütze das komödiantische Talent seiner jungen Muse Johansson, die "selten so viel simples Gemüt zur Schau stellen durfte". Obwohl Woody Allen seinen Blick "scheinbar bewundernd auf das kultivierte alte Europa richtet", führe er in Scoop genauso den "Umkehrschluss" vor: "Der Einlass in die Welt eben jenes Landadels lässt sich leichter durch unbeschwerte amerikanische Naivität erstreiten als durch altmodische Werte wie Klugheit, Bildung, Geschmack".

Birgit Glombitza von der taz hat "eine enttäuschend harmlose Krimikomödie" gesehen, die außer "gewollten Vaudeville-Trampeligkeiten, mühevollen Screwball-Effekten und bewährten Allen'schen Einzeilerpointen" kaum etwas zu bieten habe und wie ein "fahriger, launischer und wenig inspirierter Kindergeburtstag" wirke. Im Vergleich zu Allens "meisterlichem film noir" Match Point falle Scoop deutlich ab.

Woody Allen ist wieder in seinen "altenTrott" verfallen, meint Michael Althen von der FAZ; der Film sei "amüsant" und Scarlett Johansson "erfrischend anzusehen", aber "das Versprechen, das Match Point darstellte, kann Scoop nicht einlösen - und man hat den Eindruck, daß Allen daran auch gar kein Interesse hat".

Heike Kühn von der Frankfurter Rundschau hat einen "ironischen" Film gesehen, der "bald zärtlich, bald zotig mit der Gabe der Verstellung und der Kraft schauspielerischer Erscheinung spielt" und sich "unnachahmlich lustig über die stupide Ernsthaftigkeit" mache, mit der "die Toten in den gängigen TV-Serien zu Privatdetektiven und Seelsorgern umfunktioniert werden".

Für Peter Kümmel von der Zeit ist Scoop eine "gängige Kriminalkomödie mit einem dunklen Rahmen, durch den es modrig-würzig aus dem Jenseits hereinzieht", in der gleichzeitig aber "heller, harmloser Witz im Geist von Allens Manhattan Murder Mystery" vorherrsche.

" Scoop ist die Farce, die der Tragödie Match Point folgt", weiß Matthias Heine von der Welt. Die Handlung sei "weniger tragisch, als auf eine angenehm altmodische Weise komisch", was auch an der "Präsenz von Allen selbst" liege; er spiele sich hier als "Fossil einer vergangen Ära", habe das "stadtneurotische Kostüm des Intellektuellen auf der Couch" abgelegt. Geblieben sei der "misstrauische alte Jude, der die Spießer, für die er den Clown macht, im Grunde verachtet".

"Wer hätte gedacht, dass Woody Allen und Scarlett Johansson ein solch hübsches Comedy-Duo abgeben können?", fragt rhetorisch Rainer Gansera (epd Film). Die beiden durchquerten als "herrlich verschrobenes Duo (...) einen coolen Mix aus Comedy und Thriller, der mit vaudevillesker Melancholie charmant verschnürt ist. (...) Die Verrücktheit dieser Geschichte ist ihr großes Plus. Sie verbindet sich mit einer fabulatorischen Leichtigkeit, wie sie Woody Allen schon lange nicht mehr zu Gebote stand."

Die taz mokiert sich darüber, dass Woody Allen in der US-Werbung für seinen neuen Film als "der Regisseur von Match Point" angepriesen wird: "Allen auf die Regie von Match Point zu reduzieren - ist das nicht, als würde man von Franz Beckenbauer sagen: der ehemalige Fußballprofi von Cosmos New York?"

Die Welt und der Tagesspiegel haben sich mit Woody Allen unterhalten. Der Zeit hat der Regisseur seinen Traum verraten.

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