Filmkritik:
Krieg der Welten
(War of the Worlds) USA 2005 R: Steven Spielberg D: Tom Cruise, Dakota Fanning, Miranda Otto, Justin Chatwin, Tim Robbins, David Alan Basche, Yul Vazquez, Rick Gonzalez, James DuMont Filmwebsite
Verfilmung von H. G. Wells' 1898 erschienenen Roman über eine interplanetarische Invasion. Die Außerirdischen planen die Invasion der Erde, die unterlegenen Erdenbwohner setzten sich zur Wehr. Auch Ray Ferrier (Tom Cruise) und seine Familie müssen in den Krieg der Welten ziehen.
Blickpunkt:Film bemerkt lediglich, dass Spielberg zum ersten Mal "Außerirdische als feindselige Wesen charakterisiert".
Rüdiger Suchsland (Filmdienst und Frankfurter Rundschau) fragt sich, was wohl Steven Spielberg "an diesem Stoff gereizt" haben mag, der doch mit Unheimliche Begegnung der dritten Art und E.T. – Der Außerirdische "zwei rare Beispiele jenes Genres schuf, die die Begegnung mit anderen Lebensformen nicht negativ erzählen". In Krieg der Welten nun sind die Aliens "kompromisslos böse und mörderisch", verhandeln nicht, sondern legen "ganze Städte in Schutt und Asche, ballern auf alles, das sich bewegt, töten die Menschen oder nehmen sie gefangen, um ihnen ihr Blut auszusaugen". Die "Mischung aus Horror- und Katastrophenfilm" ist angereichert mit den "üblichen Zutaten fast aller Filme Spielbergs": Familienwerte werden propagiert und der Glaube, dass es jeder schaffen könne, "wenn er nur will, aber er muss es bitteschön auch im Hinblick auf gute Ziele wollen". Stilistisch sei der Film zu Beginn eine "Rückkehr zu seinen Anfängen als Regisseur: sozialrealistisch, dunkel und schmutzig, voller Anklänge an den Stil des 'New Hollywood' der 1970er-Jahre"; mit der Ankunft der Aliens "wird dann alles zum Horrorfilm". In seiner Aussage sei Krieg der Welten "pessimistisch" und bestimmt von der "Trauer um ein verlorenes, eigentlich schon verschwundenes Amerika", gekleidet in "stellenweise sehr eindrucksvolle Bilder von geradezu apokalyptischem Ausmaß". Insgesamt sei dies ein "lange Zeit düsterer, disparater, stellenweise fesselnder, dann wieder über lange Strecken langweiliger Film".
Roland Huschke schreibt in der Welt am Sonntag, man habe in der PR-Kampagne für den Film "derart ungewöhnliche Maßnahmen" ergriffen, dass "schwere Nervosität und manipulative Arroganz als Motive vermutet werden dürfen" und "Angst vor schlechter Mundpropaganda". Diese Angst sei berechtigt: die Spezialeffekte wirkten "künstlich" und seien "aus weit billigeren Genrefilmen" bekannt; die "schwachbrüstige Mär in Moll" leide an ihrem schlechten Drehbuch und ächze unter dem "Anspruch, als Familienfilm funktionieren zu wollen".
Spielberg zeigt Amerika als "zutiefst verunsicherte Nation, als ein Land im Würgegriff der Angst vor dem globalen Terror, der aus heiterem Himmel zuschlagen kann", meint Christiane Peitz vom Tagesspiegel; ungewöhnlich sei die "Vermischung der Genres", denn Spielberg habe in das Action-Spektakel ein "Kammerspiel hineingewoben, eine in düsteren Farben gezeichnete sozialrealistische Erzählung". Nur auf den ersten Blick rede Spielberg der "sozialen und politischen Moral eines konservativen Amerika das Wort", auf den zweiten aber sei sein Film "so zerrissen wie die Welt". Tom Cruise' Performance überzeugte die Kritikerin nicht: seine Mimik "erschöpft sich in Posen des Erschreckens oder in deplatziert hilflosem Grinsen".
