Filmkritik:
Die Quereinsteigerinnen
D 2005 R: Rainer Knepperges, Christian Mrasek D: Nina Proll, Claudia Basrawi, Rainer Knepperges, Mario Mentrup, Klaus Lemke, Eva-Maria Hings, Ferdi Pickart Filmwebsite
Zwei Frauen Mitte 30 entführen den Chef der Telekom, um ihn zum Wiederaufstellen der gelben Telefonhäuschen zu bewegen.
Alexandra Wach vom Filmdienst schreibt, der Film handele "von dem Unbehagen, das die Vertreibung aus dem Paradies der alten Bundesrepublik Deutschland in den Köpfen der heutigen 30– bis 40-Jährigen hinterlassen hat." Sie hatte beim Betrachten aber auch den Eindruck, "der Spaßgeneration beim Absturz in die Hartz-IV-Depression zuzuschauen." Die Witze seien "zwar sympathisch unangestrengt" und versprühten "den Charme des Unfertigen", sie trügen aber "nicht den ganzen Film". Der Film wirke "in seiner inszenatorischen und darstellerischen Unbeholfenheit wie das Produkt einer heiteren Oberstufen-Projektwoche (...) - nur dass sich die Mehrheit seiner Verursacher längst in der Altersklasse der 40-Jährigen befindet."
Sven von Reden von der Welt am Sonntag erzählt, wie es zu dem Film kam. Der wirke, "als habe Helge Schneider versucht, einen Howard-Hawks-Film zu drehen".
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau lobt den Film als "kleine, ungemein gut erfundene Komödie (...) über diese ewige Gestrigkeit der nicht mehr ganz jungen Leute. (...) Trotz mutig ausgestellter Unvollkommenheiten (Rainer Knepperges, der die männliche Hauptrolle an sich riss, ist eher ein jovial-rechthaberischer Studienrat als ein Global Player) spiegelt dieser Film seine Zeit auf wunderbare Weise." Leider habe man aber keinen "befriedigenden Schluss" gefunden.
Cosima Lutz von der Welt hat der Film sehr gut gefallen: Er zwinge dem Zuschauer "eine Langsamkeit und einen Dilettantismus auf, der in jedem Moment sein hübsch schadhaftes Lächeln entblößt: in der schummrigen Ausleuchtung (...), vor allem aber in den helge-schneideresken Dialogen, die ungelenk und scheinbar improvisiert in der großspurigen Handlung herumschlingern und wie aus Versehen eine treffsichere Pointe nach der anderen produzieren..."
Für Ekkehard Knörer (taz) ist Die Quereinsteigerinnen "dann doch nicht mehr als hübsch verschrobenes Kuschelkino für Liebhaber intelligenter Schrägheit." Knörer vergleicht den Film mit zwei anderen deutschen Produktionen der letzten Jahre: "Das Einsamkeitsszenario erinnert - womöglich mit Absicht - an Hans Weingartners Die fetten Jahre sind vorbei, auch an Sie haben Knut von Stefan Krohmer. Während aber Weingartner unreflektiertes Politgelaber und pubertäre Großkotzigkeit linkisch mischt und Krohmer die frühen Achtziger mit sanftem Spott überzieht, bewegt sich Die Quereinsteigerinnen zwischen entschlossenem Unernst und verkichertem Rückzug in eine aus der Welt gefallene und darin fast schon wieder unheimliche Privatheit."
"Wann hat eine deutsche Komödie zuletzt begriffen, dass beiläufiges Erzählen, Leichtigkeit im Gefühl und Understatement bei leicht absurdem Humor nicht zu schlagen sind? Und es so beglückend unaufdringlich umgesetzt?", fragt rhethorisch Thomas Willmann (Tagesspiegel): " Die Quereinsteigerinnen ist der beste Beleg für den Charme der Fortschrittsverweigerung. Es geht auch anders. Und anders kann viel schöner sein."
Artechock hat per E-Mail ein Interview mit den Regisseuren Rainer Knepperges und Christian Mrasek geführt.
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