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Aktualisiert am 02.04.2009

Filmkritik:

Die Herzogin

Die Herzogin

(The Duchess) GB/I/F 2008 R: Saul Dibb D: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Charlotte Rampling, Dominic Cooper, Hayley Atwell, Simon McBurney, Aidan McArdle 110 Min. Filmwebsite
Georgiana Spencer wird jung von ihrer Mutter mit dem einflussreichen Herzog von Devonshire verheiratet. Doch schon bald fühlt sie sich gefangen in der Ehe mit dem eiskalten Herzog. Die lebenshungrige Georgiana findet Trost in ihrer Rolle als politische Aktivistin, Schönheitsideal und Fashion-Ikone. Je mehr sie von allen geliebt und bewundert wird, desto mehr zieht sich der Herzog von ihr zurück. Er bevorzugt die beste Freundin seiner Frau, Lady Bess Foster, und zwingt Georgiana zu einer "Ménage-à-trois".

Alexandra Wach vom Filmdienst erinnert die "Wucht, mit der Regisseur Saul Dibb die mal hedonistische, mal verzweifelte Auflehnung seiner Heldin gegen ihre Rechtlosigkeit und den unverblümten Sexismus ihrer Umgebung inszeniert", an Sofia Coppolas Marie Antoinette. Der "mehr als ansehnliche und von einem wunderbaren Score von Rachel Portman getragene Kostümreigen" könne allerdings mehr Szenen mit politischem Bezug vertragen können.

Christina Tilmann vom Tagesspiegel stellt fest, Saul Dibbs Film erzähle seine Geschichte "voll Prunk und Raffinesse", ohne die aktuelle Parallele (Lady Diana) "jemals beim Wort zu nennen"; und doch klinge sie in jeder Szene dieses "spektakulären Ausstattungsfilm" mit.

In seiner FAZ-Kurz-und Videokritik schreibt Peter Körte über die Hauptdarstellerin: "Dass die Kamera, wie es in Hollywood heißt, eine Schauspielerin liebt, ist eben doch etwas anderes, als wenn sich Kamera und Regie bloß in eine Schauspielerin vergucken wie in Die Herzogin“. Es hätte schon "einen Visconti oder Kubrick gebraucht oder den Scorsese aus Zeit der Unschuld, um Ferne und Kälte der Rituale ins Jetzt zu holen"; Saul Dibb sei "nicht der Mann dafür - und Keira Knightley, bei aller Schönheit, nicht die Frau".

Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau kann der Herzogin nichts abgewinnen: "Niemand in diesem Film kann so etwas wie Zerrissenheit auch nur annähernd vermitteln. Dem Regisseur würde es seine Postkarten-Ordnung gehörig durcheinander wirbeln. Und Keira Knightley würde es einfach überfordern." Es sei schon ein "Kunststück, wie frei man einen historischen Film von jedem Zeitkolorit halten kann"; "leer", "äußerlich" und, "ja, scheinheilig" sei er, denn es sei "scheinheilig, die gesellschaftliche Stellung der Frauen im 18. Jahrhundert zu beklagen, sich im Einzelfall aber nur für deren Schönheit zu interessieren".

Peter Zander von der Welt schwärmt zunächst von diesem "Kostümfilm vom Feinsten", der "mit allem Pomp seine Kostüme und Perücken, seines Kulissen und Landschaften feiert"; jede Einstellung sei "ein Tableau, eine Inszenierung klarer Fluchtpunkte und dekorativer Einrahmungen". Doch vorwerfen könne man dem Regisseur , dass sein Blick, "ähnlich dem der Protagonistin, nicht über die eigene überdimensionierte Hutkrempe hinausreicht" und er sich nicht satt sehen könne "an seinem eigenen Pomp". Und Keira Knightley, die "Ausstattungs-Heroine vom Dienst", müsse langsam aufpassen, dass sie nicht "zur Anziehpuppe vom Dienst verkommt".

"Das elementare Vergnügen, das Die Herzogin bereitet, entspringt der prägnanten Zeichnung der Charakter-Kontraste", meint Rainer Gansera von der Süddeutschen Zeitung. Beide Hauptfiguren trügen in sich "genügend Widersprüche und Spannungen, sodass das Drama immer lebendig in seine nächste Phase springen kann".

Auch Pia Horlacher von der NZZ gefiel der Film: "Das rauschende Kostümfest in Pomp und Prunk entwickelt sich zur subtilen Tragödie weiblicher Verletzlichkeit". Hinter Perücken und Puder stecke oft "weit mehr Substanz als in vermeintlich aktuelleren Filmangeboten". Die "bezaubernde" Keira Knightley allerdings sei für das "breite Ausdrucksspektrum, das die Rolle verlangt", wohl "nicht ganz reif genug".

"Es gibt Kostümfilme, und es gibt englische Kostümfilme", stellt Susanne Ostwald ebenfalls in der NZZ fest. Letztgenannte zeichneten sich "durch ihre besondere Liebe zu stimmungsvollen Settings und einem verschwenderischen Dekor aus". Die eigentliche Absicht des Films sei es, eine "frappierende Parallelität" zu Situation der Lady Diana (die Älteren werden sich erinnern) aufzuzeigen, was etwas "Sensationslüsternes" habe. Ungeachtet dessen sei The Duchess "wahrlich sehenswert".

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