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Aktualisiert am 29.04.2006

Filmkritik:

Das geheime Leben der Worte

Das geheime Leben der Worte

(La vida secreta de las palabras) E 2005 R: Isabel Coixet D: Sarah Polley, Tim Robbins, Javier Cámara, Julie Christie, Sverre Anker Ousdal, Steven Mackintosh Filmwebsite
Hanna, schwerhörig und sehr zurückgezogen lebend, heuert als Krankenschwester auf einer Ölplattform an, um Josef, den schwer verbrannten und vorübergehend erblindeten Überlebenden eines Unfalls zu pflegen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine vertrauensvolle Beziehung. Der Film gewann vier Goyas, den nationalen spanischen Filmpreis: für den besten Film, die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Produktion.

"Auch in ihrem zweiten englischsprachigen Film nach Mein Leben ohne mich beweist Isabel Coixet ihre Gabe zur leisen und vielschichtigen Form der Erzählung, die sich um so tiefer ins Herz bohrt", schreibt das Branchenblatt Blickpunkt:Film.

" Das geheime Leben der Worte ist ein Film voller Anspielungen und Ahnungen, mit dem die junge spanische Regisseurin einmal mehr unter Beweis stellt, wie leicht es ihr fällt, große Gefühle auf unkonventionelle Art zum Ausdruck zu bringen", findet Wolfgang M. Hamdorf (Filmdienst). Allerdings gelinge "die Gratwanderung zwischen Innerlichkeit, politischer Betroffenheit und trivialer Emotionalität nicht immer, weil der Aufbau der Geschichte zwar überzeugt, am Ende aber doch der Beigeschmack modischer Sentimentalität überwiegt". Der Film berühre "durch das Spiel und die Interaktion der beiden Protagonisten".

Für Peter Zander (Welt) ist der FIlm ein gelungener Versuch, "die Sinne zu wecken. Die Spanierin Isabel Coixet zeigt dies in ihrem kleinen, feinen Drama, das ohne große Effekte auskommt. Aber ein ungewöhnliches Heran-Tasten über alle Sinne darstellt. In fast sachten Gesten, die einem das Schmecken, das Fühlen näherbringen, schließlich auch das Zuhören. (...) Der einzige Sinn, dem sich Coixet verwehrt, ist der dem Kino ureigene, der visuelle. Sie verweigert sich dem klassischen, auch: dem billigen Gefühlskino. Den großen, elegischen Bildern mit den wohlkomponierten Trauer-Tableaux. Ihre Bilder sind spröde, grau, alltäglich. Und wollen es sein."

Heike Kühn (Frankfurter Rundschau) zeigt sich von dem Film, vor allem aber von seiner Hauptdarstellerin beeindruckt: "Isabel Coixet hat ihren schmerzlich bewegenden Film für die kanadische Schauspielerin Sarah Polley geschrieben, die seit ihrem Auftritt in Atom Egoyans Das süße Jenseits als das Wesen der Ambivalenz gilt. Wie kaum eine andere Schauspielerin ihrer Generation vermag Polley gleichzeitig sehnsuchtsvoll und sich selbst verstörend fremd zu sein."

Christina Tilmann vom Tagesspiegel fühlte sich wegen der vordergründig ähnlichen Geschichte "entfernt erinnert an Lars von Triers Breaking the Waves, auch wenn es dort um ein ganz anderes Opfer ging, um ein anderes Frauenbild. Coixets Film hingegen schwebt in diesen Momenten, hält inne, kreist um die beiden Protagonisten, die wunderbare Sarah Polley, ein Madonnengesicht mit ernstem Kinderblick, unvergessen aus Isabel Coixets letztem Film Mein Leben ohne mich, und Tim Robbins, nach langer Zeit wieder in einer echten Charakterrolle."

Birgit Roschy (epd Film) spricht anerkennend von einem "ungewöhnlichen und intensiven" Drama. Gelegentlich scheine Coixet allerdings "zu vernarrt in poetische Verspieltheiten, verliert sich in esoterischen Verschrobenheiten". Auch Roschy lobt nachdrücklich das Spiel Sarah Polleys.

"Ein Hauch von Wenders-Kino liegt über dem Geheimen Leben der Worte, aber im guten Sinn", schreibt Andreas Kilb von der FAZ: "Wo Wim Wenders einmal angefangen hat, in Alice in den Städten oder Im Lauf der Zeit, da macht Isabel Coixet weiter und erzählt ihre eigene, weibliche Version der Geschichte der Einsamkeit. Auch ihr Film hat eine Moral, doch sie drängt sich nicht vor wie beim späten Wenders, sondern schreibt sich unauffällig den Bildern ein."

Thomas Winkler (Spiegel Online) betont, Coixets Leistung sei es, dass sie das Leiden "ohne Pathos" in Szene setze, "und in klaren Bildern, mit feinen, einfühlsamen Dialogen". In seinen Text fließen auch Zitate aus einem Interview mit der Regisseurin ein.

Der Filmdienst hat ein Interview mit Isabel Coixet geführt.

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