Filmkritik:
Michael Jackson's This Is It
USA 2009 R: Kenny Ortega 111 Min. Filmwebsite
Der Konzertfilm setzt sich aus vielen hundert Stunden Proben- und Behind-the-Scenes-Material zusammen, als sich der verstorbene Sänger für seine Konzertserie in London vorbereitet hat. Der Film ist eine umfassende Retrospektive von Michael Jacksons Karriere und beinhaltet Interviews mit einigen seiner engsten Freunde und Kollegen. Der Großteil der Filmaufnahmen ist im Juni 2009 im Staples Center in Los Angeles, Kalifornien, sowie im Forum in Inglewood, Kalifornien, entstanden, wo sich Jackson auf eine geplante Serie von 50 Konzerten vorbereitete.
Jenni Zylka von der taz hat dokumentarische Bilder gesehen, die sich von "offiziellen, glamourösen, bearbeiteten Videoclipbildern nur in Nuancen" unterschieden, doch es seien "genau diese zarten Nuancen, von denen man nicht weiß, inwiefern sie beabsichtigt waren, die den Film spannend machen". Jackson "versucht nicht einmal, persönlich zu sein. Er, der immer beklagte, man solle ihn als Person, nicht als Persönlichkeit sehen, hatte seine Person längst komplett aus seinem Leben gedrängt, mit Drogen, Traumata, der künstlichen Welt. Genau das wollte der Film nicht zeigen, hat es aber getan".
Hannah Pilarczyk von Spiegel Online stellt fest, der Film zeige einen "augenscheinlich gesunden Michael Jackson, der keine Kompromisse kennt". This Is It sei ein Beispiel für die "Eventisierung des Kinobesuchs. Tickets werden verknappt, Laufzeiten verkürzt und Stars ins Rennen geschickt, bis sich der einfache Kinoabend wie eine exklusive Fan-Veranstaltung anfühlt."
Martin Macowecz schreibt im Tagesspiegel, dies sei "auch der Versuch einer Reinwaschung. Von Jackson selbst. Aber auch derer, die ihn nicht gerettet haben in der Zeit seit jener Londoner Pressekonferenz". Der Film sei eine Hommage, "dramaturgisch klug verwoben" zu einer "großen Lüge, die auffliegt, wenn man genau hinsieht". Der Film "hat keine Szene, in der Jackson heult oder am Boden liegt oder wenigstens flucht. Keine, in der er den Ton nicht trifft, verzweifelt ist, zittert. Ist das nie passiert?"
Edo Reents von der FAZ bemerkt, es sei der "Michael-Jackson-Industrie" mit dem This Is It gelungen, "lebensverlängernd zu wirken, auch wenn man nach einem ganz regulären Kinobesuch - Pressevorführungen gab es nicht - den Eindruck hatte, dass die Resonanz schon am ersten Tag nachzulassen begann". Der Film biete keine Überraschungen und sei, "in dieser Länge (fast zwei Stunden), nur für Fans interessant - also für sehr viele". Kenny Ortega habe einen "Werkstattbericht inszeniert und vor allem zusammengeschnitten", für den es "durchaus Vorbilder gibt, etwa die Musicals/Filme A Chorus Line oder Fame“. Auch wenn der Film, "dessen Ehrlichkeit man auf sich beruhen lassen sollte", etwas zeigt, "das noch gar nicht fertig war - es wäre sehr wahrscheinlich eine große Show geworden".
Jens-Christian Rabe von der Süddeutschen Zeitung meint, was zu sehen ist, sei zwar "kohärent komponiert, im Grunde jedoch nichts Halbes und nichts Ganzes, also weder ein richtiger, spektakulärer Konzertfilm, noch eine echte, aufschlussreiche Dokumentation der Arbeitsweise Jacksons und der Entstehung einer millionenschweren Pop-Show an den Grenzen dessen, was in diesem Genre heute technisch möglich ist". Zur "laufenden Produktion der Interpretationsindustrie" von Jacksons Leben sei er aber "zweifellos ein gewichtiger Beitrag".
Für die Welt ist "das Ganze allerdings eher ein knüppelhart kalkuliertes Finanzgeschäft als ein Geschenk an die Fans". Es gebe Boykottaufrufe.
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