Filmkritik:
Lautlos
D 2003 R: Mennan Yapo D: Joachim Król, Nadja Uhl, Christian Berkel, Rudolf Martin, Lisa Martinek, Peter Fitz, Mehmet Kurtulus, Wilhelm Manske, Jale Arika Filmwebsite
Der Auftragskiller Viktor (Joachim Król) verliebt sich in die Geliebte eines seiner Opfer. Während sich die beiden einander vorsichtig annähern, muss Viktor einen schwierigen Job erledigen.
Rolf-Ruediger Hamacher vom Filmdienst "brillant inszenierte Eröffnungssequenz" schüre hohe Erwartungen, die dann leider nur die Kamerarbeit und die darstellerischen Leistungen erfüllen könnten. Die Schwächen lägen im Drehbuch und in den "intellektualisierten 'Kunstdialogen'". Regisseur Yapo sei nicht im Stande, die "Schwäche des Vorlage" und deren "dramaturgische Ungereimtheiten" auszugleichen.
Hanns-Georg Rodek von der Welt freut sich, dass Lautlos sich des hierzulande "vergessene Subgenre" des Auftragskiller-Films annehme. Dieses Genre funktioniere nach einem "strikten Bauplan", gegen den Lautlos sich einige Verstöße erlaube - beabsichtigte und unbeabsichtigte. Der Film hinterlasse "noch zuviel Geräusche, auf der Tonspur wie im Knirschen seines Konstrukts", aber ein "Film zum Aufhorchen" sei er allemal.
Andreas Kilb von der FAZ meint, nach gutem Auftakt gerate der Film schnell ins Stolpern, schwanke zwischen "seinen Tugenden und seinen Schwächen hin und her: zwischen der virtuosen Schilderung von Viktors Taten (...) und der unbeholfenen Andeutung von Viktors Gefühlen". Lautlos wirke "weltlos und ausgedacht", und Joachim Król sei keineswegs die Idealbesetzung für einen Serienmörder, weil ihm der "kalte Blick" abgehe.
Für Sascha Westphal ( Frankfurter Rundschau) durchzieht die Geschichte "Spuren von Melvilles Fatalismus und Tuttles Poetisierung der Verdammnis". In den vom Filmkritiker Lars-Olav Beier geschriebenen Dialogen hörte er das "Echo unzähliger anderer Filme - und sein Wissen um das Genre unterscheidet Lautlos schließlich von anderen zeitgenössischen deutschen Thrillern".
Shirin Sojitrawalla von der taz stellt fest, der Film habe "durchaus Stärken, ein spannendes Ende etwa", doch immer wieder blieben die Bilder "in ihrer Zeichenhaftigkeit stecken", und die Dialoge der Liebenden seien "leider nicht von dieser Welt", und so "bleibt den Darstellern gar nix anderes übrig, als die Worte wie kostbare Murmeln im Mund herumzuschieben".
Julian Hanich ( Tagesspiegel) meint der Film funktioniere als "hochspannender" und "hochstilisierter" Thriller und sei "beispielhaft" für ein Genrekino, das sich nicht einigele in einer "Welt der Kino-Referenzen", sondern "klug" über sich selbst hinausreiche, und ein beinahe "klassizistisch strenger" Film von "edler Vielfalt und stiller, nur von ein paar Elektronikbeats unterbrochener, Größe".
Christian Berkel von der Frankfurter Rundschau kritisiert: der Plot "hätte eine interessante Geschichte abgeben können". Diese komme jedoch nur als "back story" vor, zu "sehen" sei es nicht. Der von Joachim Król gespielte Killer träte "wie durch einen Spiegel ins Leben" und könne auf "wundersame Weise alles". So ähnlich verhielte es sich auch mit der Hauptfigur Nina. Sie wirke "seltsam leer und starr." Trotz "mancher origineller Einfälle" bliebe dieses "ambitionierte" Debüt "etwas blutleer und steril".
Für Oliver Hüttmann vom Spiegel haben Regisseur und Drehbuchautor zunächst "alles richtig" gemacht - ihr Film sei "packend und präzise" inszeniert und zitiere klug die Vorbilder des Genre-Kinos. Aber Yapos "streng stilisierte Bilder" wirkten "allzu selbstverliebt", die Figuren sprächen mit einer "unterkühlten Mischung aus Tonlosigkeit und Theatralik, die keinem eine eigene, lebendige Persönlichkeit über die Optik hinaus verleiht". Die "überhöhte Killerballade" sei deshalb dann am stärksten, wenn sie "tatsächlich vollkommen lautlos" bleibe.
Die Welt hat mit Joachim Król gesprochen.
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