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Aktualisiert am 19.08.2006

Filmkritik:

The Piano Tuner of Earthquakes

The Piano Tuner of Earthquakes

Gb/D/F 2005 R: Stephen Quay, Timothy Quay D: César Saracho, Amira Casar, Gottfried John, Assumpta Serna, Ljubisa Lupo-Grujcic, Marc Bischoff, Henning Peker Filmwebsite
Der besessene Dr. Emmanuel Droz tötet die Operndiva Malvina um sie wiederbelebt in seine 'teuflische Oper' einzugliedern. Ein Klavierstimmer versucht sie zu retten. Esther Buss vom Filmdienst schreibt, den Brüder Stephen und Timothy Quay gehe es "um die Verbindung verschiedener Wahrnehmungsebenen. Durch Unschärfen, eine differenzierte Lichtdramaturgie und eine immer wieder fragmentierte Erzählweise wird die verschwommene Atmosphäre von Traum und Unbewusstem erzeugt. Ein ausgetüfteltes Sounddesign aus irritierenden Klängen und opulenter Musik verstärkt diesen Effekt." Die Bilder seien zunächst faszinierend, doch "die offensichtliche Vernarrtheit in visuelle Spielereien lässt (...) die Bildebene immer wieder in puren Manierismus abkippen. Zudem werden Rhythmus und Dramaturgie des Films unter dem Overkill an Metaphern und Zitaten regelrecht erdrückt; die Figuren bleiben kraftlos und erwecken kaum Interesse." Es sei ein "angestrengtes Kunstprodukt" geworden.

Matthias Heine von der Welt erzählt relativ ausführlich über den Inhalt. Er lobt die "exquisite Darstellung surrealer Formen", auch wenn manchmal die "Grenze zum prätentiösen Kitsch" überschritten werde. "Die Quays stemmen sich gegen die Gesetze der konventionellen Kinoerzählung. Das hat den Charme der poetischen Revolte - jedes Bild ist das Fenster zu einem Traum, jeder Traum ist in einen anderen Traum eingeschlossen." Es bestehe nur die Gefahr, dass der Zuschauer das Interesse verliere.

Birgit Glombitza von der taz beschwert sich, die beiden Brüder interessierten "sich ausschließlich für die Attraktionen und Kauzigkeiten ihrer Ausstattung und herzlich wenig für die künstlichen Wunder des Kinoillusionismus." So werde der Film zu einem "eklektizistischen Zitatenspiel, das man sich als Opernaufführung vielleicht noch vorstellen kann, das aber in den Überhöhungen einer Filmeinstellung schwer erträglich ist und in seiner kalten L'art-pour-l'art-Manier den Automaten des Dr. Droz in nichts nachsteht."

Verena Lueken von der FAZ kommt zu einem positiveren Fazit: " In sagenhaften Bildern voller Schönheit, Schrecken und Ekel entgleiten die Figuren unserem Verständnis immer mehr. (...) Eine Folge phantasieberstender Bilder ergibt noch keinen Film. Aber da wir in zu vielen Filmen ganz ohne sie leben müssen, können wir einmal auch mit ihnen allein sein."

Jörg Gerle ( Filmdienst) porträtiert Stephen und Timothy Quay.

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