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Aktualisiert am 18.08.2006

Filmkritik:

Emmas Glück

Emmas Glück

D 2006 R: Sven Taddicken D: Jördis Triebel, Jürgen Vogel, Hinnerk Schönemann, Martin Feifel, Karin Neuhäuser, Nina Petri, Arved Birnbaum, Benjamin Blömer, Sebastian Rüger Filmwebsite
Die beiden Außenseiter Emma und Max, sie alleinstehende Bäuerin auf einem heruntergekommenen Bauernhof, er introvertierter Autoverkäufer mit der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, begegnen sich und erleben eine kurze Zeit der leidenschaftlichen Liebe. Nach einem Roman von Claudia Schreiber.

Horst Peter Koll (Filmdienst) hält den Film letztlich für gescheitert: "Der dargestellte Ausweg aus dem finalen Dilemma will einen würde- und respektvollen Umgang mit dem Tod (wie auch mit dem Leben) beschreiben, doch in Wahrheit entwirft der Film, ebenso provokant wie verklärend, nicht mehr als eine oberflächlich ins Kitschig-Pathetische abdriftende 'Vision' humaner Sterbehilfe, die eher einer 'schicken' Zeitgeist-Volte entspringt als einer ernstzunehmenden und damit diskursfähigen Lebenseinstellung. Wie auch der Roman 'bewältigt' Taddicken seine schwierige Thematik nicht wirklich und zeigt sich der filmischen Verantwortung, die er angesichts dieses heiklen Sujets hätte übernehmen müssen, nicht gewachsen."

Die FAZ meint, das "Imponiergehabe, mit dem man sich für TV-Filme und höhere Fördersummen qualifiziert" zerbrösele hier "unter der Wucht einer traurig-komisch-kratzbürstigen Liebesgeschichte". Das Ganze wirke "ein wenig märchenhaft" und doch "sehr erdverbunden, ein wenig überkonstruiert und doch berührend, weil die Schauspieler es tragen". Deren "Energie und Ausstrahlung" unterminierten "hartnäckig den Hang zur Gefälligkeit".

Heike Kühn von der Frankfurter Rundschau schwärmt, Sven Taddicken habe den Roman von Claudia Schreiber "auf einem Niveau adaptiert, wie man es sich für Literaturverfilmungen nur wünschen kann: Nicht buchstabengetreu, sondern den Betrachter ins Bild setzend, nicht im Großen und Ganzen, sondern mit einem Mensch und Umgebung durchdringenden Gespür fürs Detail". Emmas Glück mag als "sozialromantische Utopie vom gelingenden Sterben nach einem verfehlten Leben" gedeutet werden, letztlich sei dies aber ein "Film über die Liebe, die das einzige Glück ist. Und nicht daran festhält, wenn es dem Glück des Geliebten im Wege steht."

Dietmar Kammerer von der taz sieht das völlig anders: "Weder von der Deftigkeit noch von den märchenhaften Elementen der Romanvorlage von Claudia Scheiber ist bei der Umsetzung durch Sven Taddicken, der sich ganz auf die tragische Lovestory konzentriert, viel übrig geblieben". Emmas Glück trage "allzu deutlich die Handschrift der routinierten Fernsehproduktion".

Taddicken habe sich hier etwas getraut, lobt Wilfired Hippen von der taz, weil er "Witz und Tragik, Sex und Tod, 'Max im Glück' und mit Krebsbefund so aufeinander prallen lässt". Der Regisseur halte "immer die Balance und überrascht das Publikum ständig ohne es zu verschrecken".

Für Hanns-Georg Rodek von der Welt gehe es in siesem Film eigentlich um einen "würdevollen Abgang aus dem Leben", aber irgendwie laufe Emmas Glück auf eine "schick-schockierende Variante zärtlicher Sterbehilfe hinaus", die man schon früh vorausahne. Die Entdeckung des Films ist für den Kritiker Jördis Triebel, die hier einen "furiosen Kinoeinstand" abgeliefert habe: "eine Frances McDormand-Schönheit, verletzlich bei aller Burschikosität und Resolutheit". Sie sei "Taddickens Glück" und ein Indiz dafür, dass sich im deutschen Kino was tue, "ganz ohne Zweifel: Prallere Formen ernten nun Hauptrollen". Aha.

Julian Hanich vom Tagesspiegel erzählt die Filmhandlung nach, die er "skurril" nennt. Die Schauspieler seien gut, was bei Jürgen Vogel heiße, dass er seine Rolle wieder "voll jürgenvogelmäßig" durchziehe.

Martina Knoben von epd Film konnte da mit dem Film mehr anfangen. Dessen Kennzeichen sei die "Mischung aus zum Teil drastischer Komik und Tragik". Sven Taddicken beweise nach Mein Bruder der Vampir von 2001 erneut, dass er "ein Händchen für skurrile, surreal eingefärbte Geschichten mit melancholischem Grundton" habe. Sein Film entwerfe eine "sehr eigenartige Idylle" - der deutsche Film suche in der Provinz "eben gerne das Skurrile". Teilweise gerate das Ländliche hier zur "Karikatur", wodurch das "empfindliche Gleichgewicht von Komik und Tragik" gestört werde: "Nicht alle Einfälle in diesem Film passen zusammen". Jördis Triebel gelingt diese Mischung nicht immer, wobei schwer zu sagen ist, ob das an ihrer mangelnden Filmerfahrung liegt oder am Regiekonzept. Auch die Hauptdarstellerin überzeugte die Kritikerin nur bedint, denn sie strahle etwas "Künstliches" aus, ihre Drallheit wirke "genauso behauptet wie ihre Weltfremdheit".

Die NZZ meint, Taddicken beziehe zum Thema Sterbehilfe "eindeutig Stellung, wenngleich er auf einen ethischen Diskurs verzichtet". In "starker Bildsprache", mit "surrealistischer Farbgebung, skurrilen Einfällen, einem unverfälscht-altmodischen Blick aufs Landleben und stupender Leichtigkeit" werde das "tragikomische Märchen über Leben und Tod" erzählt. Zudem bringe er mit Jördies Triebel und Jürgen Vogel ein "ideales Leinwandpaar" zusammen.

Peter Luley von Spiegel Online fand den Film "so drastisch-derb wie einfühlsam, auch komisch, vor allem aber ohne Scheu vor Tragik". So viel "erzählerische Energie" verströme das kleine Kinostück, dass "Kritteleien wenig Chance haben".

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