Filmkritik:
Väter
D 2002 R: Dani Levy D: Sebastian Blomberg, Maria Schrader, Ezra Valentin Lenz, Christiane Paul, Ulrich Noethen, Rolf Zacher, Rosel Zech Filmwebsite
Die Geschichte eines Vaters, dem die Ehefrau den gemeinsamen Sohn entzieht, der dann schließlich vom Vater gekidnappt wird, basiert auf einem Drehbuch des Journalisten Matthias Mattusek; dieser hatte einst in der Spiegel-Titelgeschichte das deutsche Scheidungsrecht angeprangert, das den Müttern alle Möglichkeiten gäbe, die Väter von ihren Kindern fern zu halten. Silvia Hallensleben vom Tagesspiegel moniert, der Film habe eine "so schwere polemische Schlagseite, dass man kaum glaubt, dass am Buch auch eine Ko-Autorin mitgewerkelt haben soll"; inszeniert sei er als "Vater-Sohn-Kitsch mit Karussellfahrt, Camping-Idylle und ernsten Gesprächen am Lagerfeuer", und "leider wohl auch ernst gemeint." Die beiden erwachsenen Charaktere erschienen der Kritikerin als "Karikaturen von Geschlechterklischees". Völlig entgegengesetz urteilt Claus Löser vom Filmdienst ; er verteilt posiive Noten: nur wenig "störende Momente" gebe es, über die man gerne hinwegsehe (einige Musikeinspielungen, handwerkliche "Nachlässigkeiten"), denn "in fast jeder Hinsicht" handele es sich um eine "überdurchschnittliche Arbeit". Er vermutet, der Umstand, dass Levy zum ersten Mal einen fremden Stoff bearbeitet hat, habe bei ihm "offenbar zu einer produktiven Distanz zum Gegenstand geführt". Väter sei nämlich ein "kluger Film, jenseits von Betroffenheit, Polemik oder Kitsch".
Lasse Ole Hempel von der Frankfurter Rundschau bedauert Levys "überdeutliches" Bestreben, ein "ausgewogenes Bild zu zeichnen", so würden die "scharfen und eindeutigen Passagen immer wieder einer nicht nachvollziehbaren Ausgewogenheit und Versöhnlichkeit" weichen müssen. Da auch das Innenleben der Figuren unterbelichtet bleibe, reihe sich der Film "ganz wunderbar in die Tradition der nüchternen und genussfeindlichen deutschen Problemfilme ein, die viel ansprechen und bewegen wollen, dabei aber meilenweit von dem entfernt bleiben, was allgemein unter großem Kino verstanden wird". Auch Hans Günther Pflaum von der Süddeutschen Zeitung sieht dei Hauptschwäche des Films darin, unbedingt ein ausgewogenes, faires Bild der Konfliktparteien zu zeichnen. Obwohl Väter "auf größere Distanz zum gängigen Fernsehspiel"hätte gehen müssen, glaubt und hofft der Kritiker, dass Väter sein Publikum finden wird, "wegen des aktuellen Familien-Themas, als Diskussionsstoff".
Auch Peter Zander von der Welt bemängelt, dass Levy "Matusseks radikale Einseitigkeit aufgehoben und die Rolle der Frau ausgebaut" und auch der "Banalität des Durchschnitts misstraut und aus dem Alltags- ein Ausnahmepärchen gemacht" habe. Philipp Bühler von der taz wiederum ist voller Verstaändnis dafür, dass der Regisseur die "melodramatische Form" für diesen Stoff gewählt habe; "völlig zu Recht" begreife er diesen Film als "Liebesfilm", in dem "die Bedingungen von Liebe dem Wunschsystem Liebe nicht den Rang ablaufen dürfen". So finde Levy "in der Sentimentalität einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung" zum "Wesen der Liebe selbst zurück".
Oliver Hüttmann vom Spiegel interpretiert dies völlig anders: Levys Haltung sei "radikaler und pessimistischer als Matusseks zugespitzte Provokation", die Liebe "hat hier ihre Magie verloren, die Ehe ist nur noch ein Kooperationsvertrag mit fristloser Ausstiegsklausel".
In der Süddeutschen Zeitung finden Sie auch ein Interview mit Maria Schrader
Infos zu diesem Titel
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
• Bildformat: 2.35:1
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 99 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 7. August 2003
• Produktion: 2002
DVD Features:
• Kommentar von Dani Levy und Schauspielern
• Nicht verwendete Szenen
• Outtakes; Interviews
• Making Of
• Kinotrailer; Teaser; Videoteaser; X Verleih Trailershow
Was läuft wo?
Welcher Film, welche Stadt, welches Kino, welche Uhrzeit - finden Sie's raus mit dem
Cinema-Kinotimer



























