Filmkritik:
Superman Returns
USA 2006 R: Bryan Singer D: Brandon Routh, Kate Bosworth, Kevin Spacey, James Marsden, Frank Langella, Sam Huntington, Eva Marie Saint Filmwebsite
Nach fünf Jahren in seiner Heimatgalaxie kehrt Superman auf die Erde zurück und maht auch wieder den gleichen Job wie früher. Lois Lane hat einen Freund und ein Kind und Lex Luthor plant mal wieder was Böses. Jörg Gerle vom Filmdienst fand den Vorspann sehr überwältigend und der Beginn sei "Programm. Hier wird audiovisuelle Überrumplungsstrategie geboten: Wunderschöne Fantasy-Settings wurden entworfen, Luxusschiffe mit prächtigen Innendekorationen ausgestattet und beachtliche Spezialeffekte erdacht – und all das nur, damit man nicht merkt, um wie wenig es hier eigentlich geht." Kevin Spacey als Lex Luthor lasse die Leinwand 'glühen'. "In diesen Szenen blühen auch die anderen Figuren für kurze Momente auf und beginnen zu leben. (...) All dies ändert sich schlagartig, wenn die Hauptfigur im Bild ist, wobei unwichtig ist, ob als Superman oder Clark Kent." Das liege nicht an Brandon Routh allein, die Rolle sei einfach zu uninteressant.
Harald Peters ( Welt am Sonntag) erzählt von den turbulenten Anfängen des Filmprojekts, die maßgeblich zu den hohen Kosten beigetragen haben. Der Film sei "blutleer". Spacey spiele "Lex Luthor als einen albernen Operettenfiesling", Kate Bosworth scheitere "an der überschaubaren Tiefe ihres Charakters Lois Lane" und Brandon Routh sei "vor allem verblüffend einsilbig" und mache "meist einen computeranimierten Eindruck".
Jörg Böckem vom SZ-Magazin schreibt recht ausführlich über den Comic und die Schwierigkeiten des Films. Singer habe "den Mythos nur behutsam modernisiert". Mit einer Wertung hält er sich zurück, allerdings glaubt er nicht daran, dass der Film ein Erfolg wird.
Daniel Kothenschulte ( Frankfurter Rundschau) ist recht angetan: "Es sind Nuancen, in denen der in seinen zweieinhalb Stunden ungemein kurzweilige Film diese stete Distanz zwischen dem Helden und seiner Welt vermittelt. Doch es genügt, ihm einen warmen, für einen Blockbuster selten persönlichen Ton zu geben, der eine Liebe zum Genre bezeugt, wie sie zuletzt ein anderer fremdelnder Held, Peter Jacksons King Kong, für sich verbuchen konnte."
Barbara Schweizerhof von der taz meint, alles sei schon geschrieben: "Superman, der uramerikanische Held, Superman, der fade Held, Superman, der altmodische Held. Andererseits liegt gerade darin das Sympathische des Films: in der Treue zum Vorbild. (...) Ohne die Figur neu zu erfinden, zelebriert der Film das, was Superman immer schon konnte, nun mit visuell einwandfreier Technik." Allerdings drohe der technische Fortschritt Supermans Kräfte bald einzuholen, die Werktreue des Films zeige auch "was für ein Allerweltsmann dieser Superman ist".
Sebastian Handke vom Tagesspiegel schreibt: "Wenn man eine Bildgeschichte wie diese aufgreift und sie nicht in ein Drama verwandelt, sollte man wenigstens den Willen aufbringen, der Ikonographie des Kinos etwas hinzuzugeben." Der Film zitiere aber nur "nur Zutaten der Superman-Filme von 1978 und 1980". Weil die Welt sich geändert hat, erscheine die Rückkehr zum Mythos "als bloße Wiederholung. Eine pompöse Jesus-Parodie und eine mutlose Fanboy-Hommage zugleich, deren epische Dimension mit der schlichten Substanz ihrer Handlung kontrastiert: ein Mann, der aussieht wie Christopher Reeve, trägt Gegenstände unterschiedlicher Größe und Masse von hier nach dort. Aber braucht die Welt wirklich einen Christopher-Reeve-Gedächtnis-Film?"
Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung macht sich Gedanken über Helden. Die Welt sei nach dem 11. September sehr komplex geworden: "Man kann sie mit einfachem Actionhandwerk nicht mehr retten - und wenn man es doch noch einmal versucht, muss man in Kauf nehmen, dass man am Ende eine komische Figur abgibt." Johnny Depps Captain Sparrow habe Superman an der Kinokasse abgehängt: "Ein neuer Held, geboren aus de totalen Travestie. Zurück auf den Trümmern der Zivilisation bleibt Superman."
Holger Kreitling von der Welt schreibt, die Stärke des Films liege in der "Transformation realer Ängste und Geschehnisse ins nostalgische Reich populärer Mythen". Der Film beschreibe die Welt nach dem 11. September wie "kaum ein anderer Blockbuster". Aber Superman sei etwas langweilig, der Film deutlich zu lang. "Bryan Singer inszeniert geschmackvoll und stilsicher, über Strecken ist Superman Returns wirklich hübsch anzusehen. Und er hat einen herrlichen Schurken."
Michel Bodmer von der Neuen Zürcher Zeitung ist enttäuscht "Superman aber ist und bleibt der reinste, eindimensionalste und damit langweiligste Superheld der Comics-Geschichte." Und "Singers Regiestil ist ähnlich keimfrei wie sein Protagonist." Brandon Routh sei "makellos bis zur Unmenschlichkeit" und verströme kein Sexappeal. " Kevin Spacey "mimt den Erzbösewicht Luthor mit Verve, vermag aber die kindliche Konzeption der Figur nicht zu überwinden. Blass bleiben Kate Bosworth als Lois Lane und James Marsden als ihr Verlobter; Frank Langella als Chefredaktor Perry White und Parker Posey als Luthors widerspenstige Gespielin dürfen wenigstens ein paar witzige One-Liner von sich geben."
Andreas Bocholte vom Spiegel hätte sich einen etwas anderen Film gewünscht: "Singer, offenbar hingerissen von der Idee, den Superman seiner Jugend auferstehen zu lassen, drehte eine erschreckend banale Hommage an Richard Donners Original-'Superman' von 1978." Ob man davon enttäuscht sei, hänge von den eigenen Erwartungen ab. Es sei "ein nostalgischer Action-Blockbuster voller Schauwerte und epischer Bilder."
Andreas Busche von epd-Film lobt dagegen, Singer habe "dem Mythos eine Tragik eingeflösst, die die Autorität Supermans jedoch nie untergräbt. Fast könnte man vergessen, dass unser Held in einem blau-roten Strampelanzug durch die Luft fliegt." Der Film wirke "ernster, weniger schräg als die Vorgänger."
Verena Lueken von der FAZ schreibt wenig euphorisch, Superman sei eben der Alte geblieben, aber dem Publikum reiche es nicht mehr nur einen Mann fliegen zu sehen. "Brandon Routh (...) wird seiner Rolle gerecht, wie auch Kate Bosworth als Lois. Einzig Kevin Spacey, der den bösen Lex Luthor gibt, verströmt ein wenig Glamour. Nur die Bösen haben Stil, das war bei Superman schon immer so." Und Bryan Singer habe "einige schöne Ideen, mit denen er uns die Zeit vertreibt."
Die Welt hat sich mit Kevin Spacey unterhalten.
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