Filmkritik:
Mona Lisas Lächeln
(Mona Lisa Smile) USA 2003 R: Mike Newell D: Julia Roberts, Kirsten Dunst, Julia Stiles, Maggie Gyllenhaal, Ginnifer Goodwin, Dominic West Filmwebsite
Katherine Watson (Julia Roberts) unterrichtet 1953 Kunstgeschichte am elitären Mädchen-College Wellesley. Die emanzipierte Frau bringt frischen Wind in die muffige Lehranstalt und eckt damit natürlich an.
Blickpunkt:Film hat ein "einfühlsames Drama à la Der Club der toten Dichter gesehen. Stefan Volk vom Filmdienst spricht von einem "hochkarätig besetzten Sozialisationsdrama über weibliche Konformität und Identität". Indem Regisseur Newell ( Vier Hochzeiten und ein Todesfall) die "ehernen College-Tugenden und Heile-Welt-Fantasien aus der historischen Distanz als propagandistische Disziplinierungsmechanismen entlarvt, lädt er dazu ein, auch die zeitgenössischen Konventionen zu hinterfragen". Das "emanzipatorisch überzeitliche Anliegen" des Films werde aber oft von einer "historisch-dramaturgischen Sensationsgier" verschluckt. Was als "kritisches, wenn auch etwas simples Gesellschaftsporträt" begonnen habe, ende in "rührseligem Tränenkino".
Josef Engels bemängelt in der Welt die "seltsame Unentschiedenheit" des Films. Die Spießigen Fünfziger Jahre gäben eigentlich den Stoff her für eine "Satire und für ein Loblied auf die Veränderung der Gesellschaft". Regisseur Newell aber erlaube sich den "Skandal, vom Scheitern der modernen Frau zu erzählen. Julia Roberts sitzt zwischen allen Stühlen weiblicher Identifikationsangebote. Auf der einen Seite ist ihr die Erlösung durch den Traumprinzen zuwider, auf der anderen Seite fehlt ihr der Mut, gegen einen übermächtigen Gegner - die gesellschaftlichen Konventionen, die bornierte Schulleitung - in den Kampf zu ziehen. Was bleibt, ist nur die Flucht".
Susan Vahabzadeh ( Süddeutsche Zeitung) freut sich erstmal: "Wenn es so weit ist, dass Hollywood seine größten Superstars als glamouröse Feministinnen an den Start schickt, dann gibt es doch noch Hoffnung für die Welt". Mona Lisas Lächeln sei "getrieben von dem selben Freigeist, der Kampflust, sein zu dürfen was man ist, der Erin Brockovich unwiderstehlich gemacht hat, nur nicht ganz so gut inszeniert". Die Kritikerin wünsschte sich, dass Mike Newell und seine beiden Autoren "konzentrierter wären, leidenschaftlicher bei der Sache". Zudem fehle manchmal das "Gespür dafür, wann es genug ist, fürs Timing, und manche Stellen sind holprig".
Alexandra Stäheli von der Neuen Zürcher Zeitung fragt sich, was der Film uns eigentlich sagen will; das "Verblüffende" an ihm sei, dass es ihm "gelingt, ganz und gar ohne Argumente und Hintergründe auszukommen. Die Galerie von schönen Bildern, von fliegenden Pettycoats und würgenden Gesellschaftskorsetts entpuppt sich so im Endeffekt als weisse Leinwand, die kein Abbild jener Gesellschaft wiederzugeben vermag, welche der Film so gerne als engstirnig und bigott entlarvt hätte".
Peter Zander von der Welt macht sich ein klein wenig Sorgen um Julia Roberts' Karriere, spiele sie doch hier ihre erste "Altersrolle". Das Duell mit der teuersten Lächlerin der Welt, Mona Lisa eben, ende aber mit einem Punktsieg für Roberts. Der Film wird übrigens nicht besprochen.
Daniel Haas vom Spiegel argumentiert ähnlich. Der Film sei ein "Bluff, ein filmischer Trick aus Hollywood, der suggeriert, eine Emanzipationsgeschichte zu erzählen, und dabei letztlich nur das kreative Potenzial zur Gestaltung prächtiger Oberflächen in Szene setzt".
Birgit Glombitza ( taz) hält die Moral von der Geschicht' für rektionär: "Die wichtigste Lektionen hat hier jedoch ihre Lehrerin selbst zu lernen: dass sie ihre Existenz als unverheiratete Akademikerin nicht zum Maßstab emanzipierter Glückseligkeit machen kann. Dass ihre eigene Kleingeistigkeit es ihr unmöglich macht, auch in einer häuslichen Existenz ein selbstbestimmtes Leben zu erkennen. Und dass ihr keineswegs überzeugendes Freiheitskonzept wohl eher das Produkt eines Seelenknackses ist, der ihrem Glück an der Seite eines Mannes im Wege steht".
Die Welt portätiert Regisseur Mike Newell.
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 114 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 20. Juli 2004
• Produktion: 2003
DVD Features:
• Filmdokumentationen
• Filmografien: Regisseur, Besetzung, Autor
• Musik-Video
• Verschiedene Trailer
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