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Aktualisiert am 31.03.2009

Filmkritik:

Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation

Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation

D 2009 R: Angela Schanelec, Dani Levy, Fatih Akin, Nicolette Krebitz, Sylke Enders, Dominik Graf, Hans Steinbichler, Isabelle Stever, Hans Weingartner, Tom Tykwer, Romuald Karmakar, Wolfgang Becker, Christoph Hochhäusler 140 Min. Filmwebsite
Eine Gruppe von Kino-Regisseurinnen und Regisseuren aus Deutschland fhat sich zusammengefunden, um aus ihren individuellen Blickwinkeln ein Panoramabild der gesellschaftlichen und politischen Situation der heutigen Bundesrepublik zusammenzusetzen. Jeder der beteiligten Regisseure interpretiert seine persönliche Wahrnehmung und eigene filmische Sicht auf das heutige Deutschland, abstrakt oder konkret, frei in der Wahl des Formates und des Inhaltes.

Rüdiger Suchsland schreibt im Filmdienst: "Am interessantesten ist dieses Filmexperiment aber in seiner Gesamtheit. Da ist er überaus repräsentativ: In der stilistischen Unentschiedenheit, in der Furcht seiner Macher vor dem Grundsätzlichen, der Scheu vor politischem wie ästhetischem Streit, vor Statements und Thesen, davor, sich vielleicht auch auf eine Art Lagebefund zu einigen, wie vorläufig auch immer". So werde der Film zur "Selbstbeschreibung einer Generation zwischen Mitte 30 und Ende 40 (...), die sich angesichts ihrer Politikmüdigkeit gern ins Private zurückzieht und die Fähigkeit zur Gestaltung der Öffentlichkeit verloren hat", aber genau diese Lage "präzis reflektiert". Dass der Film den "Mut zu solcher Zeitgenossenschaft" habe, dass er "Momentaufnahme sein will, beiläufig und nicht ewig", sei eine der größten Qualitäten dieses Films, "die ihm seinen Rang sichern wird".

Peter Zander von der Welt meint, wenn nur jeder Beitrag in Deutschland 09 von vergleichbarer Stärke wäre wie Dani Levys Joshua, diese "bitterböse Farce von rabenschwarzem Humor", dann wäre dieser Episodenfilm "eine Sensation". kleine Highlights zu entdecken wie die Beiträge von Tykwer und Steinbichler, viele andere wirkten "beliebig und unausgereift": "Die Größen unseres hiesigen Kinos, sie liefern hier Produkte ab, die manchmal eher an Studentenulks oder überambitionierte Abschlussfilme erinnern".

Detlef Kuhlbrodt von der taz geht kurz auf jeden der dreizehn Beiträge ein, oft ohne direkt zu werten; Dominik Grafs Der Weg, den wir nicht zusammen gehen bezeichnet er - völlig zu Recht - als "grandiosen Kurzessay".

Christian Buß von Spiegel Online meint, die "Sehnsucht nach Zusammengehörigkeit", die diesem "eitel fotografierten Sammelwerk" zugrunde läge, habe leider "fast ausschließliches Halbgares, Halbwahres und Halbgedachtes" hervorgebracht. Fast alle Etüden hätten eine "viel zu edle Optik - so sehen Semesterarbeiten besonders strebsamer Filmhochschüler aus". Der Kritiker litt unter "geballtem Betroffenheitskitsch", "Onanie pur", etc. Die besten Beiträge seien noch die dokumentarischen, zum Beispiel der von Dominik Graf, dessen "Plädoyer für die Ästhetik des Verbleichens als Gegenentwurf zu jener der Auslöschung schon im Material manifest" sei.

