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Aktualisiert am 23.10.2009

Filmkritik:

Die Päpstin

Die Päpstin

D/GB/I/Spanien 2009 R: Sönke Wortmann D: Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman, Iain Glen, Anatole Taubman, Jördis Triebel Filmwebsite
Ihre Existenz war ein Geheimnis, ihr Name wurde aus den Geschichtsbüchern getilgt. Dennoch wurde das Leben der Johanna, die als Papst Johannes Anglicus im 9. Jahrhundert die katholische Kirche lenkte, zur Legende. Nach dem Roman von Donna Woolfolk Cross. Von Sönke Wortmann lief zuletzt Deutschland. Ein Sommermärchen in den Kinos.

Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau lobt die deutsche Großproduktion Die Päpstin: Johanna Wokalek vermittele in der Titelrolle "unwiderstehlich den Charme des Intellekts. Und Regisseur Sönke Wortmann überzeugt in einer piktoralen Wucht, die man so nicht von ihm kannte". In seiner "schwelgerischen Naivität" erinnere Wortmanns Film an die Spätzeit der Hollywood-Sandalenfilme.

Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel hingegen hatte ein unerfreuliches Déjà-vu: "Gerade hat Margarethe von Trotta mit Vision ihre Huldigung der immerhin historisch verbürgten Kräuterheiligen Hildegard von Bingen ähnlich inspirationsarm in den Sand gesetzt. So müde wie Wortmann häkelte sie ihre Story". (...) Nur dass bei der in Englisch gedrehten Päpstin die leiernde Synchronfassung zusätzlich quält". Der Film startet am Donnerstag.

Barbara Schweizerhof von der taz meint, der Film folge der "durchaus kuriosen Mischung der Vorlage ziemlich genau". Wortmann habe die Regie "offenbar willig, aber unter Verzicht auf jede eigene Handschrift" übernommen. Alles erscheine "wie nach festen Vorgaben aus dem Fundus diverser Erfolgsfilme gedreht: ein bisschen Frauenkampf und Herzeleid wie in'Nebel von Avalon, ein bisschen Germanienhorror wie in Gladiator, ein bisschen Schlachtgetümmel à la Herr der Ringe und zuletzt ein bisschen guter alter Römerfilmbombast".

Susan Vahabzadeh von der Süddeutschen Zeitung meint, Sönke Wortmann habe "unterhaltsam und humorvoll genug inszeniert". Die Story sei "einfach verdammt gut", und vor allem die erste Hälfte "braucht keine Materialschlacht".

Patrick Bahners von der FAZ hat eine von Sarkasmus triefende Kritik über diesen "Dorfschulfilm" verfasst.

Alexandra Stäheli von der NZZ schreibt: "Das von Wortmann und Heinrich Hadding verfasste Drehbuch bemüht sich vor allem darum, die sich durch über 500 Buchseiten windende Handlung auf 150 Kinominuten zusammenschrumpfen zu lassen – nicht immer zum Genuss der Zuschauer". Die Päpstin trage "jene Handschrift, mit der sich Deutschlands gewichtigste Produktionsfirma Constantin (...) immer wieder hervorgetan hat: üppige Historiendramen, in glänzenden Bildern und mit einem seltsamen Zwang zur Halbgenauigkeit auf die Leinwand gebracht".

Hannah Pilarczyk von Spiegel Online bemängelt, Wortmann und sein Co-Autor fänden "keine filmische Übersetzung für Johannas Neugier, ihre Geschicklichkeit und ihr Einfühlungsvermögen". Die Päpstin springe "von Episode zu Episode und entwickelt mitunter eine unfreiwillige Komik".

Hanns-Georg Rodek von der Welt meint, Die Päpstin sei "einer der wenigen deutschen Historienausflüge, der sich nicht schon vor Drehbeginn selbst ein Bein stellt, des ärmlichen Budgets wegen". Dieser Film "hat das Geld (über 20 Millionen Euro), besitzt den Atem, kreiert die Aura".

Auf Katja Nicodemus von der Zeit wirkte Die Päpstin "wie die filmische Verlängerung jener Erlebnisgastronomie, bei der man an klobigen Holztischen zusammenkommt, mit Messern, Löffeln und bloßen Fingern Sauerteigfladen, Dinkelbrei und Lamm vom Spieß isst und hin und wieder ein gepflegtes Rülpserchen von sich gibt". Wortmann habe die Geschichte "mit der Dienstfertigkeit eines Messdieners verfilmt". Die Päpstin sei eine "romangetreue und daher recht gedankenarme Illustration des Buches, der nicht anzumerken ist, was den Regisseur überhaupt daran interessiert hat".

Die Welt klärt uns darüber auf, dass es eine Päpstin zwar im Film, wohl aber nicht in der Kirchengeschichte gibt.

Für die Süddeutsche Zeitung hat sich Volker Schlöndorff mit Sönke Wortmann. Schlöndorff war ursprünglich als Regisseur der Päpstin vorgesehen.

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