Alexandra Stäheli von der NZZ lobt etwas umständlich, War of the Worlds "vermag Steven Spielbergs Gütesiegel des Wunderkinos erhobenen Hauptes zu tragen". Der Film bleibe "erstaunlich nahe" an Wells' Roman aus dem Jahr 1898, verlasse sich dabei nicht allein auf digitale Effekte und Computeranimationen, sondern kombiniere "verschiedenste Techniken aus der Geschichte des Überwältigungskinos zu einem dramaturgisch perfekten Spektakel".
Der Film werde den Leuten "einen Schauer über den Rücken jagen, und es hat nichts von dem Fun, der irgendwie auch dem härtesten Horrorfilm eignet", schreibt Fritz Göttler in der Süddeutschen Zeitung; der "grausame, blutige, trostlose Krieg der Welten mache "auf dunkle, schonungslose Weise die Verstörung spürbar, die immer noch, immer stärker womöglich, Amerika nach dem 11.September gepackt hält". Neben Zynismus und Sarkasmus entdeckte der Kritiker auch "Momente und Sequenzen (...)von eindringlicher Schönheit", einen "Crashkurs ursprünglicher - manchmal zarter, manchmal grausamer - Kinoerfahrung, den man nicht zerreden sollte".
Bert Rebhandl schreibt in der taz, Drehbuchautor David Koepp habe aus dem Roman von H. G. Wells und der "dazu erfundenen Figur von Ray Perrier" eine "Synthese gezogen, die zur Katastrophe noch die Katharsis hinzufügt". Das Konzept sei "ungewöhnlich" für das Blockbusterkino, das sich "in den letzten Jahren kontinuierlich von den Emotionen abgetrennt und Formen der reinen Kinetik" entwickelt habe, bei denen es "vor allem um Sensationen der Wahrnehmung ging". In Krieg der Welten "ist der Blockbuster nur die eine Hälfte der Geschichte. Die andere ist das Märchen, die schwarze Fabel, der unruhige Traum".
Hanns-Georg Rodek von der Welt sieht Spielberg "nahe der Höhe seines Könnens". Sein Film habe "Textur, Plastizität und (ein großes Wort): Seele", weil er eben nicht nur auf computergenerierte Bilder setze. Seine "eindrücklichen Szenen" hätten "fast immer mit Konflikten zwischen Menschen zu tun, nicht mit Monstern". Nur die letzten zehn Minuten solle man sich schenken, Danach, in den letzten zehn Minuten, denn da "zahlt Spielberg die Schulden zurück, die er zuvor aufgehäuft hat, bei dem US-Militär, das ihn großzügig unterstützte, bei der Game-Generation, die mehr Aliens explodieren sehen möchte, und bei den Rufern nach einem allumfassenden Happy-End, egal wie unglaubwürdig".
Daniel Haas vom Spiegel ist begeistert: hier gehe die Welt auf eine Weise in Stücke, "wie das Kino sie noch nie hervorgebracht hat". Krieg der Welten "bebildert einen Genozid", auch wenn er "vordergründig einer Art verknappter Western-Dramaturgie folgt", meint der Kritiker. Das " bestürzende Werk über die Grenzen der Wahrnehmung im Angesicht des Massenmords" beeindruckte ihn mit "schonungslosen Bildern, die zugleich pietätvoll und brutal, verrätselt und schonungslos direkt sind".
Frank Arnold (epd film) hat "einige eindrucksvolle Szenen" gesehen und als "wesentlichen Referenzpunkt für Spielbergs Werk" die Filmversion von 1953 ausgemacht. So sei Krieg der Welten "ein bewusster Rückgriff auf die fünfziger Jahre – inhaltlich wie ästhetisch". Sein Gesamturteil fällt negativ aus: "Für den Regisseur Spielberg, der in A.I. – Künstliche Intelligenz und Minority Report komplexe Zukunftsvisionen auf die Leinwand gezaubert hat, ist dies aber ein ziemlich belangloser Film."
