Filmkritik:
Hostel
USA 2005 R: Eli Roth D: Jay Hernandez, Derek Richardson, Eythor Gudjonsson, Barbara Nedeljáková, Rick Hoffman, Jana Kaderabková, Jan Vlasák, Jennifer Lim Filmwebsite
Zwei amerikanische Jungs reisen durch Europa und wollen es so richtig krachen lassen. Ein slovakisches Hostel soll dafür der richtige Ort sein, doch da es sich um einen Horrorfilm handelt, entwickeln sich die Dinge anders als gedacht.
Blickpunkt:Film verspricht eine "furiose Blutoper", bei der "Bohrer, Zange, Kettensäge und Skalpell nur einen kleinen Teil des Arsenals bilden. Dabei werden die Aufnahmen der eigentlichen Verstümmelungen relativ schmerzlos kurz gehalten", bzw. ins Off verlegt, "was sich beim unweigerlichen Director's Cut vermutlich ändern dürfte." Gegen Ende lasse die "Plausibilität des Plots" wohl gewollt nach. Einige Nebenrollen seien "erinnernswert" gezeichnet. Kurz, hier war man überaus zufrieden.
Bei René Classen vom Filmdienst findet das Geschehen in Slovenien statt. Ihm gefiel irgendwie nicht, dass diesmal die blutrünstigen Hinterwäldler von uns Europäern gegeben werden müssen, nachdem der Film zu Beginn den Eindruck erweckte, "mit der kulturellen Arroganz seiner Landsleute abrechnen" zu wollen. "Mit diesem unmotivierten Richtungswechsel büßt der Film auch sein Terror-Potenzial ein. Gab es bis zu Joshs Tod (Ups) noch unangenehm dichte Momente, verflacht der Film in der zweiten Hälfte zum banalen Actionkino, das mit extremer Gewalt die Aufmerksamkeit der Medienöffentlichkeit zu erkaufen versucht."
David Kleingers vom Spiegel schreibt über den Trend zum Horrorfilm. Er lässt Roth zu Wort kommen, der die Welt so sieht: "Wir haben einfach Angst, denn wir werden von einem Schimpansen regiert und führen einen Krieg, den wir niemals gewinnen. Horrorfilme helfen, die eigene Angst zu verstehen." Der Film zeige, "dass es Feinde gibt, auf die unser vermeintlich allmächtiger Dollar keinen Einfluss hat." Und trotz gewisser Zweifel findet auch Kleingers, dass "die sonderbare Unterhaltung des Horrorkinos" es schaffe, "potente Alptraumbilder zu produzieren, die unsere gegenwärtigen Schrecken reflektieren und für anderthalb Stunden auf die Leinwand bannen."
Dir taz schreibt kurz, der Film sei "grausam, blutig und trashig" und die slovakische Regierung habe sich etwas darüber beschwert.
Hanns-Georg Rodek von der Welt erkennt in den neuen Horrorfilmen angesichts der Kriege, Gefangenenlager und Terroranschläge durchaus einen Sinn. "Die zusätzliche Drehung der Schraube, womit der Horrorfilm seinen Vorsprung vor der Realität so gerade hält, besteht in der systematischen Zerstörung seiner Leiber. Während das Fernsehen Körper in Styling-Wettbewerben knetet und die Wissenschaft sie genetisch umstrickt, werden sie im Kino vernichtet. Keiner interessiert sich mehr für das Wesen des Menschen, sondern nur noch für dessen materielle Hülle, um daran zu experimentieren."
Andreas Busche (taz) findet, Hostel spiele "recht plakativ mit dem Zeichenrepertoire des Splatterfilms", dringe darüber aber "zu seinem hysterischen Kern vor: dem Unbehagen vor dem Anderen". Er nimmt den Film zum Anlass für Betrachtungen über die "Goldene Ära des Splatterfilms" in den siebziger Jahren und die aktuelle amerikanische Horrorfilmproduktion.
Die Welt am Sonntag hat sich mit Regisseur Eli Roth unterhalten.
In der FAZ finden Sie einen Artikel über den Produzenten des Films, Quentin Tarantino.
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