Filmkritik:
Bergkristall
D 2004 R: Joseph Vilsmaier D: Dana Vávrová, Daniel Morgenroth, Josefina Vilsmaier, François Göske, Max Tidof, Katja Riemann, Herbert Knaup, Frederick Lau Filmwebsite
Die Fehde zwischen zwei Gebirgsdörfern im 19. Jahrhundert eskaliert, als ein Schuster eine zweifache Mutter aus dem Nachbardorf heiratet. Am Heiligen Abend kommt es zur Katastrophe, als sich die auf Versöhnung hoffenden Kinder in den Bergen verlaufen. Verfilmung der Erzählung von Adalbert Stifter.
Blickpunkt:Film gefiel der "bildgewaltige Mix aus modernem Heimatfilm, anrührendem Familiendrama und beschaulichem Weihnachtsmärchen". Der "Kern der Handlung", die Suche nach dem legendären Bergkristall, belohne "alle Freunde des klassischen Melodrams mit einem dick aufgetragenen Happy Ending". Etwas überflüssig sei nur die in der Jetztzeit angesiedelte Rahmenhandlung.
Vilsmaier hat Stifters Erzählung mit "verschärften Konflikten und neuen Spannungselementen versehen", schreibt Felicitas Kleiner vom Filmdienst; dabei bleibe die "grandiose alpine Landschaft ein zentraler Protagonist der Geschichte". Der "typische Weihnachtsfilm" ziele "gefühlvoll" vor allem auf "Kinder und Familien als Publikum".
Tilman Krause ( Welt) lobt die Wahl Vilsmaiers eine Stifternovelle zu verfilmen. Damit habe er ein "gewisses Gespür für jene Zurückhaltung" bewiesen, die in einem Kinderfilm walten müsse, "der auch ein wenig zur ästhetischen Erziehung" beitragen soll. Leider habe er jenem Konflikt, welchen Stifter interessiert habe "nicht vertraut", denn er füge dem "Integrationsproblem" ein "Eheproblem" hinzu und lasse die Kinder "Familienzusammenführung" stiften. Das solle wahrscheinlich "heutig" sein. Dennoch sei "der Film nicht ganz mißlungen". Sein eigentlicher "Zauber" liege "im Schnee". Die Welt der Berge sei "prächtig" in Szene gesetzt.
Jan Distelmeyer ( taz) hatte besondere Erwartungen an den Film. Er meint, der Blick wappnete sich vielleicht bereits "mit Kracauers Fragen zum Bergfilm als Vorläufer der NS-Zeit", (denn er sollte an Herbstmilch und Stalingrad über Comedian Harmonists bis zu Marlene und Leo und Claire anschließen) - "aber es komme nichts". Dem Film gelänge nichts von dem, was er sich vornähme, "weil er schon handwerklich" scheitere. "Der Berg ruft nicht", er lebe noch nicht einmal. Der Film käme dem Kino "nicht näher als irgendeine muffige ZDF-Episode der 'Weißblauen Geschichten'.
Christina Heinen ( Frankfurter Rundschau) dagegen meint, Vilsmaier kehre "zurück zu dem", was ihm am meisten liege: Heimatfilme. "Ironiefrei" erzähle er Geschichten über "das Leiden" des Menschen an seiner Heimat und über seine "Liebe zu ihr" - "wortkarg, bildgewaltig, nur selten kitschig". Seine große Stärke sei es, das 19. Jahrhundert in allen Details lebendig werden zu lassen.
Auch F.N. vom Tagesspiegel hatte mehr erwartet. Vilsmaier habe einmal, ein "für einen deutschen Regisseur seiner Generation" ungewöhnliches "Gespür für die Natur" besessen. Mit dem Gebirgsdrama Schlafes Bruder habe er eine "starke Regieleistung" geboten, an die er mit seinem neuen Film hätte anknüpfen können. Stattdessen präsentiere er "abgelegene Dörfer und verschneite Berge", die wie eine "Wandtapete" aussähen. Die "kleinen Akteure" retteten den Film "halbwegs". Schade sei nur, "dass sie ihre größte Szene in einer Plastikdekoration" spielen müssten. "Was eine vereiste Höhle sein soll, sieht aus wie eine Dorfdisco".
Andreas Kilb von der FAZ legt dar, dass Vilsmaier den Geist Stifters, bei dem es "nichts Großes" gebe "außer dem Kleinen", völlig verfehlt habe. Die Rahmenhandlung, deren "Optik aus dem Katalog der Skireiseveranstalter" stamme, bringt Stifters Märchen "von vornherein um seine Wirkung", und selbst die "Beschreibungsqualität der Filmbilder" bleibe hinter der Vorlage zurück. Nur an den Kinderdarstellern "findet die Geschichte für kurze Augenblicke einen Halt, dann sinkt sie wieder in ihr ödes Bebilderungsparlando zurück".
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