Für Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau ist dieser "aufwändig geknüpfte Flickenteppich" ein "bleibendes Zeugnis" der gegenwärtigen "filmhistorisch wohl einmaligen Opulenz", die sich den Zuschuss des staatlichen Filmförderfond verdanke. Der "Zwang zur Eindeutigkeit" mache bei den meisten dieser Filme deutlich , "wie viel das deutsche Arthouse-Kino doch von jener Filmkunst trennt, die sie so gerne wäre"; sie seien der "teuren Opulenz" verfallen, wenn sie "eine minimale Aussage gewaltig orchestriert". Auf den meisten deutschen Spezialfestivals für kurze Filme könne man "mit verbundenen Augen bessere, aktuellere und kunstvollere Episodenfilme über die deutsche Wirklichkeit zusammenstellen".

Auch Ulf Poschardt geht in der Welt hart mit Deutschland 09 ins Gericht, allein schon dadurch , dass er auf Gemeinsamkeiten mit Barths Männersache hinweit: "Während der Comedian bildungsferne Schichten in der Verblödung belässt, wollen Tykwer und Freunde ihr akademisches Publikum in die Verblödung zu treiben".

Für Thomas Assheuer von der Zeit ist etliches missglückt, und er fragt: "Liegt es an den Regisseuren – oder doch an dem Land, das sie beschreiben?" Wer Antworten auf diese Zeit-typische Fragestellung sucht, lese den Artikel bitte selbst.

"Wie so oft bei solchen Episodenfilmen besteht die Stärke als auch die Schwäche in ihrer Heterogenität.", meint Rudolf Worschech von epd Film; ein "umfassender Bericht zur Lage der Nation oder zumindest zur aktuellen Stimmung ergibt sich in Deutschland 09 auch nach 151 Minuten daraus jedenfalls nicht. Aber vielleicht brauchen wir den auch gar nicht".

Deutschland 09 wurde bei der Berlinale 2009 gezeigt.
Verena Lueken von der FAZ bemerkte, der Film komme "künstlerisch nicht zusammen". Das sei unter Episodenfilmen "kein Einzelschicksal und hat vor allem damit zu tun, dass es kein Gemeinsames gibt, weder ästhetisch noch gedanklich, auf das sich alle bezögen".Dafür sei hier "für alle Platz, für die Melancholiker wie die Optimisten, die Spinner wie die Verschwörungsgläubigen. Und das ist dann doch eine gute Nachricht".
Für Daniel Haas von Spiegel Online hat der Film "die gefühlte Länge eines ICEs, der im Schneckentempo zwei thematische Schienen verfolgt: Deutschland, ein Überwachungsstaat. Deutschland, die Heimat krankhafter Spießer". Lediglich drei der 13 Beiträge ergingen sich "nicht in dumpfer Agitation, politischer Naivität oder kunstsinniger Unverständlichkeit".
Hanns-Georg Rodek von der Welt schwärmt: " Deutschland 09 ist außerordentlich, uneinheitlich, brillant, banal, parteiisch, überraschend, das Schaufenster einer extrem talentierten Regiegeneration".
" Deutschland 09? Deutschland Null Nix, möchte man seufzen", schreibt Christiane Peitz vom Tagesspiegel. Eine triste Momentaufnahme ist es geworden und dazu ein seltsame Zeitreise zurück in eine Ära, als der Autorenfilm seine Protestnoten gegen den Weltenlauf noch angestrengt und unbeholfen formulierte.
Stefan Reineke von der taz stellt fest: "Wäre dieser Film eine Zeitungsrubrik, dann wäre er kein Leitartikel, kein Dossier und kein Feuilletonaufmacher, sondern die vermischte Seite. Bunt, manchmal interessant, manchmal merkwürdig. Aber kaum repräsentativ". Für Deutschland 09 gelte die "Faustformel: Umso politisch wichtiger das Thema ist, desto schwächer der Film."
Auch uns gefiel die Kompilation nicht besonders gut: "Diese filmische Spiegelung seines Objektes ist überwiegend vorsichtig, berechenbar und harmlos. Über das Land sagt das, wen wundert’s, noch lange nichts aus".

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