Filmkritik:
Wendy und Lucy
USA 2008 R: Kelly Reichardt D: Michelle Williams, Will Oldham, Will Patton, Larry Fessenden, Walter Dalton, John Robinson 80 Min. Filmwebsite
Wendy hat nicht mehr als ein paar Dollar in der Tasche. Zusammen mit ihrer Hündin Lucy wohnt sie in einem alten Honda, der sie nach Alaska bringen soll, wo sie auf einen Job in einer Fischfabrik hofft. Doch mitten im Nirgendwo gibt das Auto seinen Geist auf, was sich als Beginn einer großen Pechsträhne erweist. Wendy wird beim Stehlen von Hundefutter erwischt, und während sie in Gewahrsam ist, verschwindet auch noch Lucy. Ein alter Wachmann, den Wendy während ihrer Suche trifft, hat als einziger Mitleid mit der jungen Frau und versucht sie nach Kräften zu unterstützen. Von Kelly Reichardt lief 2008 Old Joy in den deutschen Kinos, der von der Kritik gelobt wurde.
Holger Römers vom Filmdienst meint, gerade weil der Film "nicht um Mitgefühl wirbt und keine Repräsentativität behauptet, kann Williams ihrer Figur schließlich eine Präsenz verleihen, die implizit mit einer fundamentalen Frage konfrontiert, die Reichardt explizit als Thema dieses Films beschrieben hat: 'Worin besteht die Verantwortung, die wir als völlig Fremde für einander haben?'“
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau meint, Wendy und Lucy sei "zweifellos ein Spielfilm, doch jedes Bild darin ist wahr". Die "Vollkommenheit" dieses Films sei "weder kalkuliert noch eingepaukt. Es ist die Stimmigkeit von Lyrik". In "bester amerikanischer Kinotradition" wisse der Film "nicht mehr als seine Zuschauer - doch anders als es populäre Drehbuchlehrer predigen, bleiben psychologische Erklärungen aus". Man möge an Filmer der Brüder Dardenne erinnert werden wegen der "Lebendigkeit der Darstellung", doch da sei sogar etwas, "das Kelly Reichardts Regie den Belgiern voraus hat: der Verzicht auf jede äußere Dramatik".
Cristina Nord von der taz lobt, Kelly Reichardt mache aus einer "einfachen Grundkonstellation sehr viel". Wendy and Lucy stehe "in einer Reihe jüngerer US-amerikanischer Independent-Filme. Die Budgets sind klein, die Geschichten dem Alltag entnommen, die Plots unaufwändig. Die Schauplätze - zum Beispiel Portland, Oregon, Austin, Texas, oder Winston-Salem, North Carolina -- sind eher peripher als mondän. Die Darsteller sehen aus wie gewöhnliche Menschen, den in Hollywood gängigen Körperoptimierungen unterwerfen sie sich nicht".
Tagesspiegel, Zeit, Freitag (folgt).
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