Filmkritik:
Eierdiebe
D 2003 R: Robert Schwentke D: Wotan Wilke Möhring, Janek Rieke, Antoine Monot jr., Julia Hummer, Alexander Beyer, Marie Gruber Filmwebsite
Ein an Hodenkrebs erkrankter junger Mann unterzieht sich einer Chemotherapie, um einer operationsbedingten Kastration zu entgehen.
Ulrich Kriest vom Filmdienst weiß, dass Eierdiebe "streckenweise autobiografisch" ist - Filmemacher Robert Schwentke litt vor einigen Jahren ebenfalls an Hodenkrebs. Sein Film schlage den "etwas gewöhnungsbedürftigen Tonfall einer schwarzen Komödie" an und präsentiere das "System Krankenhaus mit seinen sprachlichen Verwaltungsschnoddrigkeiten aus der Perspektive des betroffenen Patienten". Die "eigenwillige Milieustudie" wildere mit zunehmender Dauer "kräftig im Fundus der Krankenhausklischees und -kalauer" und lasse ein "ordnendes Konzept" vermissen. Auch formal verlasse der Film "kaum das übliche Fernsehspiel-Niveau". Die dramaturgischen Schwächen wirkten "umso befremdlicher, als der Film durchaus Szenen enthält, die man gern ausführlicher erzählt bekäme".
Josef Engels von der Welt hält den Plot für eine "abstruse Idee", hinter der sich freilich ein "großes Aufbegehre" verbirge: "Das verlorene Ei steht nämlich auch für die Würde, derer Martin durch seine Krankheit beraubt wurde". Der Film "spart nicht mit drastischen Details. Wo sonst bei Siechendramen die Kamera gnädig vom Ge- und Erbrechen wegschwenkt, hält sie bei "Eierdiebe" drauf. Aber nicht mit realistischem Aufklärungsanspruch, sondern mit kathartischer Lachabsicht".
Anke Sterneborgs Diagnose in der Süddeutschen Zeitung lautet, dieser Film sei "purer Exorzismus". Ein Regisseur "treibt seine persönlichen Geister aus, die emotionalen Wechselbäder und schmerzlichen Erfahrungen von Krebsdiagnose, Operation und Heilung". Zwischen den Extremen von "wahrem Gefühl und billigem Trick, von leisem Leid und schrillem Getöse, zwischen nuancierten Momenten und überdrehten Klischees" gerate der Film jedoch "immer wieder ins Schlingern".
Die Welt porträtiert Rgiesseur Schwentke.
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