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Aktualisiert am 21.03.2006
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Filmkritik:

Fateless – Roman eines Schicksallosen

Fateless – Roman eines Schicksallosen

(Sorstalanság) Ung/D/GB 2004 R: Lajos Koltai D: Marcell Nagy, János Bán, György Gaszó, Judit Schell, Áron Dimény, Daniel Craig Filmwebsite
Das Holocaust-Drama nach dem Roman und Drehbuch von Imre Kertész erzählt aus der Perspektive eines 15jährigen Jungen aus Budapest, die Geschichte der ungarischen Juden. Nach der Festnahme seines Vaters wird auch György nach Auschwitz und später Buchenwald und Zeitz deportiert. Nach der Befreiung kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Blickpunkt:Film spricht von einem "berührenden" und "beeindruckend fotografierten" Drama. "Die Bildkraft von Koltais und Kertesz' unerhörter Geschichte hängt mit dem Verlust von Farbe zusammen. Erst in Sepiatönen aufgenommen, verlieren auch diese Bilder langsam die Farbe, bis sie zu einem schmutzigen Grünschwarz tendieren, das Györgys Empfindungen und seinem Seelenhorror entspricht."
Michael Kohler vom Filmdienst ist schwer enttäuscht. Seiner Meinung nach ist der Film gründlich misslungen. Man sehe der Verfilmung des "autobiografisch motivierten Romans von Imre Kertész" zwar an, dass Lajos Koltai "sein Handwerk als Kameramann" verstehe, "doch um den Stoff zu diesem Ende hin zu formen, hätte es mehr bedurft als die teils beflissene, teils biedere Illustration einer jüdischen Passionsgeschichte. Jede Episode ist bei Koltai nicht viel mehr als eine mit historischen Insignien ausstaffierte Filmbühne, jeder Ort eine beliebige Ansichtspostkarte des Unvorstellbaren."
Anna Roth vom Tagesspiegel ist entsetzt. Ihrer Meinung nach löst der Film nur Gleichgültigkeit aus. Und nichts sei schlimmer als das. Das Cinemascope-Format, mit dem der "kameraerfahrene Koltai" durchaus umzugehen wisse, wirke hier "unangemessen": "Der Farbton- und Filtermeister, dessen Stil und Handwerk ideal zu Kostümfilmen passen (…), erreicht hier nur Künstlichkeit. Das Künstlerische findet keinen Platz." Aber auch das Drehbuch findet kleine Gnade bei Roth: "Ist es nicht absurd, einen philosophischen Roman ohne Philosophie zu erzählen?" Zu wenig sei es, was die Regie dem zum Ausgleich entgegensetze: "Die Distanz, die aus alledem entsteht, ist dann die des Zuschauers: Er sieht ein bloßes Schauspiel mit gut geschminkten Akteuren. Das Konzentrationslager bleibt lediglich Dekor: ein Bühnenbild. Auch von Gyurkas Geschichte bleiben nur Klischees übrig, überzuckert durch die Musik von Morricone. Geradezu peinigend die hungarisierenden Zimbeln!"
Kertész' Entscheidung, das Drehbuch zur Verfilmung seines Romans selbst zu verfassen sei "mit Sicherheit nur die zweitbeste Entscheidung" gewesen meint Iris Radisch von der Zeit. "Denn der Film von Lajos Koltai, der durchaus getreu nach diesem durchaus passablen Drehbuch gedreht wurde, ist ein peinlich berührender Edel-KZ-Film geworden, ein Elendsbilderbogen der Luxusklasse, der dem Geist des Romans widerspricht, obwohl er seine Geschichte genauestens rapportiert." Und sie schließt mit der Prophezeiung: "Die Pracht der Unverziertheit mit den Mitteln der Verzierung zu erreichen, ohne es ihr gleichzutun – an diesem Paradox wird das Holocaust-Kino sich noch lange die Zähne ausbeißen. Das soll uns nicht kümmern. Wir lesen solange. Wir lesen die Bücher von Jean Améry und Tadeusz Borowski, von Ruth Klüger und Primo Levi, Miklós Radnóti und unserem über alles verehrten Imre Kertész."
Heike Kühn von der Frankfurter Rundschau findet, der Film habe die Vorlage in ihrer Radikalität nicht verstanden: "Im Buch ist die schwärende Wunde des halbtoten Jungen ein Monolog über die Fähigkeit, sich an alles zu gewöhnen und der Monolog der tiefere Riss im Gewebe der Menschheit. Im Film ist die Wunde hübsch ekelhaft und die Würmer zahlreich wie die Elendsstatisten. Das Bild vermag nicht zu zeigen, dass es nicht auf den Anblick, sondern auf die tranceartige Überbelichtung des Geschauten ankommt. Das unreflektierte, ungerührte Filmbild transportiert den unheilvollen Sieg des Sichtbaren über die Flucht aus dem allzu Konkreten."
Tilman Krause von der Welt ist dagegen doch ziemlich beeindruckt von dem Ergebnis. Im Gegensatz zum immer noch "eindrucksvollsten aller Holocaust-Filme", dem Dokumentarfilm Alain Resnais' Nuit et Brouillard von 1955, der "den Weg der Reduktion" wählte, "entscheidet sich Lajos Koltai (…) umgekehrt für eine Filmsprache der Fülle". Diese "Vielfalt" mache Fateless "nicht nur - paradox genug - zu einer großen Oper für die Augen. Sie deutet an, was der Film in seinen stärksten Momenten auch ausdrücklich sagt: Hier versagen herkömmliche Ausdrucksmittel." Krause verteidigt auch die vielgerügte Filmmusik von Ennio Morricone: "Religiös unmusikalische Gemüter werden hier 'Kitsch!' rufen. Christen könnten in Fateless einen der wenigen und mutigen Versuchen erkennen, sich beim Thema Holocaust endlich in jene Sphäre voranzutasten, die seiner Schreckensdimension gerechter wird als alle Soziologie."

Interviews mit Imre Kertész gibt es im Filmdienst, im Tagesspiegel und in der taz.

Berlinale-Stimmen zum Film finden Sie hier und hier.

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Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Englisch
• Bildformat: 16:9, 2.35:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 134 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 16. Februar 2006
• Produktion: 2004

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