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Aktualisiert am 23.05.2005
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Filmkritik:

Starbuck Holger Meins

Starbuck Holger Meins

D 2001 R: Gerd Conradt D: Michael Ballhaus, Suzanne Beyeler, Gretchen Dutschke-Klotz, Harun Farocki, Rainer Langhans, Peter Lilienthal, Wolfgang Petersen Filmwebsite
Der Dokumentarfilm porträtiert den RAF-Terroristen Holger Meins. Gerd Conradt, ehemaliger Kommilitone, versucht, den "Maler, Filmemacher und Fotographen Meins stärker zu konturieren", bemerkt Mark Stöhr vom Schnitt. Aber Holger Meins "ist nunmal nicht als Künstler, sondern als Terrorist berühmt geworden, und schon rauscht der Bus mit den sogenannten Zeitzeugen heran", bricht eine "Flut von Zeitdokumenten" über uns herein. Den Kritiker stört die "mediale Musealisierung" der RAF, zu der dieser Film ein weiterer Beitrag sei. Seine Begründung kann man, ganz klammheimlich, merkwürdig finden: die Musealisierung nämlich "kappt jede mögliche Verlängerung in die Gegenwart". Wer, fragt er, "bemüht sich denn schon um eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Kleingedruckten ihrer politischen Ideen und fragt danach, was für uns davon heute noch ernsthafte Gültigkeit besitzen könnte? Es werden die immergleichen Bürgerkriegsgeschichten aus einem dekontextualisierten Jenseits erzählt".
Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung betont die Schwierigkeit die damahlige Zeit plausibel zu machen. "Die Gesellschaft und die Gefühle, die Poesie und die Politik – wie das zusammenspielte und wie es weiterwirkt im Gedächtnis der Gesellschaft, das ist heute nicht mehr auf den Begriff zu kriegen." Auch die Interviewten tun sich schwer: "Es ist nicht leicht, über diesen Menschen zu sprechen, der ein Mystiker war und ein Mythos wurde, und dieser Mythos wird immer dichter, immer mächtiger, je näher man an die Todesstunde kommt. Es ist nicht leicht, einen Bezug herzustellen zu diesem Typen und zu dem, was man damals selber machte – und was davon geblieben ist."
Manfred Hermes von der taz fand "die Auskunftsfreude (der) oft bekannten und eigens für die Dokumentation befragten Köpfe meistens weniger eindrucksvoll als das Stock-Material mit Interviews, die zu verschiedenen Zeiten mit Meins Vater Wilhelm geführt wurden." Der Film gehe auch der Frage nach inwieweit "die strengen, quasireligiösen Forderungen nach künstlerischer Radikalität, Unmittelbarkeit und Konsequentheit auch zu Handlungsanweisungen im Politischen wurden."
Eckhard Fuhr von der Welt hadert mit Conradts Methodik. Er versuche "hinter der Maske des politischen Kämpfers und Opfers den Menschen und Künstler Holger Meins sichtbar machen." Zu kurz komme dabei die Suche nach dem "was sich nicht aus dem politischen Kontext der Revolte ableiten lässt, zum Beispiel nach jenen älteren Prägungen, die mindestens so wichtig waren wie die die Radikalisierung anstoßenden Schlüsselerlebnisse" Die Äußerungen des Vaters hätten eine "überzeitliche Würde". Doch "einen Vater stellt man wegen der Taten seines toten Sohnes nicht zur Rede. Allen anderen müsste diese Reflexion allerdings zugemutet werden. Hier hapert es bei Conradt."
Christiane Peitz vom Tagesspiegel fand den Film nicht schlecht, meint aber auch die Fülle an Details und Erinnerungen verhinderten beim Zuschauer die Reflexion, zumal Conradt auch seine Interviewpartner nur ungenügend dazu auffordere. Nur in zwei Szenen gebe "es eine Verdichtung".
Heike Kühn von der Frankfurter Rundschau schreibt: "Conradts ruhiger, sorgfältig recherchierter Film bewahrt sich auch auf dem umstrittensten Gebiet den Horizont der Ambivalenz. Ob der RAF-Terrorist einen Opfertod anstrebte, wie es ihm Polizei und Politik unterstellte, oder seinem Hungerstreik mut- und böswillig nachgeholfen wurde, bleibt offen." Besonders gut haben auch ihr die Szenen mit dem Vater gefallen: " In seinem Gesicht halten sich die Schuld des Sohnes und die Schuld des Staates die Waage."

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Infos zu diesem Titel
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
• Untertitel: Englisch
• Bildformat: 4:3
• Dolby, HiFi Sound, PAL
• Laufzeit: 90 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 30. März 2004
• Produktion: 2001

DVD Features:
• 'Oskar Langenfeld' (Regie: Holger Meins, 1966, s/w, 13 Minuten)
• The Fight goes on (Kurzfilm)
• Bildergalerie Holger Meins - Selbstportraits und Malerei
• weitere Interviews u.a. mit Harun Farocki und Christian Ströbele

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