Filmkritik:
Private
I 2003 R: Saverio Costanzo D: Mohammed Bakri, Lior Miller, Tomer Russo, Arin Omary, Hend Ayoub, Karem Emad Hassan Aly, Marco Alasaying, Sarah Hamzeh, Niv Shafir, Sahar Lachmy Filmwebsite
Als israelische Soldaten ein zwischen ihrem Militärstützpunkt und einem palästinensischen Dorf liegendes Haus besetzen, weigert sich der palästinensische Familienvater, es zu räumen. So teilen sich fortan beide Parteien das Haus: Die Familie lebt im Erdgeschoss, die Soldaten unter dem Dach. Die latente Feindschaft, mit der die einzelnen Bewohner unterschiedlich umgehen, droht ständig zu eskalieren. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten.
Stefan Volk (Filmdienst) ist sehr angetan von dem Film: "Costanzo inszeniert mit einfachen, wirkungsvollen Mitteln eine Atmosphäre latenter Bedrohung, keimender Gewalt, fast ohne Effekthascherei. Allerdings begnügt sich der Regisseur nicht damit, einfach nur die Realität abzubilden. Stattdessen spitzt er Konflikte zu, baut Spannung auf, schält Charakteristisches heraus und weitet das Geschehen so zum Panoptikum menschlicher Widerstandsformen. Das Haus wird zur Metapher für das Besatzungsgebiet einer letztlich austauschbaren Okkupationsmacht. Dass aus dem Film dabei keine artifizielle Fallstudie wurde, sondern ein packendes, intensives Kammerspiel, liegt an den treffsicheren Dialogen und den hervorragenden Darstellern, aber auch an der flüssig inszenierten Dramaturgie." Ganz werde der Film die "Aura einer cineastischen Versuchsanordnung" allerdings nie los, so Volk.
Heike Kühn (Frankfurter Rundschau) spricht von einem "emotional wie politisch ausbalancierten" Film, "sachlich in der Recherche, bewegend in seinem Verzicht auf Pathos, Empörung oder Vereinfachung".
Hans-Jörg Rother (Tagesspiegel) ist nicht ganz zufrieden: " Private wurde aus Sicherheitsgründen nicht in Palästina, sondern in Italien gedreht. Doch ein Haus in Kalabrien sieht anders aus als eines in der Westbank, die Landschaft erst recht – da mögen alle Darsteller Palästinenser und Israelis sein. Hinter der Kamera und in den zuweilen aufgeregten Dialogen sind zudem ein Temperament und ein – mitunter betont kunstvolles – Stilgefühl am Werk, das eher nach Italien als in den Nahen Osten passt. So erweist sich Private, 2004 in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet, als ästhetischer Zwitter. Aktuell ist er dennoch."
Peter Claus (Welt) lobt den Film: "Die Story birst geradezu vor Spannung, die philosophischen Exkurse in den Dialogen klingen nie aufgesetzt, das Schauspiel ist exquisit. (...) Bis zum Schluß wird der dokumentarisch streng fotografierte Film, der mit palästinensischen und israelischen Schauspielern gedreht wurde, der Härte der Situation gerecht."
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