Verena Lueken von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung macht mindestens zwei Probleme aus, "die Spielberg nicht weginszenieren kann. Das eine ist der Hauptdarsteller. Das andere ist sein fast ausschließlicher Fokus auf Ray und dessen beide Kinder". In einigen Szenen werde "erkennbar, welcher Film der Krieg der Welten hätte werden können - ein Film darüber, wie eine Gesellschaft von innen her zerbricht, während sie gleichzeitig von außen zerstört wird. Spielberg zeigt dagegen, wie sich Familienbande festigen, während die Welt in Flammen aufgeht". Lueken war "angesichts der gewählten Vorlage (...) auf Größeres gefaßt" gewesen und auch "ein bißchen mehr Angst und ein bißchen weniger Kinderweisheit", hätte sie sich von Steven Spielberg gewünscht.
Für Katja Nicodemus von der Zeit ist Krieg der Welten ein "großartiger Film", der "in unsere archetypischen Albträume und Ängste" vorstoße und noch einmal beweise, dass Spielberg der "Meister nicht nur der amerikanischen Paranoia ist". Es habe "eine gewisse Ironie", findet Nicodemus, "dass sich Spielberg nicht mit seinen Aufklärungsdramen, nicht mit Amistad, Der Soldat Ryan oder Schindlers Liste, sondern mit der von ihm etwas verschämt betrachteten Popcorn-Ware am nachhaltigsten ins kollektive Gedächtnis eingeprägt hat. Vielleicht wird sich der große Elektrifizierer aus New Jersey daran gewöhnen müssen, dass ihn die Monster, die er rief, auf immer verfolgen werden. Dass seine Meisterschaft darin besteht, sie in seinen Angstgemälden zu entfesseln. Die Filmgeschichte hat sich nie darum geschert, aus welchen hohen oder niedrigen Motiven ihre wirkungsvollsten Bilder entstanden sind."
Der Spiegel porträtiert die elfjährige Hauptdarstellerin Dakota Fanning.
Im Tagesspiegel finden Sie einen Überblick zu den Reaktionen des US-Presse.
Mit der Gängelung von Journalisten im Zusammenhang mit dem Film Krieg der Welten befassen sich Artikel im Tagesspiegel, im Spiegel und der taz. In der taz finden Sie zusätzlich einen Kommentar zu diesem Thema. Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau schildert die Kontrollen bei der Pressevorführung: "Drei Kugelschreiber, das ist in der Tat verdächtig, wurden eigens aufgeschraubt und zerlegt. Während der Vorführung wurde das gesamte Publikum mit Infrarotkameras belauert, Wachleute patroullierten vor der Leinwand". Die Maßnahmen des Filmverleihers UIP wollten "unter dem Deckmantel des Urheberrechts" vor allem eines erreichen: "Die Zunft soll endlich auf Kommando bellen".
Jan Schulz-Ojala verkündet im Tagesspiegel, dass "diese Zeitung sich Veröffentlichungstermine von niemandem vorschreiben lässt. Den Maulkorb des Verleihs mit einem Kritik-Boykott zu beantworten, wie dies manche Kollegen tun, erschiene uns übertrieben".
Die Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich mit den Promotion-Auftritten von Tom Cruise und der rigiden Sperrfrist für Filmkritiken im Vorfeld des Starts von War of the Worlds.
Adrian Kreye erzählt in der Süddeutschen Zeitung noch einmal die Geschichte von Orson Welles' Hörspielfassung von Krieg der Welten, die 1938 zu einer Massenpanik in Amerika führte.
epd film schreibt über die früheren Adaptionen von H.G. Wells' Roman "War of the Worlds", darunter auch die Hörspielversion von Orson Welles.
Holger Kreitling von der Welt erklärt angesichts des Starts von Krieg der Welten, wie Science-fiction-Filme, "indem sie Außerirdische zu Hilfe nehmen, mehr über uns" selbst erzählen "als wir bei so manchem Blick in den Himmel lernen".
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Arabisch, Dänisch, Finnisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch
• Dolby, DTS Surround Sound, Special Edition, Surround Sound
• Laufzeit: 112 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 15. November 2005
• Produktion: 2005
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