Filmkritik:
Schau mich an!
(Comme une image) F 2004 R: Agnès Jaoui D: Marilou Berry, Agnès Jaoui, Jean-Pierre Bacri, Laurent Grevill, Virginie Desarnauts Filmwebsite
Die pummelige Lolita, Tochter des gefeierten Autors Etienne, nimmt Gesangsstunden bei Sylvie, um von ihrem Vater endlich anerkannt zu werden. "Angesiedelt im bürgerlichen Pariser Milieu, lässt Jaoui keine Gelegenheit aus, sich über Nabelschau und Selbstbeweihräucherung der Intellektuellen zu mokieren, mit milder und manchmal scharfer Ironie die Schwächen und Stärken ihrer Protagonisten zu zeichnen", so Blickpunkt:Film. "Die Besetzung, angefangen von Jean-Pierre Bacri als gewieftem Zyniker bis hin zu Marilou Berry als Schwergewicht, ist optimal. Aber am meisten amüsieren die wie Diamanten geschliffenen Dialoge."
Auch Alexandra Wach vom Filmdienst ist voll des Lobes: "Wohltuender Weise begnügt sich der Film mit einer konventionellen Machart - keine erzählerischen Mätzchen stören den Blick auf das Innere der Figuren, kein selbstreferenzielles Fuchteln mit Regieeinfällen, dafür aber ein Ausweis von Menschenkenntnis, der in jedem messerscharf ziselierten Dialogaustausch als Subtext präsent ist. Auch die Diagnose einer zeitgenössischen comédie humaine lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig, doch eine Neigung zur Depression deswegen versagt sich die über weite Strecken wunderbar komische Charakterstudie entschieden."
Für Hans-Dieter Seidel ( FAZ) ist diese Tragikomödie "ein einziges Vergnügen". Es freut ihn, dass hier "keine Regieallüren, keine Pointensucht" zu finden sind, sondern "Dialoge, die knistern, szenische Arrangements, die leben, und eine Probe aufs darstellerische Ensemble, das es nicht nötig hat, mit Starnamen zu prunken."
Barbara Schweizerhof von der taz beschreibt wie Schau mich an! "meisterlich zurückhaltend und doch sehr präzise in Szene gesetzt" ist: "So funktioniert der Film als Panorama der kleinen Korrumpierbarkeiten."
Michael Kohler ( Frankfurter Rundschau) schreibt ebenfalls begeistert: " Schau mich an! ist ein fein gewirkter Episodenteppich, der seine Charaktere und Motive wunderbar zur Geltung bringt und jeder Figur gleichermaßen Raum zur Entfaltung seiner guten und schlechten Eigenschaften lässt."
Beschwingt ist Jan Schulz-Ojalas Besprechung im Tagesspiegel: "Ein schöner Schuss Woody Allen steckt in diesem Film, etwas intellektuell Boulevardeskes, das sich vor allem durch den geschliffenen Dialogwitz verrät; doch wo Woody Allen selbst die anrührendste Situation immer noch virtuos nach ihrem Komik-Potential ausforscht, suchen Jaoui und Bacri in ihren Drehbüchern mitten in der Komik den winzigen, umso bewegenderen Augenblick der Wärme. In dem die Protagonisten dann natürlich nur wieder was Banales sagen: ganz wie im sogenannten richtigen Leben."
Hanns-Georg Rodek ( Welt) schreibt, der Film zeuge "von profunder Menschenkenntnis". In ihm gehe der "analytische Scharfblick eines Jean-Luc Godard und der melancholische Humanismus eines Woody Allen eine ebenso unwahrscheinliche wie glückhafte Bindung" ein. Einerseits sei es "ein sehr französischer Film, der ohne die verbreitete Anbetung des Intellektuellen und die gehobene Lebensweise der Bourgeoisie nicht denkbar wäre". Andererseits "aber auch ein sehr universeller Film, weil die Mechanismen emotionaler Machtausübung und Unterwerfung überall gleich funktionieren".
Katja Nicodemus von der Zeit porträtiert die Autorin und Filmemacherin Agnès Jaoui, die "die französische Sittenkomödie mit schlagfertigen Spitzfindigkeiten und einem Röntgenblick auf menschliche Eitelkeiten und Schwächen wiederbelebt. Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Lebensgefährten Jean-Pierre Bacri bringt Jaoui Dialoge von marivauxscher Leichtigkeit auf die Leinwand, konstruiert Intrigen, in denen sie wie nebenbei die Verlogenheiten ihrer Epoche aufspießt. Mit hingeworfenen Repliken zerbröselt sie ganze Weltbilder, legt mal mit ätzender Rhetorik, mal mit winzigen Sarkasmen die Trugbilder und Konventionen frei, an denen sich das soziale Leben gemeinhin entlanghangelt."
Die taz und der Tagesspiegel haben sich mit Agnès Jaoui unterhalten, die Süddeutsche Zeitung widmet ihr ein Staralbum.
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