Filmkritik:
The Return - Die Rückkehr
(Vozvrascenje) R 2003 R: Andrej Swjaginzew D: Wladimir Garin, Iwan Dobronrawow, Konstantin Lawronjenko, Natalija Wdowina Filmwebsite
Nach zwölf Jahren kehrt ein Mann zu seiner Frau und seinen zwei Söhnen, die inzwischen groß geworden sind, zurück. Wo er die ganzen Jahre war und weshalb, bleibt im Dunkeln. Ein Ausflug des Vaters mit den Söhnen wird eine Art Initiationsreise mit tragischem Ausgang. Ralf Schenk vom Filmdienst bietet mehrere Interpretationsmöglichkeiten an: als "Gleichnis auf das russische 20. Jahrhundert", als "Parabel über das Thema Zwang und Freiheit, Druck und Gegendruck, Sanftheit und Härte" und "über den Versuch, Menschen zu indoktrinieren und ihnen das Rückgrat zu krümmen". Aber auch "religiöse, mythische Deutungen" seien möglich. Schenk lobt die "ausgezeichneten Darsteller", die vom Regisseur "vorzüglich geführt" würden und die Arbeit des Kameramanns Michail Kritschman: "Das Ambiente mit seinem wolkenverhangenen Himmel, dem Nebel und dem bisweilen peitschenden Regen öffnet das Bewusstsein für die Gefühlslage der Figuren, ihr Alleinsein trotz körperlicher Nähe, die Zurückgeworfenheit auf sich selbst. Die Landschaft als Spiegel von Seelenzuständen."
Der Titel passe "im doppelten Sinn", meint Andreas Kilb von der FAZ, denn der Film symbolisiere gleichzeitig "die Rückkehr des russischen Kinos auf die Landkarte der Kinematografie". Überhaupt wirke "Swjaginzews Film in allen entscheidenden Momenten immer zugleich symbolisch und real, er hält jene Balance, die im Kino am schwierigsten zu halten ist: zwischen dem, was ein Bild bedeutet, und dem, was man tatsächlich sieht; zwischen Geschehen und Allegorie. Es gibt fast kein Grundthema des jüngeren russischen Kinos, das Swjaginzew nicht anspielt, und doch gewinnt er jedem eine neue, überraschende Klangfarbe ab, als hätte er es gerade erst entdeckt." Für Kilb bestätigt sich hier wieder einmal: "Große Regisseure werden nicht allmählich groß. Sie sind sofort da, wo andere nie hingelangen werden, im ersten Anlauf. Andrej Swjaginzew ist ein großer Regisseur, und Die Rückkehr ist sein Debüt."
Auch Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel ist tief beeindruckt von dem Film der so viele Deutungen zulässt und dessen Regisseur man "als einen religiösen Mystiker und späten Wiedergänger Tarkowskis" sehen könne: " Die Rückkehr, immer spannend, beunruhigend und bewegend zugleich, ist ein Roadmovie von der Siedlung in die Kleinstadt, an ein Seeufer bis hin auf eine unbewohnte Insel. Und ein enges psychologisches Kammerspiel, eines unter freiem Himmel."
Für Birgit Glombitza von der taz knüpft der Film nur auf den ersten Blick an das große russische Autorenkino an. Die "eigenwillige Mischung aus Präzision und Leichtigkeit" erinnere mehr an Filme von Jacques Doillon als an die von Andrei Tarkowski. "Swjaginzews minimalistische Bilder aus Wind und Regen, Autofahrt und Staub und die erzählerische Eleganz verteilen Bedeutungsüberschüsse diskret in den Hintergrund."
Karsten Visarius von der Frankfurter Rundschau meint, mit The Return habe "eine Crew enthusiastischer Debütanten - vom Regisseur über den Komponisten, die Schauspieler, den Kameramann bis hin zum Produzenten - ein lange nachwirkendes Werk geschaffen".
Weniger begeistert ist Andreas Busche (Die Zeit). Er störte sich an der Darstellung der Figur des Vaters: "Mit ihrer konturlosen Härte bleibt sie unnahbar und störend zwischen den sorgfältig beobachteten kleinen Gesten der Jungen. Die dumpfe Gewalt, die den Vater vorantreibt, verträgt sich nicht mit der Mysteriosität der Landschaft. In der unberührten Natur bleibt der Mann ein Fremdkörper, wenn er wie ein Krieger in die rauschenden Wälder zieht. Während die Natur der Erzählung rätselhafte Tiefe verleiht, bleibt die Figur des Vaters merkwürdig flach. Diesen Eindruck von gespreizter Banalität kann Swjaginzew in seinen Bildern nicht auflösen."
Jurij Gladilschikow (Die taz) glaubt, dass sich das Interesse der westlichen Festivals dadurch erkläre, "dass sie endlich wieder einen Film haben, der völlig deren Vorstellungen davon entspricht, wie 'ein guter russischer Film' zu sein hat: Nicht nur geheimnisvoll unklar (das sind die meisten russischen Filme schon deswegen, weil unsere Regisseure wie Hunde sind - sie verstehen alles, sind aber außerstande, es zum Ausdruck zu bringen wegen mangelnden Könnens), sondern auch spannend und geistreich. Das erinnert auch an Andrej Tarkowskij, sogar rhythmisch ähnelt Die Rückkehr seinen Filmen, von Spiegel bis Stalker." Für die russische Filmwelt bleibe Swjaginzew trotzdem ein Außenseiter.
Im Spiegel schreiben Julia und Rüdiger Sturm, "die Hoffnungen, dass Die Rückkehr eine Renaissance des russischen Films einläuten könnte, erscheine nicht ganz unberechtigt." Denn "im letzten Jahr lief eine ganze Reihe von gepriesen Produktionen an, darunter Die Alten von Gennadi Sorow oder Koktebel von Boris Chlebnikow."
Für Christoph Egger von der Neuen Zürcher Zeitung ist von Anfang an "unübersehbar", dass hier ein "Könner" am Werk war, dessen "Beherrschung der gestalterischen Mittel" nur beeindruckten. "Meisterhaft" sei auch die Kamera Michail Kritschmans.
Was läuft wo?
Welcher Film, welche Stadt, welches Kino, welche Uhrzeit - finden Sie's raus mit dem
Cinema-Kinotimer



























