Die Filmstarts vom 22. Oktober 2009
  (500) Days Of Summer
  Der Atemzug: Es lebe das Vaterland
  Die Bucht - The Cove
  Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß
  Kuddelmuddel bei Pettersson und Findus
  Orphan - Das Waisenkind
  Die Päpstin
  Wendy und Lucy

A B C D
E F G H
I J K L
M N O P
Q R S T
U V W X
Y Z 0-9

Durchsuchen Sie unsere Website:

Aktualisiert am 30.10.2009

Filmkritik:

Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß

Günter Wallraff: Schwarz auf weiß

D 2009 R: Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger D: Günter Wallraff 86 Min. Filmwebsite
Ein schwarzer Migrant reist durch Deutschland und stellt die Gastfreundschaft der Einheimischen auf die Probe. Doch was die Menschen, auf die er trifft, nicht wissen - dieser Schwarze ist in Wirklichkeit Günter Wallraff. Ein Jahr lang war der berühmte Undercover-Journalist perfekt maskiert und mit versteckter Kamera in der Republik unterwegs und erlebte am eigenen Leib, wie Deutsche mit schwarzen Mitbürgern umgehen. Nicht selten setzte sich Günter Wallraff in der Maske des afrikanischen Migranten Kwami unkalkulierbaren Risiken aus.

"Ein Enthüllungsjournalist enthüllt, schon von Berufs wegen, immer etwas – Menschen verachtende Zustände, ein unwürdiges Arbeitsumfeld. Schwarz auf Weiss hingegen 'enthüllt' nichts", konstatiert Julia Teichmann (Filmdienst): "Der Film ist vielmehr nicht mehr als eine Art Nummernrevue zum alltäglichen Rassismus in Deutschland mit Konfliktzwang, die über eine ganze Spielfilmlänge nicht trägt." Die "Mittel und Methoden, derer sich Wallraff bedient – versteckte Kamera, die Vorspiegelung falscher Identitäten –" wirkten "inzwischen seltsam überholt". Wallraffs Verkleidung sei "zudem absurd und übertrieben, der Journalist sieht mit gelber Tragetasche, Musterhemd und Afrolook wie ein wandelndes Zitat aus den 1970er-Jahren aus. Was dazu beiträgt, dass das Bild eines Schwarzen, das Wallraff hier entwirft, mitunter selbst rassistisch wirkt."

Für Philipp Lichterbeck vom Tagesspiegel ist der Film "in zweierlei Hinsicht höchst verstörend": "Zum einen sind da die Deutschen, denen Ogonno begegnet: ein in der Mehrheit kriecherisches Pack, überheblich, ängstlich, dumm, latent aggressiv". Das zweite große Unbehagen habe mit Wallraffs "fragwürdiger Methode" zu tun: "Warum lässt er nicht einen echten Afrikaner losziehen? Wallraff selber ist nur die Karikatur eines Schwarzen und reproduziert gängige Vorurteile".

Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau schreibt: "Wirklich beklagenswert aber ist der unreflektierte ästhetische Effekt der Maske. Es ist ja nicht nur die Erinnerung an die üblen Minstrel-Shows, die zum Tabu weißer Schwarzendarsteller führte. Jetzt sieht man einmal die rein praktischen Gründe, es besser zu lassen: Wallraff wirkt in der Rolle niemals vollkommen authentisch". Man dürfe "den Mut des Aufklärers bei diesem Film durchaus bewundern und das Ergebnis dennoch in Frage stellen".

" Wallraffs Selbstversuch legt mit erbarmungsloser Penetranz das Erwartbare frei", moniert Eckhard Fuhr von der Welt; dass sein Film "eine Qual ist, liegt aber nur zur Hälfte daran, dass er die 'ungeschminkte' Wirklichkeit zeigt. Zur anderen Hälfte sind Wallraff und seine Methode dafür verantwortlich". Die Figur Kwami sei "eine Negerpuppe, mit der der Volksaufklärer Wallraff spielt".

David Denk von der taz hat eine "Nummernrevue des Hasses" gesehen.

Laut Spiegel Online kritisieren Afro-Deutsche die Undercover-Methoden von Wallraff. Der zentrale Vorwurf gegen den Journalisten laute, dass "in Deutschland die Debatte über Rassismus gegen Schwarze schon deutlich weiter ist, als sein Film suggeriert".

Auch Enthüllungsjournalist Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung bespricht den Film, ebenso die NZZ.

Eine weitere Kritik bringt die Süddeutsche Zeitung.

Was läuft wo?
Welcher Film, welche Stadt, welches Kino, welche Uhrzeit - finden Sie's raus mit dem Cinema-Kinotimer