Filmkritik:
Kleine Missgeschicke
Dänemark 2001 R: Annette K. Olesen D: Jorgen Kiil, Maria Würgler Rich, Jannie Faurschou Filmwebsite
Nach dem Tod der Mutter brechen in einer dänischen Familie Konflikte auf. Blickpunkt:Film spricht / stammelt von einem "Feelgood-Movie mit Widerhaken, staubtrockenem Humor und hohem Menschelfaktor."
Cornelia Fleer vom Filmdienst lobt den Film ebenfalls: "Das Drehbuch nutzt das Familienszenario für anspruchsvolle Situationskomik und Dialogwitz. Die Charaktere sind normal und zugleich erschreckend skurril gezeichnet, und bei der psychischen Anlage der Protagonisten weiß man nie, was als nächstes geschieht. (...) Annette K. Olesen entwirft einen unterhaltsamen Reigen um Beziehungsängste, traumatische Erlebnisse, Erwachsenwerden und Verantwortungsscheu. Alles in allem ein beeindruckendes Spielfilmdebüt, das Alltagsnöte mit bemerkenswerter Stilsicherheit auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Tragik zum Thema macht."
Michael Kohler ( Frankfurter Rundschau) dagegen ist arg genervt von der pseudorealistischen, auf Improvisation bauenden Inszenierung des Films: Olesen beute "nur die Dramaturgie des Seelenstriptease aus und lässt als beschämenden Höhepunkt auch noch die Politik des Verdachts in die Realismus-Hölle Einzug halten: Missbraucht der nette Familienvorstand vielleicht seine jüngste Tochter? Bekommt das Nesthäkchen nur deshalb keinen ab, weil es im Griff väterlicher Gewalt ist? Eine Zeit lang wird so getan als ob, ein Abgrund tut sich auf - und dann soll alles doch nur ein Missverständnis gewesen sein. Auf eine solche Unverfrorenheit kann so richtig ernstlich wohl nur jemand verfallen, der die Realität auf seiner Seite glaubt."
Christoph Egger von der Neuen Zürcher Zeitung diagnostiziert, dass der Film inhaltlich zur "herkömmlichen Familientragikomödie" tendiere, aber durch "abrupte Szenenwechsel und nachlässig behandeltes Licht einen wie 'experimentierenden' Eindruck zu erwecken" versuche. Einige Szenen seien so unmittelbar in ihrem Bezug auf Das Fest oder Italienisch für Anfänger, dass einem "anstatt Reverenz doch eher Nachahmung in den Sinn" käme.
Elmar Krekeler von der Welt ist möglicherweise selbst familiengeschädigt und fragt sich, ob man sich "dieser Freakshow, die sich Familie nennt, wirklich aussetzen muss" und "ob man mit der eigenen nicht genug hat"; am Ende habe man allerdings "das sichere Gefühl, nicht ganz allein zu sein. Das hilft doch sehr." In dieser "gefühlsechten Geschichte, aus Improvisationen geboren, farbecht fotografiert, sehr lustig, anrührend, nie kitschig" stecke ja auch "mehr Leben" als in einem "halben Dutzend Hollywood-Rührstücken".
Martina Knoben von der Süddeutschen Zeitung sieht den Film getragen vom Humor des Vaters, der "mit dem Entsetzen (spielt), er ist das Zentrum des Films, ein geheimnisvoller, diabolisch- närrischer Mann, dem man auch die Verführung seiner Tochter zutraut". Ironisch spiele die Regisseurin mit den Anklängen an Vinterbergs Fest, und erfreulicherweise betrachte sie selbst die eigenen Arbeitsmethoden – die Schauspieler improvisieren über weite Strecken - mit einer "angenehmen Distanz".
Die taz hat ein Gespräch mit Regisseurin Olesen geführt, in dem es um eben diese Improvisationen, die sogenannte 'Mike Leigh-Methode' geht: die "Darsteller erarbeiten in langen Proben ihre Figuren und deren Beziehungen zueinander, die Regie überwacht diesen Prozess, der Autor gewinnt aus den dabei entstehenden Geschichten ein Drehbuch" - so die taz in ihrem kurzen Porträt der Filmemacherin.
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1)
• Bildformat: 16:9, 16:9
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 109 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 11. November 2004
• Produktion: 2001
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