Filmkritik:
Der Hals der Giraffe
(Le Cou de la Girafe) F/Bel 2004 R: Safy Nebbou D: Sandrine Bonnaire, Claude Rich, Louisa Pili, Darry Cowl, Philippe Leroy, Maurice Chevit, Monique Mélinand Filmwebsite
Die neunjährige Mathilde verlässt eines Nachts heimlich das Haus, in dem sie allein mit ihrer Mutter Hélène wohnt, um ihren Großvater Paul aus dem Altersheim zu entführen. Mit ihm will sie ihre verschollene Großmutter finden, die vor dreißig Jahren Paul und Hélène verlassen hat.
Alexandra Wach vom Filmdienst beschreibt den Debütfilm von Safy Nebbo als "dezentes, überaus präzises Road Movie, das subtil zwischen Komödie und Melodram wechselt und dabei Selbstfindung, den Mut zum Verzeihen und die entwaffnende Kraft kindlicher Wahrheitssuche feiert." Die "sanfte Auflösung der Gefühlswirren" zeuge von einer "großen Reife" des jungen Regisseurs und von einer "Menschlichkeit, die jeden falschen Ton scheut".
Matthias Heine von der Welt schreibt über die drei Hauptdarstelelr: "Obwohl die kleine Louisa Pili wunderbar nuanciert und variantenreich spielt und von Sandrine Bonnaire ohnehin nie etwas anderes zu erwarten ist, als ganz große Schauspielkunst, gehört der Film doch in erster Linie Claude Rich". Trotz seiner 77 Jahre dürfe man ihn "getrost als Entdeckung bezeichnen", er zeige sich als "Charakterdarsteller in einer Liga mit den bei uns bekannteren Michel Serrault und Jean Rochefort".
Safy Nebbou hat "vielschichtige Charaktere" entworfen, hinter denen die "bewusst unauffällige Inszenierung fast völlig zurücktritt", meint Michael Ranze von epd Film. Das "anrührende Melodram" fange seine Tragik "immer wieder durch komische Vignetten" auf.
"Nicht Landschaften inszeniert Safy Nebbou in seinem Drei-Generationen-Roadmovie, sondern Seelenlandschaften. Die Schauspieler verkörpern sie wahrhaftig", dürfen wir bei Julia Malaia Heyer vom Tagesspiegel lesen.
"Der Debütfilm Safy Nebbous besticht durch seine leichte Erzählweise, den schwebenden Rhythmus, mit dem die Erzählung schnell zur Sache kommt, ohne viel Zeit für Charakterisierungen zu ver(sch)wenden", heißt es in Stefan Höltgens Kritik bei Jump Cut. Der Hals der Giraffe lebe vor allem von der "Konstellation seiner Figuren und deren eindringlicher Verkörperung durch die Schauspieler".
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