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Aktualisiert am 28.09.2009

Filmkritik:

Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

D 2009 R: Margarethe von Trotta D: Barbara Sukowa, Heino Ferch, Hannah Herzsprung, Alexander Held, Lena Stolze, Paula Kalenberg, Sunnyi Melles, Joachim Król 111 Min. Filmwebsite
Seit ihrem achten Lebensjahr wächst die aus adliger Familie stammende Hildegard im Benediktinerkloster Disibodenberg auf. Dort wird nicht nur ihr musikalische Begabung gefördert, ihre Mentorin gibt ihr auch das eigene Wissen weiter. Ihre immer wieder in den Alltag einbrechenden religiösen Visionen behält Hildegard jahrelang für sich. Nach dem Tod ihrer Mentorin ermutigt der Benediktinermönch Volmar sie zur Veröffentlichung ihrer Visionen, und Hildegard erhält dazu schließlich die Erlaubnis der Kirche. In ihrem Kampf um ihren eigenen Weg innerhalb der Glaubensgesellschaft, gründet Hildegard von Bingen allen Widerständen zum Trotz im Jahr 1150 das Frauenkloster Rupertsberg in der Nähe von Bingen am Rhein. Sie wirkt als Äbtissin und Heilkundige, sie komponiert und schreibt ihre bis heute berühmten Bücher nieder.
Von Margarethe von Trotta lief 2006 Ich bin die Andere und 2003 Rosenstraße in den Kinos.

Felicitas Kleiner vom Filmdienst findet es erfreulich, dass Margarethe von Trotta "konsequent darauf verzichtet, ihre Figur weich zu zeichnen oder ihre Ecken und Kanten abzuschleifen. Im Gegenteil: Sie lässt Hildegard als ebenso komplexen wie zum Teil auch widersprüchlichen Charakter gelten". Allerdings bekomme sie die "Komplexität und Vielseitigkeit ihrer Figur" dramaturgisch nicht in den Griff, aus all den Facetten entstehe kein "lebhaftes Porträt". So wirke der Film wie eine "gutgemeinte cineastische Lehrstunde, die pflichtschuldig Informationen zum Leben Hildegards wiedergibt. Diese hätte man aber auch in einem Heiligenlexikon nachlesen können". Oder bei Gernot Facius von der Welt, der uns die Person der Hildegard von Bingen und ihr Wirken nahebringt.

Auch vom Freitag hat an diesem "langatmigem Epos" allerhand auszusetzen: Es sei geprägt von "akribischer Genauigkeit bei der Rekonstruktion historischer Kulissen, Kostüme und Ereignisse", gepaart mit einer "unüberbietbaren Witzlosigkeit"; "ohne jede Brechung" würden die Etappen im Leben der Mystikerin nacherzählt, inszeniert in einer Mischung aus "Hagiografie und Anbiederung". Es sei, "als solle der Kinosaal qua cineastischer Hypnosearbeit in eine sittsam-dröge Schule für höhere Töchter verwandelt werden". Das Ergebnis sei "klischeehaft wie ein Unterhaltungsfilm, aber ohne Spannung, asketisch wie ein Kunstfilm, aber banal wie eine Fernsehproduktion".

Margarethe von Trotta meine es "bitterernst", tadelt Andreas Kilb von der FAZ, sie habe den "bleiernen Mittelweg" gewählt. Ein "feuriges Gestirn, eine Art Sonnenkloß, scheint Hildegard ins Herz. Mag sein, dass er den Bärlauch und die Schafgarbe im Klostergarten wärmt. Aber nicht das tote Herz dieses Films". Die Regisseurin und ihre "statuenhaft agierende Hauptdarstellerin" könnten mit Hildegard von Bingen "nichts Richtiges anfangen".

Auch Christina Tilmann vom Tagesspiegel verreißt den Film.

Elisabeth von Tadden hingegen findet in der Zeit lobende Worte: "Margarethe von Trotta hat eine ebenso reizvolle wie gewagte Entscheidung getroffen: Sie verzichtet auf die Mimesis der stinkenden Realien mittelalterlicher Lebenswelten, wie sie etwa in der Verfilmung von Umberto Ecos Namen der Rose die Sinne betäuben, und folgt stattdessen, mit aktuellen Mitteln, den reinigenden Mustern der Vita. Das gibt dem Film unweigerlich etwas Puristisches, mithin Unwirkliches. Aber die theologische Denkerin, die politische Strategin, die wissenschaftliche Lehrerin Hildegard behält die Verfilmung auf diese Weise umso entschiedener im Blick".

"Margarethe von Trotta zeigt in ihrem Film Vision Hildegard von Bingen als fehlbare und widersprüchliche Heilige", schreibt die taz.

Der Welt und der Frankfurter Rundschau stand Margarethe von Trotta Rede und Antwort.

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