Filmkritik:
Kung Fu Hustle
China/Hongkong2004 R: Stephen Chow D: Stephen Chow, Yuen Wah, Leung Siu Lung, Dong Zhi Hua, Chiu Chi Ling, Chan Kwok Kwan, Lam Tze Chung, Fung Hak On, Jia Kang Xi, Feng Xiao Gang, Yuen Qiu Filmwebsite
Ein kleiner Krimineller soll für eine Bande Zahlungen von einer Hausbesitzerin erpressen, doch die erweist sich als überraschend schlagkräftig. Der Film verknüpft Martial-Arts mit Slapstickelementen. Blickpunkt:Film fühlte sich an einen "Roadrunner-Cartoon" erinnert, "auch wenn es hier echte Opfer gibt." Es vermische sich "Klamauk, Akrobatik und Spezialeffekte zu purem visuellen Entertainment, das mit Zitaten aus Kill Bill, Matrix, Spider-Man, ja vielleicht sogar Chaplins Citylights seine Liebe zum Kino unterstreicht." Das raube "einem manchmal den Atem, mitunter aber auch den Nerv."
Holger Römers vom Filmdienst war angenehm überrascht von der Verwendung der Computereffekte, die dem Film einige comicartige Szenen schenken. Der Humor lasse "die schadenfrohe Gemeinheit alter Cartoons erkennen, wenn der Protagonist buchstäblich unangespitzt in den Boden gerammt wird." Aber auch die Akrobatik der Kämpfer hat ihm gefallen.
Josef Engels von der Welt schwärmt von einer "wunderbaren, durchgeknallten Neuinterpretation des Martial-Arts-Genres", keine "hirnlose Verballhornung", sondern "eine mit allen modernen Mitteln der digitalen Technik ausgeführte Verbeugung vor dem Hongkong-Kino". Dabei sei die größte Stärke des Films "seine Unvorhersehbarkeit. An keiner Ecke der Geschichte weiß man, mit welcher Wendung Chow, der Erfinder von Shaolin Kickers, seine seltsame Gangster-Mär aus dem Shanghai der 40er weiterentwickeln wird."
Susanne Messmer von der taz freut sich darüber, dass die Chinesen offenbar ein ausgesprochen selbstironisches Völkchen sind. Der Film hat ihr fabelhaft gefallen. Unter anderem wegen der prima Schauspieler: "Dies ist genau das Personal, dem man abnimmt, dass es morgens Kalligrafie übt und abends Kasperletheater mit Buddhabüsten spielt. Sie präsentieren Superhelden und verkörpern mehr Lust auf Alltag als auf ein Leben als Superheld."
Bert Rebhandl bringt uns in der FAZ den chinesischen Begriff "mo lei tau" näher, der sich ins Deutsche eher ungenügend mit dem Wort "Klamotte" übersetzen lasse: "Ein wesentlicher Bestandteil von 'mo lei tau' hat jedoch mit physischer Komik weniger zu tun als mit entfesseltem Sprachwitz, der auf der phonetischen Besonderheit des Kantonesischen beruht, auf dem ähnlichen Klang vieler Wörter und der Möglichkeit, mit geringen Variationen gewichtige Fehlleistungen zu produzieren." Darüber hinaus zeichne den Film eine "genuine Lust am Häßlichen und Abstoßenden" aus; so unterlaufe er auch das "stark stereotypisierende Marketing-Umfeld".
Die Frankfurter Rundschau hat von "mo lei tau" wahrscheinlich auch noch nichts gehört, sie lobt einfach des Regisseurs "gutes Gespür für die richtige Mischung aus Reminiszenzen, Action und Klamauk", das den Film auch für Kinogänger interessant mache, "die mit Martial Arts nicht viel am Hut haben".
Julian Hanich vom Tagesspiegel klingt so, als habe er sich bestens unterhalten. Über die Güte der Prügeleien schreibt er: "Weder schlägt man sich mit der flachen, aufwärts geschwungenen Hand (der beliebte, aber unelegante Obelix-Topspin). Noch kommt der plumpe, wenngleich effektive Bud-Spencer-Hammer zum Einsatz. Stattdessen sehen wir fiese Gangster mit einer geradezu Ronaldinho-artigen Eleganz im Seitfallzieher oder mit einer Außenrist-Technik Richtung Häuserwand schlenzen, die an den frühen Beckenbauer erinnert." Allzuviel "intellektuellen Ertrag" dürfe man natürlich nicht erwarten.
Till Brockmann von der Neuen Zürcher Zeitung gibt immerhin zu bedenken: "Allerdings droht das System der aneinander gereihten Höhepunkte sich totzulaufen. Besinnlichkeit oder gar einen tieferen Sinn fordern wir vom Meister des 'mo lei tau' (langsam glaube ich, das stand im Presseheft...) - was auf Kantonesisch ungefähr 'Unsinn' bedeutet - bestimmt nicht. Doch wie der Held braucht auch der Zuschauer bisweilen eine Atempause."
Kai Mihm von epd Film schwärmt von "einer anarchisch-humorvollen Martial-Arts-Extravaganza, die an Einfallsreichtum, Energie und visueller Kraft kaum zu überbieten ist." Im Vergleich zu Tarantinos Kill Bill könne man hier sehen, "welch frappierenden Unterschied es macht, ob ein Martial-Arts-Regisseur den entsprechenden kulturellen Hintergrund mitbringt. Bleibt der eine fast zwangsläufig in kitschhafter Pose stecken, hat man bei dem anderen das Gefühl, dass er instinktiv den richtigen Ton trifft." Vor allem habe man das Gefühl, "dass hier einer keine Entscheidungen nach marktstrategischem Kalkül getroffen hat."
Daniel Haas vom Spiegel ist der "virtuosen Verspieltheit" und dem "genialen Furor" von Kung Fu Hustle verfallen. Die "Mischung aus extremem Stilwillen und selbstreflexivem Augenzwinkern, maximaler Artistik und feixendem Humor" mache den Film "im besten Sinne zum Spektakel". Die Bilder verweisen nicht auf etwas anderes, sondern sind sich selbst genug als "Zeichen der kinetischen Energie, die wild und lustvoll die Leinwand erobern", meint der Kritiker. Der Humor des Films sei "raffiniert, selbstreflexiv und damit hoch modern".
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Italienisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Tschechisch, Türkisch
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 95 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 8. November 2005
• Produktion: 2004
DVD Features:
• Filmkommentare Cast & Crew
• Entfallene Szenen
• TV Spezial - Hinter den Kulissen von 'Kung Fu Hustle'
• Interview mit Stephen Chow; Gags & Outtakes; Poster-Galerie
• TV-Spots; Trailer
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